Die BUND-Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ wirft die Frage auf, wie Berlin mit seinen Grünflächen umgehen sollte. Am 14. Juli diskutieren Experten und Politiker bei einer Veranstaltung zur Wuhlheide, ob die geplante Hochleistungsstraße TVO mit bis zu 22 Hektar Waldrodungen vereinbar ist.
© Titelbild: Wikimedia Commons, A.Savin, FAL
Die Hitze im Juni 2026 erreichte extreme Ausmaße. Der Deutsche Wetterdienst ermittelte am 27. Juni in Berlin-Tempelhof eine Allzeit-Rekordtemperatur von 39,9 Grad Celsius. Im brandenburgischen Coschen wurden sogar 41,7 Grad gemessen, die bislang höchste je in Deutschland registrierte Temperatur. Diese Extreme führten bundesweit zu massiven Gesundheitsfolgen: Das Robert Koch-Institut dokumentierte in der Woche vom 22. bis 28. Juni rund 4.300 hitzebedingte Sterbefälle.
Besonders in dicht bebauten Stadtgebieten Berlins verstärken sich diese Probleme erheblich. Auf asphaltierten oder gepflasterten Flächen können Oberflächentemperaturen über 60 Grad Celsius erreichen. In sogenannten Tropennächten sinken die Temperaturen nicht unter 20 Grad. Grüne Freiflächen wirken dieser Entwicklung entgegen: Sie können tagsüber bis zu 8 Grad Celsius kühler sein als bebaute Umgebungen und bieten damit einen wesentlichen Schutzfaktor.
Schnellstraße zwischen Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf: Die geplante TVO

Umweltschützer protestierten gegen die geplante Waldrodung für die TVO. Die Berliner Polizei räumte die Protestfläche im Mai 2023 mit etwa 400 Einsatzkräften. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0
Die Tangentialverbindung Ost (TVO) soll rund sieben Kilometer zwischen Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick überbrücken. Das Projekt sieht eine vierspurige Hochleistungsstraße vor, die Brückenbauwerke, Lärmschutzwände und mehrere Eisenbahnüberführungen erfordert.
Der Kostenrahmen ist auf rund 663 Millionen Euro gestiegen, deutlich höher als die ursprünglichen Planungen mit 351 Millionen Euro. Für den Straßenneubau sollen bis zu 22 Hektar Wald in der Wuhlheide gerodet werden.
Verkehrsprojekt TVO: Rund 663 Millionen Euro Baukosten werden erwartet
Das Planfeststellungsverfahren läuft derzeit. Nach öffentlicher Auslegung von Mai bis Juni 2024 arbeitet die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt an der Abarbeitung von 695 Einwendungen.
Die Verwaltung strebt einen Erörterungstermin noch im Jahr 2026 an. Allerdings bleibt die Finanzierung fragwürdig: Von den Gesamtkosten sind bislang nur 45 Millionen Euro durch GRW-Mittel bewilligt. Ein konkreter Baubeginn ohne vollständige Finanzierungsklärung rückt damit in immer weitere Ferne.
Naturschutz in Berlin: Dialogveranstaltung zur Zukunft der Wuhlheide
Am 14. Juli findet die Veranstaltung „Zukunft der Wuhlheide: zwischen Straßenbau und Naturschutz“ ab 16.30 Uhr statt. Sie ist Teil der BUND-Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ und versammelt zahlreiche Expertinnen, Experten, Betroffene und Politikerinnen, Politiker. Die Veranstaltung markiert eine wachsende Auseinandersetzung über die Vereinbarkeit von Infrastrukturausbau und Klimaschutz in der Stadt.
Der BUND argumentiert, dass Grünflächen in der Klimakrise essenzielle Ressourcen darstellen. Das Tempelhofer Feld nutze beispielsweise den sogenannten Wüsteneffekt: Nachts kühlt sich die Fläche deutlich stärker ab als bebaute Gebiete und dämpft damit Hitzestress für zehntausende Anwohnerinnen und Anwohner.
Die geplante Waldrodung in der Wuhlheide stellt diese Argumentation auf die Probe und eröffnet eine grundsätzliche Frage: Welche Priorität haben Grünflächenschutz und Naturschutz gegenüber Verkehrslösungen in einer sich erwärmenden Stadt?
Quellen: BUND, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung Berlin, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/24747, rbb24
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
5 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Wer jetzt noch nicht verstanden hat, wie wichtig eine relativ gesunde Natur für das Klima in unserer Stadt ist, wird es wohl auch nicht mehr verstehen.
Randbebaung Tempelhoferfeld, abholzen von einem Wald in Neukölln und jetzt diese vielen Hektar Wald in Wuhlheide“TVO“.
Es macht mich sprachlos und fassungslos.
Wir hatten Temperaturen wie noch nie in Berlin und unser Senat macht weiter als gebe es keinen Klimawandel. Das ist erschreckend.
Guten Abend Herr Mooy, der Artikel hier auf dieser Seite ist sehr einseitig und enthält kaum Informationen um sich ein sachlich ruhiges gedachtes Bild von der gesamten Situation zu machen und um das darauffolgend zu bewerten. Die Anwohner der Köpenicker Straße warten darauf seit 1969. Unser gesamtes Straßenbaurecht im föderalistischen System verhindert eine viel schlankere Bauausführung die wesentlich weniger Platz, 2 Brücken weniger und vor allem weniger Abholzung und weniger Kosten bedeutet hätte. Gegenfrage : wenn denn alle Menschen (m/w/d/u) welche die Umwelt schützen wollen mit der derselben Energie die S-Bahn von Karow-nach Grünau endlich bauen wöllten….wären wir weiter oder ist „unsere Demokratie“ nur noch in der Lage die Gelder als genannte „Entwicklungshilfe “ in Länder zu senden welche bereit Satelliten ins All schicken. Frage : Möchten sie Vater eines Kindes sein welcher seit vielen Jahren um das Leben seines Kindes bangen muß weil die Köpenicker Straße kaum noch schafft zu überqueren. und Frage an die Redaktion : Wer schreibt hier solche Artikel ????
Sie haben Recht. Seit 1969 ist das im Gespräch. Wenn ich mich recht erinnere waren es immer R/G welche mit immer neuen Einwänden das ganze behindert haben. Im übrigen sind Bäume immer nur dann wichtig, wenn es um Straßen geht. Bei Windrädern ist es völlig egal. Da kann nicht genug Wald abgeholzt werden. Ich freue mich schon auf die Wahl. Vorwärts zurück ins Mittelalter.
Berlin ist eine Farce
Fiebertraum.
Bestimmt schon Millionen in Planungen und Machbarkeitsstudien gesteckt, fürs Käfer nummerieren und Ameisen zählen ausgegeben.
Berlin wird immer eine Autostadt bleiben, vielleicht nicht grünsiiff -Mitte, aber über die TVO müssen die Leute zum Schlafen, um 12 Stunden später erneut für den Staat anschaffen zu gehen.
Gebt euch nen Ruck, die TVO ist das geringere Übel, was Umwelt angeht.
Dafür ist es dann andernorts ruhiger.