Zwei Metropols, zwei Stadträume, zwei kulturelle Identitäten: Zwei Berliner Theater trugen über Jahrzehnte denselben Namen, und entwickelten sich dennoch völlig unterschiedlich. Das eine Theater stand in Berlin-Mitte, das andere in Schöneberg.

Das Neue Schauspielhaus am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1905. Erst in den 1950er Jahren erhielt das Gebäude den Namen „Metropol“. / © Foto: Wikimedia Commons, Gemeinfrei (Autor unbekannt)
© Titelbild: Wikimedia Commons, Tsholding (CC BY-SA 4.0) / Bundesarchiv, Bild 183-1987-0429-018 (CC BY-SA 3.0 DE)
Berlin besitzt eine kulturelle Eigenheit, die selbst in einer Stadt der Brüche und Überlagerungen bemerkenswert ist: Über Jahrzehnte existierten hier zwei Theater mit demselben Namen: das Metropol-Theater in der Behrenstraße (später: Friedrichstraße) in Berlin-Mitte und das Metropol am Nollendorfplatz in Schöneberg.
Beide Häuser entstanden in der Kaiserzeit, beide erlebten Glanzphasen, Krisen, politische Instrumentalisierung und strukturelle Umbrüche. Doch obwohl sie zeitweise denselben Namen trugen, verlief ihre Geschichte nicht parallel, sondern lief zunehmend auseinander, bis sie nach dem Mauerfall schließlich sehr unterschiedliche Wege einschlugen.
Kaiserzeit und frühe Moderne in Berlin: Zwei Theaterhäuser für das Vergnügen
Das ältere der beiden Häuser entstand in Berlin-Mitte. Das Metropol-Theater in der Behrenstraße wurde ab 1890 nach Plänen von Fellner & Helmer errichtet und 1892 eröffnet. Schon früh profilierte es sich als Bühne für Operette, Revue und leichte Muse; ein Genre, das den Nerv des wilhelminischen Berlins traf. Der Name „Metropol“ stand hier für urbanes Vergnügen und großstädtische Unterhaltung.
Deutlich später folgte dann das zweite Metropol: das Metropol am Nollendorfplatz, 1906 ursprünglich als „Neues Schauspielhaus“ eröffnet, erhielt erst in den 1950er Jahren den Namen Metropol. Auch dieses Haus entwickelte sich rasch zu einem zentralen Ort der Unterhaltungskultur, vor allem für Operette, Revue und später Varieté.
Schon früh zeigte sich jedoch ein Unterschied: Während das Metropol in Mitte stärker auf repräsentativen Glanz setzte, war das Haus am Nollendorfplatz experimentierfreudiger und näher an zeitgenössischen Strömungen.
Weimarer Republik der 1920er Jahre: Glanz, Krise und große kulturelle Konkurrenz
In den 1920er-Jahren erreichten beide Theaterhäuser ihre kulturelle Blüte. Das Metropol in der Behrenstraße wurde zu einer international renommierten Operettenbühne, auf der auch musikalische Einflüsse aus den USA Einzug hielten. Gleichzeitig machten Inflation und wirtschaftliche Instabilität dem Haus schwer zu schaffen. Bereits 1921 musste ein erheblicher Verlust bilanziert werden, 1929 folgte mit der Weltwirtschaftskrise die nächste existenzielle Bedrohung.
Auch das Neue Schauspielhaus am Nollendorfplatz erlebte in dieser Zeit Höhen und Tiefen, konnte sich jedoch durch programmatische Offenheit und prominente Produktionen behaupten. Beide Häuser standen exemplarisch für eine Epoche, in der Unterhaltungskultur und ökonomisches Risiko eng miteinander verknüpft waren.
Nationalsozialismus: Jüdische Künstler wurden in beiden Häusern ausgeschlossen
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich die Rahmenbedingungen radikal. Beide Häuser durften zunächst weiter spielen, allerdings unter massiven ideologischen Vorgaben. Jüdische Künstlerinnen und Künstler wurden ausgeschlossen, Werke jüdischer Komponisten verboten. Das scheinbar „unpolitische“ Genre der Operette wurde von den Machthabern gezielt instrumentalisiert.
Während das Metropol in Mitte seinen einstigen Glanz zunehmend verlor und 1944 infolge der Bombardierungen den Spielbetrieb einstellen musste, blieb das Gebäude am Nollendorfplatz baulich erhalten. Der Krieg markierte jedoch für beide Häuser einen tiefen Einschnitt, nach dem nichts mehr so war wie zuvor.

Die zweite Heimat des Metropol-Theaters in Berlin-Mitte, heute als Admiralspalast in der Friedrichstraße bekannt. / © Foto: Wikimedia Commons, Hans-Günter Quaschinsky (CC BY-SA 3.0 DE)
Geteilte Stadt: Zwei Wege für kulturelle Einrichtungen im Nachkriegsberlin
Nach 1945 trennten sich die Wege endgültig. Das Metropol in der Behrenstraße lag schwer beschädigt in Ost-Berlin. Ein verbliebener Gebäudeteil wurde von der neu gegründeten Komischen Oper genutzt, das ursprüngliche Metropol existierte faktisch nicht mehr. Das Ensemble fand zunächst im Kino Colosseum eine provisorische Heimat und zog 1955 in den Admiralspalast, fortan als Metropol-Theater der DDR.
Das Metropol am Nollendorfplatz hingegen entwickelte sich in West-Berlin weiter. Es wurde zu einem wichtigen Ort für Musical, Operette und später Konzert- und Clubkultur. In den 1970er- und 1980er-Jahren prägte das Haus maßgeblich die Musik- und Subkultur der Stadt; ein Kontrast zur institutionellen Rolle des Metropols im Osten.
Nach dem Mauerfall: Existenzielle Fragen für beide Theaterhäuser in Ost und West
Die Wiedervereinigung stellte beide Häuser erneut vor existenzielle Fragen. Das Metropol im Admiralspalast kämpfte mit baulichen Mängeln, wachsender Konkurrenz und wechselnden Trägerstrukturen.
Ein Versuch des Berliner Senats, den Spielbetrieb über eine landeseigene GmbH zu stabilisieren, scheiterte Ende der 1990er-Jahre. So endete im Jahr 1998 die Geschichte des „Ost-Berliner Metropols“. Erst 2006 gelang mit dem Verkauf und der denkmalgerechten Sanierung ein Neuanfang, zumindest für das Gebäude: Das Haus wurde als Admiralspalast neu positioniert und ist heute ein vielseitiger Veranstaltungsort.
Das Metropol am Nollendorfplatz schlug einen anderen Weg ein. Nach immer wieder wechselnden Nutzungen und zwischenzeitlichem Leerstand wurde es 2019 als multifunktionale Event- und Konzertstätte wiedereröffnet. Der Theaterbetrieb steht heute nicht mehr im Zentrum, vielmehr fungiert das Gebäude als kultureller Hybrid zwischen Geschichte, Eventlocation und Stadtraum und wird für großformatige Veranstaltungen vermietet.
Metropol in Berlin-Mitte und Schöneberg: Zwei Namen, zwei Identitäten
Die Geschichte der beiden Metropol-Theaterhäuser zeigt, wie stark kulturelle Orte von politischen Systemen, wirtschaftlichen Bedingungen und städtischen Entwicklungen geprägt werden. Trotz gleichen Namens entwickelten sich aber zwei eigenständige Identitäten: hier das institutionalisierte Musiktheater mit (späterer) DDR-Prägung, dort der wandelbare Kulturort in West-Berlin mit stärkerer Anbindung an Sub- und Popkultur.
Zusammen erzählen die Theaterhäuser eine Berliner Kultur-Doppelgeschichte, über Unterhaltung, Macht, Wandel und die erstaunliche Überlebensfähigkeit kultureller Räume. Neben dem historischen Metropol-Gebäude am Nollendorfplatz wird derzeit übrigens ein markanter Neubau realisiert, am 15. Januar 2026 wurde die Grundsteinlegung gefeiert.

Das Metropol am Nollendorfplatz heute: Direkt nebenan wird derzeit das Gewerbeprojekt „NO6“ realisiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Metropol Berlin-Mitte (erster Standort)
Metropol Berlin-Mitte (zweiter Standort)
Metropol Nollendorfplatz
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, berlin.de, Wikipedia, Metropol Berlin
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