Nach dem Jahreswechsel rückt die Debatte um privates Feuerwerk in Berlin erneut in den Fokus. Die Polizei-Gewerkschaft plädiert für ausgewiesene Böllerzonen und ein Verbot im restlichen Stadtgebiet. So könnten etwa das Tempelhofer Feld oder der ehemalige Flughafen Tegel zu ausgewiesenen Böllerzonen werden. Ein sinnvoller Vorschlag oder organisatorisch nicht durchführbar?
© Foto Titelbild: Depositphotos.com
Die Silvesternacht in Berlin verlief nach Einschätzung der Behörden insgesamt ruhiger als in einzelnen Vorjahren, dennoch blieb sie nicht ohne schwere Vorfälle. Hunderte Einsätze, zahlreiche Festnahmen und verletzte Einsatzkräfte prägten auch den jüngsten Jahreswechsel. Besonders der Missbrauch von Pyrotechnik als Wurfgeschoss stellte Polizei und Rettungskräfte erneut vor große Herausforderungen.
Neben Angriffen auf Einsatzkräfte wurden auch schwere Verletzungen bei Feiernden registriert. Die Diskussion um den privaten Umgang mit Feuerwerkskörpern ist damit erneut entfacht, und wird nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch gesellschaftlich geführt.
Silvesternacht in Berlin: Polizei-Gewerkschaft fordert grundlegenden Kurswechsel
Vor diesem Hintergrund hat die Gewerkschaft der Polizei einen weitreichenden Vorschlag eingebracht: Künftig sollen in Berlin nur noch klar ausgewiesene Böllerzonen erlaubt sein, während der überwiegende Teil des Stadtgebiets zur Böllverbotszone erklärt wird, wie der RBB berichtet.
Ziel dieser Maßnahme sei es, die unkontrollierte Nutzung von Pyrotechnik einzudämmen und die Sicherheit für Einsatzkräfte sowie die Bevölkerung deutlich zu erhöhen. Die Polizei-Gewerkschaft argumentiert, dass punktuelle Verbote nicht ausreichen würden. Stattdessen brauche es eine klare, leicht verständliche Regelung, die sowohl für Feiernde als auch für Ordnungskräfte praktikabel sei. So soll die Logik also umgedreht werden.
Ausgewiesene Böllerzonen als Kompromiss zwischen Feiern und Sicherheit?
Ausgewiesene Feuerwerkszonen könnten nach Vorstellung der Befürworter als kontrollierte Räume funktionieren, in denen das Abbrennen von Pyrotechnik gebündelt und überwacht möglich ist. So ließen sich gefährliche Situationen in engen Wohnstraßen, an Verkehrsknotenpunkten oder in dicht besiedelten Quartieren vermeiden.
Gleichzeitig würde der Vorschlag nicht auf ein vollständiges Verbot von Silvesterfeuerwerk hinauslaufen. Vielmehr soll das Feiern räumlich gelenkt werden; ein Ansatz, der auch aus anderen Großstädten bekannt ist und dort teils positive Effekte gezeigt hat.
Offene Fragen, politische Abwägungen: Kann das Modell abgegrenzter Böllerzonen für Berlin funktionieren?
Kritisch diskutiert werden jedoch die praktische Umsetzung und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Fragen nach Größe, Lage und Kontrolle der Zonen sowie nach der Durchsetzbarkeit eines großflächigen Verbots sind bislang offen. Auch der Eingriff in traditionelle Silvestergewohnheiten dürfte politisch umstritten bleiben.
Fest steht: Die Diskussion über Böllerzonen berührt grundlegende Fragen urbaner Sicherheit und öffentlicher Ordnung. Ob Berlin diesen Weg einschlägt, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden; die Silvesternacht hat dem Thema jedenfalls neue Dringlichkeit verliehen.
Tempelhofer Feld, Flughafen Tegel, Landschaftspark Adlershof: Wo könnten Böllerzonen eingerichtet werden?
Beim letzten Mal verhalf auch das Thema innere Sicherheit Kai Wegner ins Amt des Bürgermeisters, doch eine tatsächliche Verbesserung der Situation konnte Wegner bislang nicht erreichen. So ist der Vorschlag „legaler“ Böllerzonen womöglich ein Ansatz, der einmal getestet werden sollte.
Neben dem Tempelhofer Feld könnten solche Böllerzonen auch der ehemalige Flughafen Tegel, der zentrale Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, die Trabrennbahn Karlshorst, die Lübarser Felder im Berliner Norden oder der Landschaftspark Adlershof im Südosten der Hauptstadt sein. Statt den Vorschlag der Polizeigewerkschaft vorschnell abzutun, sollte er einmal gründlich durchdacht werden.
Quellen: RBB, Der Tagesspiegel Grün Berlin GmbH, Tempelhof Berlin GmbH
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7 Kommentare
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Guter Vorschlag… Vorschlag Nummer 2: Jenseits des Feldringweges alles bebauen.
Ich befürworte begrenzte Böllerzonen in (Innen-)Städten stark.
In Mitte-Mitte ist es jedes Jahr schwierig.
Raketen werden in den engen Straßen oder auf dem Mittelstreifen der Leipziger gezündet – mit Gefahr für Passanten und Autofahrer. Im 11ten Stock explodieren manche Raketen direkt vor meinem Balkonfenster (zum Glück ist mein Balkon verglast). Das ganze geht über Stunden hinweg, insbesondere von 23 – 3 Uhr. Am Folgetag ist der Boden mit Feuerwerksresten bedeckt (Müll) und Rauchschwaden hängen in den Straßen.
Das kommerzielle Feuerwerk auf dem Gendarmenmarkt stellt dabei kein Problem dar, da kontrolliert, kurz und örtlich begrenzt.
Im Ergebnis ist Mitte-Mitte meiner Meinung nach nicht für privates Feuerwerk geeignet.
So wie jetzt kann es nicht weiter gehen. Warum also nicht mal Böllerzonen 2-5 Jahre ausprobieren (es braucht Zeit, um ein neues Verhalten zu implementieren)?
Leider beweisen die Brände auf Balkonen und Wohnungen in höheren Stockwerken nur zu deutlich, dass dichte Hochhausbesiedlung und Feuerwerk nicht kompatibel ist. Es brennt zu oft aufgrund von Feuerwerken. Gerade in den höheren Etagen wird das Löschen wiederum schwierig, so dass letztendlich hunderte Bewohner gefährdet werden.
Und für Polizei, Krankenwagen und BSR wird es auch einfacher.
Von meiner Seite volle Unterstützung für die Ausweisung von Böllerzonen bei gleichzeitigen Verbot im Rest der Stadt. Kommerzielle Feuerwerke sind hiervon ja nicht betroffen.
Gerade aus Sicht der Rettungsdienste, insbesondere Krankenwagen und Feuerwehr, emfinde ich das als einzig logischer Weg.
Verletzte können sehr schnell erstversorgt werden. Alleine schon, weil der Anfahrtsweg erheblich reduziert wird.
Evt. Brände können schnell und einfacher gelöscht werden. Ein Balkonbrand im 14. Stock ist schwieriger zu löschen und passiert viel zu häufig.
Das gleiche gilt bezüglich späterer Müllentsorgung. Nur die wenigsten kommen ihrer Verpflichtung ihren eigenen Müll auch wieder wegzuräumen nach. Ist der Müll zumindest räumlich begrenzt, macht dies der Stadtreinigung zumindest einfacher.
Wenn alles sehr konzentriert ist, ist die Betreuung schlicht und ergreifend einfacher.
Auch der Mehraufwand der Polizei ist insgesamt geringer.
Klar müssen sie in der gesamten Stadt die Einhaltung prüfen und evt. eingreifen. Das müssen aber auch schon jetzt.
Konzentrieren sich die Menschenmassen dagegen räumlich, kann die Sicherheit mit weniger Beamten im Verhältnis zu Anzahl der Menschen und vog allem Fläche gewährleistet werden.
Durch die klare Abgrenzung entfällt sowohl der Verwaltungsaufwand für jährlich wechselnde Verbotszone als auch die vor Ort dann stattfindende Diskussion, ob Personen sich in einer Verbotszone aufhalten oder 30 cm davor stehen.
Nicht ohne Grund kommt der Vorschlag schließlich von der Polizei.
Durch die zentrale Ausgestaltung ist auch davon auszugehen, dass sich die zeitliche Ausgestaltung voraussichtlich reduzieren wird. Ebenfalls entlastend für Rettungskräfte und Polizei.
Hinzu kommt der sich immer weiter ausweitende Trend in (Groß-)Städten vollständig auf Feuerwerk zu verzichten und auf Lichtshows unter zu Hilfenahme von Drohnen umzuschwenken. In Berlin gab es sowas auch schon mal zum Festival of Lights. Ebenso schön und beeindruckend ohne Verletzungsgefahr, Brandgefahr, Straftaten und definitiv einfacher für Rettungskräfte, Polizei und Stadtreinigung. Für die Ökos zusätzlich ohne Müll und Luftverschmutzung (wenn auch mit Stromverbrauch).
Ich lebe in Neukölln nahe dem THF und leide jedes Jahr mit dem Hund sehr unter der Böllerei. Ich habe, wie viele hier, die Petition der Polizeigewerkschaft leidenschaftlich unterstützt und fühle mich nun gelinde gesagt ver*** , wenn sie die Mega-Böllerzone quasi in unserem Hinterhof errichten wollen.
Es geht nicht für uns darum, den Dreck und den Krach vor der eignen Tür zu haben. Wir sind eh nicht da und die Kiegsähnlichen Zustände auf der Hermannstraße schaue ich mir tags darauf auf Youtube an.
Es geht viel mehr um die Tatsache, in den Sommermonaten muss man das Feld wegen Nachtlichter Schließung verlassen. Zur Not mit Unterstützung der Polizei, in schlimmsten Fall folgt eine Anzeige wegen Hausfriedsbruch. Jetzt soll es für Ballerei offiziell geöffnet werden?!
Das Jahr über macht man sich stark gegen eine Bebauung und erfreut sich an der Natur und dann kommen Vorschläge eine Böllerzone einzurichten??!?
Wir sind seit Jahren zu Silvester bei den Schwiegereltern in Italien. In dieser Stadt gibt es ein offizielles Feuerwerk, das 20 Min dauert und an das Finale der Pyronale erinnert. Wer möchte geht hin und parallel wir es im Lokalfernsehn übertragen und damit der Drops gelöscht…. keine große Sauerei auf der Strasse, keine weggesprengten Gliedmaßen. Eine Entlastung für alle.
Vielleicht sollte man an den klaren Menschenverstand appellieren und jeder sollte ganz tief in sich gehen und fragen, ob die Hälfte der Knallerei nicht ausreicht.
Aber Menschenverstand ist in Berlin mit *individuellen Persönlichen* und * jedermachtwaserwill* schon lange nicht mehr zurechnen, oder…?!
2026 hat grade begonnen und ich bin höchst gespannt wann was als nächstes aus der Wundertüte *Absurde Ideen für das Tempelhofer Feld* kommt.
Ich wünsche einen guten und Friedhöfen Start ins Neue Jahr…
Bleibt Gesund und am Ball
100% Agree
Meine Einschätzung, die Böllerei kann auch ein Ventil sein um Frust zu verarbeiten um mit Schrecken umzugehen, so wie wenn man schreit. Und nach dem Krieg mag es den jüngeren geholfen haben die Bombenhagel zu verarbeiten. Aber mittlerweile ist das zu einem unkontrollierten privat Exzess verkommen, daher böllern ja aber an bestimmten Orten die zudem auch die Gemeinschaft wieder fördern und geschützter, sicherer sind weil unter Aufsicht.
Siehe auch https://www.tip-berlin.de/stadtleben/geschichte/neujahr-silvester-berlin-historisch-1900-bis-2023/