Berlins S-Bahn-Gleise bleiben vorerst auf manuelle Gleisreinigung angewiesen. Ein als Übergangslösung geplanter Reinigungszug erhält keine Zulassung, neue Technik ist erst ab 2027 vorgesehen. Die Deutsche Bahn arbeitet nun an einem alternativen Konzept, das ohne spezielles Fahrzeug auskommen soll.

Seit dem Ausfall des zuständigen Spezialzugs für die Reinigung der Berliner S-Bahn-Gleise sammelt sich zunehmend Müll entlang der Strecken. Ein als Ersatz vorgesehenes Reinigungsfahrzeug aus München mit dem Namen „Schlucki“ sollte Abhilfe schaffen, kann jedoch vorerst nicht im Berliner Netz eingesetzt werden. / © Foto: pixabay / mit KI bearbeitet
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Wer entlang der Berliner S-Bahn unterwegs ist, sieht das Problem seit Jahren: Müll sammelt sich auf Gleisen und Böschungen. Die regelmäßige maschinelle Reinigung ist seit dem Ausfall eines alten Spezialzugs nicht mehr möglich. Seither erfolgt die Säuberung überwiegend manuell, mit hohem Personal- und Zeitaufwand. Verantwortlich für die Infrastruktur ist die Deutsche Bahn beziehungsweise ihre Tochter DB InfraGo.
Nach Angaben der Deutschen Bahn konzentrieren sich die Reinigungsteams vor allem auf bekannte Müll-Hotspots, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Dennoch gilt die Situation als unbefriedigend, da eine flächendeckende Reinigung ohne maschinelle Unterstützung kaum möglich ist. Bereits seit 2022 beschäftigt das Thema die Politik im Abgeordnetenhaus.
Zulassungshürden für Reinigungszug „Schlucki“: Regelwerke stoppen Einsatz bei der Berliner S-Bahn
Erleichterung sollte ein gebrauchter Reinigungszug aus München bringen. Das Fahrzeug mit dem Spitznamen „Schlucki“ war dort jahrelang in der U-Bahn im Einsatz. In Berlin durfte es jedoch nicht fahren. Der Grund liegt im Regelwerk, wie die Berliner Morgenpost berichtet: Während Münchens U-Bahn nach der Betriebsordnung für Straßenbahnen zugelassen ist, gilt für die Berliner S-Bahn die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung.
Da das Fahrzeug bislang nie nach diesen Regeln betrieben wurde, hätte eine vollständige Neuzulassung erfolgen müssen. Laut Bahn hätte das umfangreiche Umbauten erfordert, die wirtschaftlich einem Neubau gleichgekommen wären. Das Projekt wurde daher gestoppt. Wie es mit dem Fahrzeug weitergeht, ist offen.
Manuelle Gleisreinigung als Notlösung: Aufwendig, riskant und nicht dauerhaft tragfähig
Damit bleibt die manuelle Reinigung vorerst die einzige Option. Diese ist jedoch aufwendig und sicherheitskritisch. Für Arbeiten im Gleisbereich muss der Strom abgeschaltet werden, was nur in engen Zeitfenstern möglich ist. Eine regelmäßige nächtliche Reinigung, wie sie früher mit dem Spezialzug stattfand, ist so kaum umsetzbar.
Die Bahn betont dennoch, dass sich die Müllsituation stabilisiert habe. Gleichzeitig ist klar, dass Handarbeit keine Dauerlösung sein soll. Deshalb arbeitet die S-Bahn Berlin an einem neuen technischen Ansatz.
Neues Reinigungskonzept für die S-Bahn: Containerisierte Saugtechnik statt Spezialzug
Statt eines eigenen Reinigungszugs soll künftig die Technik vom Fahrzeug getrennt werden. Geplant ist eine containerisierte Saugtechnik, die auf bereits zugelassenen Güter- oder Trägerwagen montiert wird. Damit würde der aufwendige Zulassungsprozess für ein Spezialfahrzeug entfallen.
Die Bahn erwartet davon mehrere Vorteile. Die Reinigung könnte automatisiert während der nächtlichen Fahrten erfolgen, ohne Gleissperrungen. Auch häufigere Einsätze wären möglich. Details zur Technik nennt das Unternehmen bislang nicht, da sich das Konzept noch in der Ausschreibung befindet.
Reinigungstechnik erst ab 2027: S-Bahn-Gleise bleiben vorerst Handarbeit
Geduld bleibt dennoch nötig. Nach Angaben von Verkehrsstaatssekretär Arne Herz gegenüber der Berliner Morgenpost, ist die Inbetriebnahme der neuen Technik erst für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Bis dahin bleibt die S-Bahn auf manuelle Reinigung angewiesen.
Der Fall zeigt, wie komplex selbst scheinbar einfache Aufgaben wie die Gleisreinigung im Bahnbetrieb sind. Zwischen technischen Anforderungen, Zulassungsrecht und Kosten entstehen Verzögerungen, die sich direkt im Stadtbild bemerkbar machen.
Quellen: Berliner Morgenpost, Tagesspiegel
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