Der Waisentunnel verbindet die U-Bahnlinien U5 und U8 und gilt als zentrale Achse im Berliner U-Bahnnetz. Seit einigen Jahren ist er geschlossen, nun plant die BVG einen Neubau. Ende dieses Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen, die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen.

Während der Bauarbeiten für den Ersatzneubau des Waisentunnels will die BVG sicherstellen, dass der Schiffsverkehr ungestört weitergeführt werden kann. / © Foto: Wikimedia Commons, Raimond Spekking
© Titelbild: Wikimedia Commons, Eric H., CC BY-SA 3.0 DE
Der Waisentunnel ging 1918 in Betrieb und stellte seitdem eine unsichtbare, aber enorm wichtige Verbindung im Berliner Untergrund dar. Er führte von der Linie U5 am Alexanderplatz unter der Littenstraße und der Spree hindurch bis zur Linie U8 an der Heinrich-Heine-Straße. Damit schuf er die einzige direkte Verbindung zwischen dem östlichen und dem westlichen Netzbereich.
Über Jahrzehnte konnten Züge so unkompliziert zwischen den Linien wechseln. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) profitierte dadurch von einer flexibleren Fahrzeugdisposition und einer gleichmäßigeren Auslastung der Werkstätten. Der Tunnel erhöhte nicht nur die Effizienz, sondern auch die Stabilität im laufenden Betrieb, weshalb er als zentrale Infrastruktur des U-Bahnnetzes galt.
Stilllegung des Waisentunnels: Sicherheitsmängel führten zu kostspieligen Umwegen im Betriebsalltag
Vor einigen Jahren musste die BVG den Tunnel aus Sicherheitsgründen stilllegen. Seitdem ist die U-Bahn Linie U5 vom übrigen Netz und den Bahnwerkstätten abgeschnitten. Das bedeutet, dass Fahrzeuge der Linie U5 nicht mehr regulär zur Wartung oder zum Austausch ins restliche System überführt werden können.
Um dennoch Werkstattaufenthalte oder einen Fahrzeugeinsatz zu ermöglichen, mussten die Wagen aufwendig mit Tiefladern durch die Stadt transportiert werden. Dieser Prozess war nicht nur umständlich und zeitintensiv, sondern verursachte auch hohe Kosten. Damit wurde der fehlende Tunnel zu einer deutlichen Belastung für den Betriebsalltag.
Tunnelbau unter der Spree: Der Ersatzneubau soll Schiffverkehr nicht beeinträchtigen
Eine besondere Herausforderung stellt der Tunnelabschnitt unter der Spree dar. Während der Bauarbeiten darf der Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt werden. Geplant ist, das bestehende Bauwerk zunächst mithilfe von Stahlbetonschotten vom restlichen Netz abzutrennen, damit kein Wasser eindringt. Erst dann beginnen Rückbau und Neubau an gleicher Stelle.
Die Bauarbeiten erfolgen in zwei Phasen. Zuerst errichten die Teams auf der südlichen Spreeseite eine Baugrube, die ausgepumpt wird. Dort entsteht die erste Hälfte des neuen Tunnels. Anschließend wird die Baugrube wieder geflutet, bevor der gleiche Vorgang auf der nördlichen Seite wiederholt wird. Schritt für Schritt wächst so ein neuer Tunnelkörper unter der Spree heran.
Digitalisierung im Bau: BIM-Methode begleitet alle Planungs- und Ausführungsphasen
Der Ersatzneubau dient gleichzeitig als Pilotprojekt für die Einführung der BIM-Methode bei der BVG. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Planungsmethode („Building Information Modeling“), bei der sämtliche Arbeitsschritte in einem dreidimensionalen Modell abgebildet werden. Ziel ist es, die Abläufe zu beschleunigen und Abstimmungen zwischen verschiedenen Gewerken zu vereinfachen. Diese Methode ist jedoch keine besonders neue Planungsmethode, sondern sollte bei Projekten dieser Größenordnung bereits seit längerem angewandt werden.
Nach Angaben der BVG wurden die Planungsleistungen bis zur Ausführungsplanung bereits abgeschlossen. Seit der Entwurfsphase werden die Fach- und Bestandsplanungen digital modelliert. Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren, das den Weg für den Baubeginn freimachen soll.
Zeitlicher Rahmen für das Projekt: Erste Züge sollen im Jahr 2029 durch den neuen Tunnel fahren
Die Vorbereitungen für das Projekt starteten 2021, ein Jahr später begann die eigentliche Planungsphase. Bereits 2023 lag die Ausführungsplanung vor. Nun richtet sich der Blick auf Ende 2025, wenn die eigentlichen Bauarbeiten beginnen sollen.
Nach heutigem Stand soll die erste U-Bahn 2029 durch den neuen Tunnel fahren. Damit würde nach mehr als einem Jahrzehnt der Stilllegung eine zentrale Verbindung im Berliner U-Bahnnetz wieder zur Verfügung stehen.
Quellen: BVG, MOZ
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Mir fällt gleich noch was anderes mit selben Namen ein…. Wo längst schon Mittel dafür bereit steheh und nichts so richtig passiert: Die Waisenbrücke.
Die hat nämlich einen ähnlichen Effekt, was die Verlinkung von Stadträumen angeht (Märkisches Ufer/Märkisches Museum mit dem komnenden Molkenmarkt-Viertel)