Das 167-Meter-Hochhausprojekt an der Warschauer Straße bekommt Gegenwind aus der Natur. Zauneidechsen und Fledermäuse stellen das geplante Quartier mir 1.000 Wohnungen vor neue Herausforderungen. Die Folgen könnten spürbare Verzögerungen im weiteren Verfahren sein.

Zauneidechse

Lebt auf den Bahngleisen an der Warschauer Straße und könnte durch das Hochhausprojekt beeinträchtigt sein: Eine Population der geschützten Zauneidechse. / © Foto: Wikimedia Commons, Lucas Löffler (CC BY-SA 3.0)

© Titelbild: Henning Larsen Architekten

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Der Artenschutz könnte den Bau des geplanten 167 Meter hohen Hochhauses an der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain deutlich verzögern. Auf dem Grundstück an der Rudolfstraße, unweit der Warschauer Brücke, wurden geschützte Tierarten nachgewiesen, die umfangreiche Auflagen für die weitere Planung nach sich ziehen.

Geschützte Zauneidechsen und Fledermäuse bremsen Hochhausprojekt an der Warschauer Straße

Konkret geht es um Zauneidechsen und Fledermäuse, die im Bereich des Baugrundstücks leben, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Beide Arten stehen unter strengem Schutz, Eingriffe in ihre Lebensräume sind nur unter klar definierten Voraussetzungen zulässig. Damit wird der Artenschutz zu einem entscheidenden Faktor für den Zeitplan des Projekts.

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Besonders relevant ist der Einfluss des geplanten Hochhauses auf die Habitatbedingungen der Zauneidechsen. Durch den Schattenwurf des Turms könnten bislang besonnte Flächen verloren gehen, die für die Tiere essenziell sind, so ein Gutachten.

Friedrichshain: Umsiedlung und Ersatzhabitate als Voraussetzung für den Bau

Um das Projekt dennoch realisieren zu können, müssen umfangreiche Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu zählen die Umsiedlung der Tiere, die Schaffung geeigneter Ersatzlebensräume sowie bauliche Vorkehrungen zum Schutz während der Bauphase.

Auch für Fledermäuse gelten konkrete Einschränkungen. Bauarbeiten dürfen in sensiblen Zeiten nur eingeschränkt stattfinden, um die Tiere nicht zu stören oder zu gefährden.

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Neubau im Rudolfkiez: Artenschutz wird zum bestimmenden Planungsfaktor

Das Hochhausprojekt an der Warschauer Straße zählt zu den markantesten aktuellen Hochhausvorhaben in Berlin und ist Teil der angestrebten städtebaulichen Verdichtung rund um die Warschauer Brücke.

Aber eines ist klar: Ohne tragfähige Lösungen für den Artenschutz sind in Berlin auch großformatige Wohnprojekte wie dieses nicht umsetzbar. Die Projektverantwortlichen sollten darauf im Idealfall allerdings bereits vorbereitet gewesen sein.

 

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Quellen: Henning Larsen, ThomasMüllerIvanReimann Gesellschaft von Architekten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, B.Z., Berliner Morgenpost

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16 Kommentare

  1. M.Hillen 5. April 2026 at 09:44 - Reply

    Artenschutz im Zentrum einer MillionenMetropole sollte sich anderen Prioritäten unterordnen. Deutschland im Allgemeinen und Berlin im Besonderen ist doch nur noch gaga.

    • Franz 5. April 2026 at 15:12 - Reply

      Wer auch immer da ein solches Tier gesehen hat zwischen all dem Krach und Müll. Ratten sind da aber bestimmt.

  2. Werner 5. April 2026 at 09:48 - Reply

    Kein Wunder wenn die emotional instabilen in der Politik mitmischen… Eidechse, wichtiger als der Mensch?
    Das sagt schon alles über psychischen Zustand der Nation.

  3. Claire 5. April 2026 at 12:14 - Reply

    Absolut lächerlich. Das Grundstück ist zur Zeit einfach eine Rumpelkammer und Müllablage. Mitten im Zentrum von Berlin Artenschutz ranzuziehen ist ein schlechter Witz auf Kosten von Wohnungssuchenden.

    • Eidechse 5. April 2026 at 19:57 - Reply

      Na Logo, das tolle hochhausprojekt wird uns garantiert mit dem dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum aushelfen 🤡

      • dagmar 6. April 2026 at 20:34 - Reply

        Auf der Brache haben sich Tiere breit gemacht, die es vor 50 Jahren dort sicher nicht gab, was soll das?

  4. Jörg Barth 5. April 2026 at 13:11 - Reply

    Demnächst finden sich wahrscheinlich noch irgendwelche seltenen Käfer und Sandflöhe. Irgendwann ists aber auch mal genug mit dem Artenschutz,schließlich handelt es sich um ein Baugrundstück mitten in der Stadt. Das Ganze ist irgendwie nur noch lächerlich, wer hat sich diese bescheuerten Gesetze nur ausgedacht, kein Wunder wenn in Deutschland und Berlin nix mehr funktioniert.

  5. Franz 5. April 2026 at 15:11 - Reply

    Was haben die Clubs auf dem RAW-Gelände fürvein Glück, dass sie keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen und der Krach den Tieren nicht schadet … Und nicht, dass wir da noch den S-Bahn-Verkehr einstellen müssen. Ich hätte nicht erwartet, dass auf fiesem mülligen Gelände in der Hinsicht irgendetwas Relevantes zu erfahren wäre. Achja: und nicht vergessen werden darf der Schutz eines besonderrn Phänomens: einer Chimäre ;-)

  6. Tilman 5. April 2026 at 16:47 - Reply

    Gott sei Dank. Ich meine – die Zerstörung des Geländes ist schon durch die unsägliche MediaSpree samt Amazon gegeben. Wäre schön wenn wenigstens RAW gerettet wird. Als täglicher Arbeitspender in die Europacity habe ich da schon genug depression

    • Franz 5. April 2026 at 19:30 - Reply

      Tja, auch keine Sanierungen mehr auf dem RAW-Gelände, solange die Eidechse da ist ;-) Das wäre das klassische Eigentor, oder?

  7. 41er 5. April 2026 at 19:55 - Reply

    Dieser Hochhauswahn ist für mich irgendwie nicht verständlich – vor allem der Sinn für die zukünftige Nutzung erschließt sich mir nicht. Mehr Bürofläche brauchen wir nicht, da eh schon alles leer steht. Flächen für Gastronomie/ Einzelhandel auch nicht, da gibt es bereits genug malls und leerstand. Günstiger Wohnraum bzw. bezahlbarer Wohnraum wird durch die Hochhausprojekte auch nicht entstehen. Die Frage ist also: wozu brauchen wir das?
    Die Ecke an der Warschauer ist sowieso schon eine der furchtbarsten Ecken Berlins, dreck, Reichtum, Armut, Touristen, Kommerz, Fake-Viertel an der Uber Arena. Ein bisschen mehr Natur dort kann nicht schaden, hoffentlich setzt der Artenschutz sich dort durch.

    • Max 7. April 2026 at 09:36 - Reply

      Wenn wir ewig in der Rezession bleiben wollen, dann brauchen wir keine Büros mehr.

  8. Michael 5. April 2026 at 20:25 - Reply

    Oder (: Bremst das 167-Meter-Hochhaus den Artenschutz aus?

  9. Böhme 6. April 2026 at 05:31 - Reply

    Gut, der Bauherr ist dann ja selbst schuld! Noch bevor ich einen Bauantrag gestellt hätte, hätte ich die gesamte Umgebung genau nach irgendwelchen „schützenswerten“ Tierarten abgesucht und die konzentriert verlagert. Und dann hätte ich eine Wache organisiert, um sicherzustellen, dass unsere „lieben“ Umweltschützer nicht dort „schützenswerte“ Arten ansiedeln.

    Und was Fledermäuse angeht: Absolut nicht schützenswert in Berlin, weil endlos viele in dieser Stadt leben. Mittenmang im Schöneberger Kiez flattern die Tiere um meine Wohnung im vierten Stock herum. Hatte sogar mal im Sommer mein Schlafzimmerfenster abends zum Lüften sperrangelweit geöffnet, hörte dann so ein merkwürdiges Geräusch vom Arbeitszimmer aus und ging ins Schlafzimmer, schaltete das Licht ein und wurde in meinem Schlafzimmer von einer Fledermaus umflattert. Habe dann das Licht ausgeschaltet, weil das sie wohl irritierte. Und irgendwann hat sie dann meine „‚Gemächer“ verlassen.

  10. Schiefelbein 6. April 2026 at 16:00 - Reply

    Also folgere ich, Berlin abreissen und den Schmetterlingen überlassen.

  11. a.t. 7. April 2026 at 11:37 - Reply

    Ich sage nur Ziegenmelker und Uni Tübingen… Die Spitze der Natur- und Tierschutzfolklore…. Bekommt Berlin mittelfristig ebenfalls hin. Solche Geschichten (wie jetzt hier in der Warschauer auch) haben bisweilen einen echten negativen Nebeneffekt, denn sie gereichen dazu, wirklichen Schutz für Natur und Tiere zu kompromittieren.

    Wer seinem Hang zur Bauernhofromantik in der Warschauer, auf dem Alex, Bahnhof Zoo oder wo auch immer im Stadtgebiet nicht züglen kann, soll nach Brandenburg oder in die Uckermark ziehen. Wenn nicht dann könnte man mal einfach den Fakt akzeptieren, dass das hier ein verdichtetes Siedlungsgebiet von fast 4 Mio. Menschen ist. (mit gnadenlos viel Wald für allerlei Getier)
    Sollten allerdings die überschüssigen Pawlowschen Protestreflexe immer noch nicht mit Einsicht kanalisiert werden können, biete ich ein echt lohnendes Ausweichthema an: Bauen und Versiegeln auf der grünen Wiese in den Berliner Randgebiete. Da kann man noch bei der grandiosen Wiederholung alter Fehler einen Punkt machen und sich vom Feinsten produzieren.

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