Wo soll Berlin künftig wachsen? Neue Quartiere, Nachverdichtung oder Tempelhofer Feld? ENTWICKLUNGSSTADT vergleicht die Pläne von SPD, CDU, Grünen, Linken und AfD.

Eine Visualisierung des Konzepts der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ zeigt die Idee für Randbebauung mit 21.400 Wohnungen und den Erhalt der inneren Freifläche des Tempelhofer Feldes. / © Visualisierung: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin braucht zusätzlichen Wohnraum, neue Schulen und Kitas, leistungsfähige Verkehrsverbindungen sowie Flächen für Gewerbe, Kultur und Erholung. Doch Grund und Boden lassen sich nicht vermehren. Wo neue Quartiere entstehen, treffen deshalb unterschiedliche Interessen aufeinander: Wohnungsbau konkurriert mit Grünflächen, Kleingärten und Gewerbe; Nachverdichtung stößt häufig auf Widerstand in bestehenden Nachbarschaften. Zugleich müssen neue Wohngebiete von Beginn an an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und mit sozialer Infrastruktur ausgestattet werden.
Die Parteien beantworten diese Zielkonflikte sehr unterschiedlich. ENTWICKLUNGSSTADT vergleicht vor der Wahl die stadtentwicklungspolitischen Konzepte der fünf derzeit größten Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus. Der vierte Teil der Serie untersucht, wie die derzeit fünf stärksten Parteien – CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und AfD – das Wachstum Berlins steuern wollen.
SPD: Neue Quartiere und vorhandene Flächen gleichzeitig nutzen
Die SPD setzt nicht ausschließlich auf Innenentwicklung oder Stadterweiterung, sondern verbindet beide Strategien. Einen erheblichen Teil des Wohnungsbaus verortet sie in den 24 vom Land ausgewiesenen neuen Stadtquartieren, die teils am Stadtrand und teils auf größeren Entwicklungsflächen innerhalb der Stadt entstehen sollen. Landeseigene Grundstücke will sie schneller verfügbar machen. Gleichzeitig sollen die verkehrliche Erschließung sowie Schulen, Kitas und andere soziale Einrichtungen rechtzeitig geplant und gebaut werden. In Tegel will die Partei das Schumacher Quartier und angrenzende Bereiche mit landeseigenen Wohnungsunternehmen und gemeinwohlorientierten Genossenschaften weiterentwickeln. Im Entwicklungsgebiet Berlin TXL sieht die SPD ein Potenzial von bis zu 12.000 Wohnungen. Auch den Zentralen Festplatz in Wedding nimmt die SPD als möglichen Standort für ein weiteres Stadtquartier in den Blick, sofern für die dort ansässigen Schausteller eine Ersatzfläche gefunden wird.
Daneben will die Partei Baulücken, Brachflächen und niedrig bebaute Grundstücke stärker nutzen und grundsätzlich bereits versiegelte Flächen priorisieren. Leerstehende Bürogebäude sollen mit einem Förderprogramm in mietpreisgebundenen Wohnraum umgebaut werden. Weitere Potenziale sieht die SPD in Aufstockungen, der Überbauung eingeschossiger Supermärkte und der Umgestaltung früherer Verkehrsräume. Als konkretes Beispiel nennt sie das Umfeld der ehemaligen Autobahn A104 an der Schlangenbader Straße. Beim Tempelhofer Feld zieht die Partei dagegen zunächst eine Grenze: Solange andere Baupotenziale ungenutzt bleiben, schließt sie Wohnungen am Feldrand aus. Im Umfeld des Flughafengebäudes soll jedoch landeseigener und genossenschaftlicher Wohnungsbau entstehen, ohne die geschützte Feldfläche anzutasten.

So könnte ein Quartiersplatz im Schumacher Quartier aussehen. Das neue Wohnviertel von Berlin TXL verbindet Wohnungen, Grünflächen, Geschäfte und öffentliche Aufenthaltsbereiche auf dem ehemaligen Flughafen Tegel. / © Visualisierung: Berlin TXL Management GmbH / Ponnie-Images
CDU: Neue Bauflächen aktivieren und das Tempelhofer Feld öffnen
Die CDU verfolgt eine deutlich expansivere Flächenstrategie. Sie will Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen, baureife Grundstücke schneller mobilisieren und rechtliche Vorgaben auf das nach Bundes- und Europarecht zwingend erforderliche Maß begrenzen. Bei Grundstücken, für die bereits eine Baugenehmigung vorliegt, soll das Land das Baugebot konsequenter einsetzen, wenn innerhalb von zwei Jahren kein Baubeginn erfolgt. Nachverdichtungen und Aufstockungen will die Partei unter anderem bei genossenschaftlichen Beständen mit zinsverbilligten Darlehen fördern. Zugleich sollen neue Quartiere nicht nur dem Wohnen dienen: Die CDU nennt Nachbarschaftstreffs sowie integrierte Bildungs-, Pflege- und soziale Angebote als förderungswürdige Bestandteile gemeinwohlorientierter Projekte.
Der sichtbarste Unterschied zu den anderen Parteien betrifft das Tempelhofer Feld. Die CDU bekennt sich ausdrücklich zu einer Randbebauung und nennt mehr als 20.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen. Die verbleibende Fläche soll weiterhin Sport, Freizeit, Kultur und Erholung dienen. Am ehemaligen Flughafen Tegel will sie die Urban Tech Republic als Forschungs- und Innovationsstandort weiterentwickeln und das Terminal für die Berliner Hochschule für Technik umbauen. Für die City West kündigt sie ein Entwicklungskonzept auf Grundlage der „Charta City West 2040“ an. Zugleich soll ein digitaler Zwilling Berlins Planungen dreidimensional darstellen und Bürgern die Auswirkungen von Vorhaben auf Stadt und Nachbarschaft nachvollziehbarer machen.
Grüne: Innenentwicklung vor zusätzlicher Versiegelung
Die Grünen wollen das Wachstum Berlins vorrangig innerhalb der bereits bebauten Stadt organisieren. Aufstockungen, Dachausbauten und Nachverdichtungen sollen neue Wohnungen schaffen, allerdings sozialverträglich, ökologisch und auf Grundlage eines verbindlichen Leitbilds für gute Quartiere. Bevor innerhalb bestehender Siedlungen gebaut wird, verlangen sie Innenentwicklungskonzepte und einen Ausbau der sozialen Infrastruktur. Vorrang erhalten Baulücken, Brachflächen, überbreite Straßen sowie bereits versiegelte Parkplatz- und eingeschossige Gewerbeflächen. Mehrgeschossige Wohnbauten über Supermärkten oder Parkplätzen sollen zusätzlichen Raum schaffen, ohne neue Landschaftsflächen in Anspruch zu nehmen. Auch leerstehende Bürogebäude will die Partei verstärkt in bezahlbaren Wohnraum umwandeln.
Neue Stadtquartiere schließt das Programm nicht grundsätzlich aus. Sie sollen Wohnen, Arbeiten, Kultur, soziale Infrastruktur, Grünflächen und Mobilität von Anfang an miteinander verbinden. Vorhaben auf ökologisch wichtigen Flächen wollen die Grünen jedoch überprüfen und gegebenenfalls verändern. Als Beispiel nennen sie die Planungen für Späthsfelde, wo Kleingärten und Lebensräume geschützter Arten betroffen wären. Hochhäuser akzeptiert die Partei nur unter klaren Bedingungen: Sie sollen städtebaulich passen, ökologischen Anforderungen entsprechen und vorzugsweise dauerhaft günstigen Wohnraum landeseigener oder gemeinnütziger Träger schaffen. Eine Bebauung des Tempelhofer Feldes lehnen die Grünen vollständig ab. Der Volksentscheid soll verbindlich bleiben; das Flughafengebäude wollen sie stattdessen als Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft weiterentwickeln.

Zwischen den Wohnblöcken in Fennpfuhl und der Vulkanstraße liegen heute ausgedehnte Parkplatzflächen. Diese Flächen bilden einen wesentlichen Teil des geplanten Baugebiets. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Linke: Große Stadtquartiere statt konfliktträchtiger Verdichtung
Die Linke räumt neuen Stadtquartieren eine zentrale Rolle ein. Im Gegensatz zu kleinteiliger und häufig umstrittener Nachverdichtung in bestehenden Siedlungen will sie große Entwicklungsgebiete priorisieren, insbesondere auf landeseigenen Flächen. Vorhaben mit einem hohen Potenzial für bezahlbaren Wohnraum und eine stadtverträgliche Entwicklung sollen schneller vorankommen. Als wichtiges Beispiel nennt das Programm das Schumacher Quartier am ehemaligen Flughafen Tegel. Voraussetzung sind eine frühzeitige Verkehrsanbindung, flächensparendes und multifunktionales Bauen, grüne Infrastruktur und eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft. In jedem neuen Quartier soll außerdem mindestens ein Gemeinschaftsraum entstehen.
Die Partei verbindet die Flächenentwicklung mit weitreichenden Vorgaben für bezahlbares Wohnen. Auf landeseigenem Boden sollen sämtliche neu errichteten Wohnungen preis- und belegungsgebunden sein. Auf privaten Flächen verlangt die Linke entweder die Abtretung der Hälfte der Fläche an das Land oder Mietpreis- und Belegungsbindungen für 60 Prozent der Wohnfläche. Noch nicht realisierte Nachverdichtungsprojekte landeseigener Unternehmen auf Freiflächen in bestehenden Quartieren will sie gemeinsam mit den Bezirken überprüfen und bis zum Abschluss fehlender Beteiligungsverfahren aussetzen. Gleichzeitig fordert sie ein öffentliches Baulückenkataster. Das Tempelhofer Feld soll vollständig unbebaut bleiben und planungsrechtlich als Grünfläche gesichert werden. Bis spätestens 2030 strebt die Partei eine Netto-Null-Versiegelung an; zusätzliches Wachstum soll daher weitgehend auf bereits bestehenden Bauflächen stattfinden.
AfD: Stadtentwicklung mit weniger Regulierung und früher Verkehrsanbindung
Das Wahlprogramm formuliert kein eigenständiges Kapitel zur Entwicklung neuer Stadtquartiere. Aus den einzelnen Forderungen ergibt sich jedoch eine deutlich angebots- und investitionsorientierte Linie. Bauvorschriften sollen reduziert, Ausnahmen und Befreiungen vom geltenden Planungsrecht erleichtert und Änderungen von Bebauungsplänen häufiger in vereinfachten Verfahren vorgenommen werden. Die kooperative Baulandentwicklung will die Partei so verändern, dass neu geschaffener Wohnraum vorrangig Menschen mit langjährigem Lebensmittelpunkt in Berlin zugutekommt. Milieuschutzregelungen sollen begrenzt werden, wenn sie nach Auffassung der Partei Neubau, Umbau oder die Anpassung des Bestands erschweren.
Bei neuen Stadtgebieten verlangt die AfD, leistungsfähige ÖPNV-Verbindungen bereits vor dem Bezug fertigzustellen. Zugleich soll die „Berliner Mischung“ aus Wohnen, Arbeiten und Leben erhalten bleiben; auf ausgewiesenen Gewerbeflächen will die Partei jedoch die gewerbliche Nutzung priorisieren. Innerstädtische Kleingartenanlagen der im Kleingartenentwicklungsplan ausgewiesenen Schutzkategorie 2 sollen langfristig gesichert und durch Bebauungspläne geschützt werden. Aussagen zu einzelnen Großquartieren, zum Tempelhofer Feld, zur Elisabeth-Aue oder zu konkreten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen enthält das vorliegende Programm nicht.
Wo Berlin wachsen soll, bleibt eine Richtungsfrage
Der Vergleich zeigt keinen einfachen Gegensatz zwischen Innenentwicklung und neuen Quartieren. Fast alle Parteien verbinden mehrere Instrumente, gewichten sie jedoch unterschiedlich. SPD und CDU wollen sowohl vorhandene Flächenreserven als auch größere Entwicklungsgebiete nutzen. Grüne und Linke messen dem Schutz von Freiräumen und der Begrenzung zusätzlicher Versiegelung größere Bedeutung bei. Die AfD setzt dagegen vor allem auf weniger Regulierung, schnellere Genehmigungen und eine stärkere Orientierung am privaten Wohnungsbau.
Damit geht es bei der Berlin-Wahl 2026 nicht nur darum, wie viele Wohnungen entstehen sollen. Die Parteien unterscheiden sich auch darin, welche Flächen Berlin dafür nutzen, wie stark die Entwicklung neuer Quartiere reguliert und ob die Stadt eher nach innen, an ihren Rändern oder auf bislang geschützten Arealen wachsen soll.
Quellen: Wahlprogramme der SPD, CDU, Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linke und AfD für die Berlin-Wahl 2026
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Bekannterweise ist der Anteil des reinen Baupreises im Geschoss-Wohnhausbau ca. 80%.
Also der Knackpunkt worum es hier geht, ist der aktuell von den Baufirmen geforderte Baupreis von ca.4.000€/ m².
Egal, welcher Politiker aus welcher Partei bauen lässt, ohne Subventionen aus Steuergeldern entsteht mit den traditionell handwerklich gewerkeorientierten Bauweisen keine einzige Sozialwohnung.
Subventionen sind die Belohnung für das Versagen
(Dr. Markus Krall)
Es kann keine zukunftsfähige Lösung sein, wenn beim Wohnungsneubau mit Subventionen, auch geförderter Wohnungsbau genannt, die sogenannte Sozialbindung nach 15 Jahren wegfällt und diese Wohnungen dann zu „Marktmieten“ angeboten werden können.
Vermutlich müssen dann sehr viele Mieter aus finanziellen Gründen ihre Wohnung, sowie ihre damit verbundenen und seit langem bestehenden sozialen Beziehungen, aufgeben.
Selbst wenn bei den sechs senatseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Mietpreisbindung für WBS-Berechtigte bleibt, muss dann der Steuerzahler über Mischkalkulation im Gesamtbestand den Ausgleich zu Marktmieten bezahlen.
Die Alternative im Wohnungsbau für jedes Einkommen, wäre die Entflechtung von der
Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als
Lean-Design/Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik in prozessorientierter Montage möglich.
Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.