In der Altstadt Köpenick wird wieder über das Amtswäldchen gestritten. Denn der Park soll weichen und neu bebaut werden. Das stößt auf Kritik.

Straßenschilder an der Kreuzung von Amtsstraße und Landjägerstraße markieren den Eingang zum Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick.

An der Ecke Amtsstraße und Landjägerstraße beginnt das Gebiet des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

 

Der Streit ist nicht neu, Anwohner begleiten ihn seit 15 Jahren: In der Altstadt Köpenick geht es um eine Fläche, die viele nur als grüne Lücke am Wasser kennen. Zwischen Landjägerbrücke, bestehendem Parkplatz, Kita, Spielplatz und Bootsanleger liegt das Amtswäldchen. Nun steht der Bebauungsplan 9-30 VE vor dem nächsten politischen Schritt. Und der Park könnte bald Geschichte sein.

  • Bezirk: Treptow-Köpenick 
  • Adresse: Landjägerstraße 3 – 5
  • Projektstatus: Bebauungsplanverfahren läuft

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 9-30 VE am 26. Mai 2026 beschlossen. Am 2. Juli 2026 soll die Bezirksverordnetenversammlung darüber entscheiden. Kurz vor dieser Sitzung haben Umweltverbände den Konflikt zwischen Wald und Asphalt erneut öffentlich gemacht.

ANZEIGE

Eine Schranke versperrt die Zufahrt zu einem Weg am Rand des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick. Dahinter beginnt das dicht bewachsene Waldstück.

Am Rand des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick beginnt das bewaldete Areal, das von den Planungen betroffen ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Amtswäldchen in Köpenick: Parkplatz, Markt und Wohnungen geplant

Offiziell geht es nicht nur um einen Parkplatz. Das Bezirksamt nennt als Planungsziel einen Verbrauchermarkt zur Nahversorgung mit darüber liegender Wohnnutzung sowie eine Stellplatzanlage an der Landjägerstraße. Zusätzlich sollen Wege- und Erschließungsflächen für die angrenzende Kita und die öffentliche Grünanlage gesichert werden.

Ältere Angaben auf mein.berlin.de beschreiben den Plan noch stärker als Parkplatzprojekt für Pkw und Reisebusse. Dort verweist der Bezirk auf Parkplatzmangel in der Umgebung, weil Parken in der Altstadt aus städtebaulichen Gründen und wegen des Denkmalschutzes nur begrenzt möglich sei.

ANZEIGE

Wegweiser und ein bestehender Parkplatz liegen am Rand des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick. Hier soll nach den aktuellen Planungen eine größere Stellplatzanlage entstehen.

Der bestehende Parkplatz grenzt direkt an das Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Altstadt Köpenick: Streit um Waldfläche am Wasser

Umstritten bleibt vor allem der Eingriff in den gewachsenen Wald. Der BUND kritisiert, dass dieser Bereich von rund 4.000 Quadratmetern Waldfläche als kühle grüne Fläche in der dicht bebauten Altstadt verloren gehen könnte.

Der Lage verschärft die Debatte. Direkt neben dem Amtswäldchen liegen Kita, Spielplatz, Bootsanleger und Wasserlage. Zugleich läuft in der Altstadt Köpenick bereits ein großes Infrastrukturprojekt. BVG und Berliner Wasserbetriebe erneuern Gleise, Haltestellen, Trinkwasserleitungen sowie Schmutz- und Regenwasserkanäle. Die Arbeiten sollen nach aktuellem Plan bis September 2027 dauern.

ANZEIGE

Die Baustelle in der Altstadt Köpenick zeigt abgesperrte Gleisbereiche, einen gelben Bagger und die Kirche an der Kirchstraße bei klarem Himmel.

Baustelle in der Altstadt Köpenick: Rund um die Kirchstraße laufen Arbeiten an Gleisen, Leitungen und Straßenraum. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Warum das Amtswäldchen in Köpenick besonders sensibel ist

Für Anwohner und Gewerbetreibende kommt der Streit daher zu einem Zeitpunkt, an dem die Altstadt ohnehin stark belastet ist. Bauzäune, Umleitungen und Gleisarbeiten prägen bereits das Bild rund um Alt-Köpenick, Kirchstraße und Lindenstraße. Die Diskussion um das Amtswäldchen fällt damit in eine Phase, in der jede weitere Veränderung im Zentrum besonders genau wahrgenommen wird.

Offen bleibt, wann tatsächlich gebaut werden könnte. Fest steht nur: Mit der BVV-Sitzung am 2. Juli 2026 steht der Bebauungsplan politisch erneut auf der Tagesordnung.

Amtswäldchen Köpenick

 

Quellen: BUND Berlin, Berliner Kurier, Bezirksamt Treptow-Köpenick, mein.berlin.de

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

12 Kommentare

  1. Stavorinus 1. Juli 2026 at 11:19 - Reply

    Das Problem an dem Bebauungsplan zum Amtswäldchen ist, dass die Unterlagen allesamt veraltet sind. Sowohl die Bedarfermittlung für den Verbrauchermarkt, als auch zum Wald. Bzgl. des Artenschutzes (Vögel, Fledermäuse) liegt noch nicht mal eine vollständige Kartierung vor. Es soll auch kein bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Da die Gesamtwohnfläche unter 5.000 qm liegt, greift das Berliner Model zur Schaffung mietpreisgebundenem Wohnraums nicht. D. h. das Wäldchen, was zur Kühlung der Altstadt und der Umgebung erheblich beiträgt soll für ebenerdige Parkplätze, einen vermutlich nicht notwendigen Verbrauchermarkt und hochpreisigem Wohnraum vernichtet werden. Welches Interesse wiegt mehr? Das der allgemeinen Bevölkerung und ihrer Gesundheit oder das der wenigen Einzelnen, die dort ggf. irgendwann mal wohnen und dem Investor? Vor allem wird bei allem noch vergessen, dass mit der Errichtung des Verbrauchermarktes noch eine entsprechende Lärmbelastung der bereits vorhandenen Anwohner aufgrund von Waren-Anlieferungen – ggf. wiederholt in den frühen Morgenstunden – dazu kommt.

  2. Carola Moeglich 1. Juli 2026 at 18:09 - Reply

    Haben wir immer noch nichts gelernt, war es noch nicht heiß genug? Scheinbar nicht, sonst wüssten alle wie wichtig diese kleinen grünen Oasen für uns alle sind. Es gibt keine logische Begründung, warum dieses Areal bebaut werden muss!!!

  3. Wichert 1. Juli 2026 at 19:39 - Reply

    Hallo ich weiß als Köpenickerin. Ich’s mehr was ich sagen soll. Es wird komplett zerstört und alles grüne verschwindet. Einheimische bekommen keine Wohnung. Und alles wird zugebaut und verschachert. Es macht einen so wütend. Ich lebe genau in der Ecke und laufe dort immer lang. Ein Ort der noch schön ist hier.

  4. Becker 2. Juli 2026 at 09:08 - Reply

    Ich finde es furchtbar, dass alles bebaut werden muß. Es wird sich aufgeregt,dass das Grundwasser sinkt, das Vögel verschwinden, das Insekten weniger werden. Ja, hat sich mal jemand gefragt warum?
    Wenn die Herrschaften jede Ecke betonieren, sind die Auswirkungen doch wohl logisch. Da hilft es auch nicht, wenn man irgendwo im nirgendwo ein paar Bäumchen zum“ Ausgleich“ pflanzt. Außerdem können sich die “ normal Verdiener“ die Neubauten sowieso nicht leisten. Das sehe ich täglich in Oberspree – wer da wohnt.

  5. Joachim Schmidt 2. Juli 2026 at 14:15 - Reply

    Wo ist die Altstadt Köpenick dicht bebaut? Es gibt den Park der Schlossinsel, den Luisenhain, den Futranplatz, die Grünanlage an der Laurentiuskirche und auf der anderen Seite den Platz des 23. April. Wo das besagte Wäldchen ist, stand bis 1992 eine Fabrik für Duro- und Thermoplast und womöglich sind im Boden noch Schadstoffe. Das Wäldchen ist auf den Kellertrümmern des vormaligen Betriebes entstanden, weil das Bezirksamt fast zwei Jahrzehnte für Bearbeitung des Bauantrages und Bebauungsplanverfahrens gebraucht hat. Wie lange sollen noch Leute hingehalten werden, die in dieser Stadt bauen wollen? Immerhin werden 20% der Bäume integriert.

    • Simon 2. Juli 2026 at 22:03 - Reply

      So ein blödes Gequatsche. Du scheinst ja der richtige Egoist zu sein. Lass es, wie es ist oder hast du was gegen Natur? Wahrscheinlich hast du nicht mal Kinder deswegen machst du dir keinen Kopf um die Zukunft. Hauptsache Kohle, Kohle, Kohle

      • Siglinde 3. Juli 2026 at 17:28 - Reply

        Es geht nur noch um Wohnungen aber wer denk an die Umwelt. Und wer kann sich die Wohnungen noch leisten .Wir wollen dieses Stück Natur behalten

    • Vincent 7. Juli 2026 at 09:08 - Reply

      Richtig, das Wäldchen steht nur aus Deinen genannten Gründen dort. Aber jetzt steht es dort und ist für das Stadtklima mehr als wichtig geworden! Woanders in der Welt hat man das begriffen. Deshalb muss es stehen bleiben. Tesla in Grünheide sollte allen eine Warnung sein.
      Und wenn nicht alle nach Berlin ziehen wollten, bräuchten wir auch keine Wohnungen. Einen Supermarkt braucht es nicht, es sind zwei Rewe in der Nähe.
      Also Bezirk und BVV, lasst die Finger von dem dringend nötigen Stück Stadtnatur. Dass Köpenick der grünste Bezirk Berlins ist und damit ja noch genug grün bietet, darf keine Ausrede sein. Hier hat sich eben die Natur ein Stück zurück erobert.

  6. Elfi Gall 2. Juli 2026 at 14:40 - Reply

    Ja der Mensch lernt weder die Zmwelt zu schützen und zu erhalten, noch aus Kriegen vor nicht zu langer Zeit zu lernen. Es ist wirklich nicht zu fassen und dann auch noch für hochpreisige Eigentumswohnungen.

  7. James_Hobrecht_fan 3. Juli 2026 at 13:33 - Reply

    Dichtes Bauen ist Klimaschutz, wenn es Menschen autoarm in der Stadt zu wohnen erlaubt. Leider ist dieser Plan kein dichtes Bauen. Es wäre besser ohne Parkplatz und mit deutlich mehr Wohnungen.

  8. Dr. Michael Christian Schulze 16. Juli 2026 at 08:03 - Reply

    Ich freue mich sehr über die vielen kritischen und ablehnenden Kommentare dieses irrwitzigen Bauprojektes. Andere Städte entsiegeln für viel Geld und pflanzen Miniwälder und in Köpenick wollen wir selbigen vernichten. Das ist Wahnsinn. Das Robert Koch Institut schätzt, dass durch die Hitzeperiode im Juni ca. 5.000 Menschen zusätzlich gestorben sind. In Sonntagsreden wird deshalb zurecht immer wieder gefordert, das wir a) aus zügig der fossilen Wirttschaft aussteigen müssen und b) Klimaanpassungsmassnahmen – z.B. Miniwälder – vornehmen müssen. Diese Sonntagsreden müssen auch umgesetzt werden. Der Parkplatz wird wahrscheinlich zusätzlichen Verkehr ansaugen und damit auch weitere Luftverschmutzung verursachen. Dieser Bebauungsplan ist so total aus der Zeit gefallen, dass man es kaum glauben kann. Deshalb hat sich jetzt auch die Bürgerinitiative „Rettet das Amtswäldchen“ gegründet. Tatkräftige Unterstützung ist willkommen.

  9. Lydia Stelzer 16. Juli 2026 at 12:00 - Reply

    Und hier ist eine Möglichkeit aktiv zu werden:
    Es gibt eine Petition der Bürgerinitiative „Rettet das Amtswäldchen“: https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-das-amtswaeldchen-in-koepenick-vor-der-rodung. Mit jeder Unterschrift können wir ein Zeichen gegen diese fragwürdige geplante Baumrodung setzen. Leitet die Petition gerne weiter.Vielen Dank

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.