Beim Stadionbau in Berlin ist der 1. FC Union deutlich weiter als Hertha BSC. Während Union konkrete Kapazitäten und ein bestätigtes Verkehrskonzept hat, bleiben bei Hertha Standort, Verfahren und Zeitplan unsicher.
Stadion 1. FC Union
Stadion Hertha BSC
© Titelbild: 1. FC Union Berlin / Collage ENTWICKLUNGSSTADT (KI-generiert mit Open AI)
In Berlin verfolgen der 1. FC Union und Hertha BSC seit Jahren große Stadionpläne. Doch der Stand der Projekte unterscheidet sich deutlich. Union hat für den Stadionbau an der Alten Försterei inzwischen konkrete Eckpunkte. Bei Hertha BSC bleiben dagegen zentrale Fragen offen. Warum ist das so?
- Stadion 1. FC Union: Stadion An der Alten Försterei
- Adresse 1. FC Union: An der Wuhlheide 263, 12555 Berlin
- Bezirk 1. FC Union: Treptow-Köpenick
- Ziel 1. FC Union: zunächst 34.500 Plätze, später 40.500 Plätze
Der 1. FC Union ist beim Stadionbau weiter als Hertha BSC, weil der Verein inzwischen mit belastbaren Eckdaten arbeitet. Der Senat beschreibt für die Alte Försterei den Ausbau von aktuell rund 22.000 auf zunächst 34.500 Zuschauer als zentralen Planungsschritt. In einem zweiten Abschnitt soll das Stadion 40.500 Plätze erreichen. Das Land Berlin unterstützt dieses Ziel grundsätzlich.

So soll das Stadion des 1. FC Union Berlin nach dem Umbau in der Saison 2027/2028 aussehen. / © Visualisierung: 1. FC Union
1. FC Union hat beim Stadionbau konkrete Grundlagen
Entscheidend dafür ist wiederum das Verkehrskonzept. Die Senatsverwaltungen haben den Vorschlag des 1. FC Union bestätigt, das ausgebaute Stadion zunächst mit 34.500 statt 40.500 Plätzen zu betreiben. Damit kann das Bebauungsplanverfahren weiterlaufen.
Union selbst nennt nach der Erweiterung rund 18.800 Stehplätze und 15.700 Sitzplätze. Der Verein begründet die kleinere erste Stufe mit der Verkehrsbelastung im Umfeld der Alten Försterei. Der S-Bahnhof Köpenick wird derzeit zum Regionalbahnhof umgebaut. Die Pyramidenbrücke direkt vor dem Stadion An der Alten Försterei ist seit Jahren eine Dauerbaustelle. Und dann gibt es ja auch noch die Diskussionen um die TVO.

So soll das modernisierte Stadion An der Alten Försterei nach dem geplanten Ausbau des 1. FC Union aussehen. / © Visualisierung: 1. FC Union Berlin
Hertha BSC will ein eigenes Stadion, doch der Weg bleibt offen
Hertha BSC verfolgt unterdessen ebenfalls weiter das Ziel eines eigenen Fußballstadions. Der Verein spricht auf seiner eigenen Projektseite von einem nachhaltigen Stadion mit rund 50.000 Plätzen, bevorzugt im Olympiapark und vollständig privat finanziert. Hertha argumentiert, dass der Klub im Olympiastadion kein reines Fußballstadion habe und trotz guter Zuschauerzahlen viele Plätze frei blieben.
- Stadion Hertha BSC: Olympiastadion Berlin
- Adresse Hertha BSC: Olympischer Platz 3, 14053 Berlin
- Bezirk Hertha BSC: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Ziel Hertha BSC: eigenes Fußballstadion mit rund 50.000 Plätzen
Der Unterschied zu Union liegt im Verfahren. Bei Hertha klärt Berlin weiterhin Grundfragen. Eine Senatsantwort von Oktober 2024 verweist auf einen möglichen Standort im Olympiapark und auf die Arbeit von Expertenkommission und Prüfgruppe. Der Senat machte zugleich deutlich, dass ihm nicht bekannt sei, welche Flächen Hertha in den vergangenen zehn Jahren aus welchen Gründen verworfen habe.

Aktuell spielt Hertha BSC im Olympiastadion. Doch eigentlich will der Verein ein eigenes Stadion bauen. / © Foto: IMAGO / Matthias Koch
Beim Stadion für Hertha BSC fehlen verbindliche Entscheidungen
Nach aktuellen Berichten kommt Hertha BSC seit Herbst 2024 nicht entscheidend voran in Sachen Stadionbau. Der Klub wartet demnach auf weitere Schritte aus der Politik, während politische Vertreter die laufenden Gespräche betonen. Als möglicher Standort gilt weiter ein Areal im Olympiapark an der Jesse-Owens-Allee. Zugleich bleibt die Frage offen, ob die gewünschte Größe mit rund 50.000 Plätzen dort planerisch und rechtlich tragfähig ist.
Im Berliner Stadtentwicklungsausschuss kam Hertha BSC in der Diskussion um das neue Stadion des 1. FC Union deshalb vor allem als Vergleich vor. Senator Christian Gaebler erklärte sinngemäß, dass eine Genehmigung nach § 34 BauGB für ein Hertha-Stadion noch nicht feststehe.
Zunächst müssten öffentliche Belange geprüft werden. Beim 1. FC Union gilt dagegen der Bebauungsplan als geeignetes Verfahren, weil dort Verkehr, Umwelt und Umfeld umfassend abgewogen werden müssen.

Ein Stadion-Neubau für Hertha BSC soll nach Wünschen des Berliner Senats auf einem Grundstück nördlich des Maifelds im Berliner Olympiapark entstehen. / © Visualisierung: Lindner Planungsbüro
1. FC Union und Hertha BSC: Abstand entsteht durch Planungsstand
Der Vorsprung von Union liegt also nicht in einer politischen Bewertung der Vereine, sondern im Stand der Planung. Union bleibt am bestehenden Standort, hat eine reduzierte erste Kapazität akzeptiert und verfügt über ein bestätigtes Verkehrskonzept.
Hertha BSC will ein neues Stadion an einem anderen Standort im Olympiapark bauen. Dafür braucht der Verein weiter Klarheit über Fläche, Größe, Verfahren und Genehmigungsweg.
Unterstützt die Berliner Politik das Thema Stadionbau für Hertha BSC überhaupt noch?
Damit steht der 1. FC Union beim Stadionbau derzeit deutlich konkreter da als Hertha BSC. Bei Union geht es inzwischen vor allem um die Umsetzung des Planungsrechts und die nächsten Verfahrensschritte.
Bei Hertha geht es weiterhin um die Frage, ob und wie ein neues Stadion im Olympiapark überhaupt rechtssicher entstehen kann – und ob die Berliner Politik das Projekt überhaut weiterhin unterstützt. Daran mehren sich bei den Verantwortlichen des Zweitligisten aktuell zunehmend die Zweifel.
Quellen: Bebauungsplan 9-69 VE „Stadion an der Alten Försterei“, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Schriftliche Anfrage Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 20 681, 68, Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Tagesspiegel
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12 Kommentare
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Das der Senat kein Interesse hat, seinen einzigen Mieter des Stadions zu verlieren sieht wohl keiner. Wer gibt seinem Mieter ein Grundstück in Sichtweite und hat dann selber Leerstand….
Das Olympiastadion ist ein Leichtathletik Stadion für verschiedene Sportarten, es müssten dann mehr nationale und internationale Wettbewerbe dorthin geholt werden. Hertha hat, wie Union ein Recht auf ein reines Fußballstadion Beides sind Vereine e. V. und Hertha sollte einen Platz auf dem Olympiagelände erhalten. Laut Medienberichten sollte ja, auch vom Bund unterstützt der gesamte Bereich U-Bahnhof und Bertriebswerkstatt gedeckelt, getunnelt werden und darüber freie Fläche entstehen. Dort könnte vielleicht auch das Stadion von Hertha dann stehen? Ein Modell, wie es darüber aussehen kann, wurde im TV gezeigt.
Hertha-Stadion kann doch an der südöstlichen Ecke vom Tempelhofer Feld im Luftschlossbereich hingestellt werden. Was ist das Probelm? Da ist der Tempelhofer Damm und die A100 und der S- und U-Bahnhof „Tempelhof“ für die Erschließung bereits da. Letzterer müßte wahrscheinlich nur noch ertüchtigt werden. Das Stadion würde wie eine Impfung fürs Tempelhofer Feld wirken…am besten gleich noch zusammen mit der Expo 2035
Die Frage dabei ist allerdings, warum man den Olympiapark aufgeben soll als fußballerische Heimat der Hertha und stattdessen einen völlig neuen Standort für den Fußballprofisport aufmachen sollte. Das wären ungemeine Infrastrukturkosten, die das Land rundum Tempelhof da extra leisten müsste, während die im Olympiapark längst da ist. Zumal der Olympiapark ja weiter betrieben werden musss, das Oly ist ein weiterhin genutztes Stadion, Leichtathletik, verschiedene Events, DFB-Pokalfinale, Nationalmannschaft, künftig will auch die NFL aus den USA öfter in Berlin vorbeischauen.
Rein vom Sportkonzept aus Landessicht wäre es absolut sinnig, mit Hertha BSC einen Standort im Olympiapark für ein neues Stadion zu entwickeln, das dann der Hertha gehört (falls die es hinbekommen, eine tragfähige und nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, was eher fraglich erscheint nach den Jahren der Misswirtschaft). Platz gäbe es dort eh genug. Da braucht man jetzt keinen neuen Standort aufmachen.
Sehe auch keinen Mehrwert außer dass es zentraler gelegen wäre, was natürlich Herthas Narrativ von wegen „Ganz Berlin ist blau-weiß“ entgegenkommen würde. Dabei weiß man mittlerweile auch in Westend, dass das angesichts der Tatsache, dass Union seit Jahren die Berliner Nr. 1 ist, nur noch eine Erzählung vergangener Tage ist. Zumal auch der letzte in der Hertha-Zentrale begriffen haben sollte, dass die „Big City Club“-Ära endgültig vorbei ist und man kleinere Brötchen backen und sich auf seine Wurzeln besinnen sollte. Tempelhof wäre eher wieder eine größenwahnsinnige Nummer.
So neutral scheinen sie ja nicht zu sein. Was ein seltsamer Beitrag.
@Robert Ich verarbeite ihren Kommentar mal unter der Rubrik „uninformiert, desinteressiert, sendungsbewusst“. Falls sie doch einmal zum komplexen Instrument des Gegenarguments greifen sollten, informieren Sie mich gern…
Den Olympiapark verstehe ich als historisches Ensemble. Dort ein fancy super-dooper ala typisch Hertha-aufgeregtes Stadion-Design (sieht man ja schon an diesem Rendering hier) fände ich mehr als unpassend. Dort würde ich gar nichts mehr reinstellen.
Aber direkt neben dem ähnlich wichtigen historischen und geschlossenen Ensemble des Flughafen Tempelhofs mitsamt dem Fliegerviertel mit seinem beschaulichen Gartenstadtcharakter macht sich ein riesiges Fußballstadion besser als auf einem seit Jahrzehnten durch den Profifußball geprägten Sportcampus? Sehe ich nicht.
Und dass man an Traditionen und umliegende Bausubstanz auch bei Sportstätten anknüpfen kann, zeigt ja gerade das lokal benachbarte Beispiel Union Berlin, dort wurde und wird viel mit Backstein gearbeitet, die Arbeiterkultur und industrielle Vergangenheit von Club wie Stadtteil werden in der Bausubstanz des Vereins eingefangen. Ein neues Hertha-Stadion könnte ähnliche Wege gehen und sich von den bauliche Elementen und Besonderheiten im Olympiapark inspirieren lassen. Ich halte die Gefahr für eine Entwurzelung des Clubs im Falle eines Stadionneubaus irgendwo in Tempelhof oder gar vor den Toren der Stadt, was ja auch schon zur Debatte stand, für deutlich größer. Hertha und Olympiapark gehört mittlerweile einfach zusammen, ich denke, da werden viele Herthaner (wenn auch vielleicht nicht alle) zustimmen.
Hertha verdient die Möglichkeit auf ein eigenes Stadion, diese finanzielle Bürde jedes Mal ein Stadion zu mieten und der Aufwand alles auf und abzubauen ist nicht zeitgemäß.. Berlin bekommt jedes Jahr Millionen Steuer Einnahmen durch Fußballspiele von Hertha BSC.. Deswegen sollte man ihnen auch Gehör schenken
Der Artikel beschreibt den Unterschied zwischen beiden Projekten korrekt, erklärt ihn aber falsch, oder zumindest sehr unvollständig.
Dass der Olympiapark als Standort „komplett ausgeschlossen“ sei, war jahrelang die offizielle Senatsposition. Nicht aus planungsrechtlichen Gründen, sondern aus einem simplen wirtschaftlichen Eigeninteresse: Ohne Hertha als Ankermieter wäre das Olympiastadion die meiste Zeit des Jahres unbenutzt, wie der damalige Linken-Politiker Bertram offen einräumte. Das ist kein Planungsversagen von Hertha, das ist strukturelle Blockade durch den Vermieter.
Der Wunsch nach einem eigenen Stadion besteht schon seit der Olympiabewerbung Berlins für das Jahr 2000. Schon damals plädierte Hertha für ein reines Fußballstadion auf dem Olympiagelände, und schon damals verhinderten Denkmalschutz und das Beharren auf Multifunktionalität einen Umbau. Wer also von einem jahrzehntelangen Planungsrückstand redet, sollte auch benennen, wer in diesem Jahrzehnt immer wieder die Bremse gezogen hat.
Zwischen dem Olympiapark, dem Tempelhofer Feld, Tegel, der AVUS-Nordschleife und Standorten vor den Toren der Stadt wurden alle Optionen diskutiert, ohne Ergebnis. Das ist kein Zufall. Dass überhaupt wieder ernsthaft geredet wird, verdankt sich nicht politischem Wohlwollen, sondern zivilem Druck von unten. Die Faninitiative „Blau-Weißes Stadion“ organisierte einen runden Tisch, weil Verein und Senat es über Jahre nicht selbst hinbekommen hatten. Dieser Runde Tisch kam zehnmal zusammen, danach erst wurden die Expertenrunden der Senatssportverwaltung einberufen.
Das ist der Kontext, der in der Berichterstattung über Hertha regelmäßig fehlt. Es ist ernüchternd, wie häufig die Situation als selbstverschuldetes Chaos dargestellt wird, während die jahrelange politische Blockade aus fiskalischen Eigeninteressen bestenfalls in Nebensätzen auftaucht. Union hatte dieses Problem nie: kein städtischer Vermieter, kein Interessenkonflikt, keine verlorenen Jahrzehnte. Das ist der eigentliche Unterschied und nicht die Planungsreife.
Danke!…Das war der eigentliche Artikel.
Da jetzt hier zweimal das Tempelhofer Feld genannt wurde, erkennt man für jenes einen weiteren möglichen Baustein.
Da fragt man sich echt, was man den lieben langen Tag so treibt, um bloß nicht diese Großfläche angehen zu müssen.
Mein Gott, was dort abgehen könnte, auch ohne die Bullerbü-Fraktion massiv zu kränken!