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Berlins Gendarmenmarkt wurde denkmalgerecht saniert – doch viele Architekten sowie Bürgerinnen und Bürger fordern nun eine Nachbesserung im Sinne einer klimaresilienten Stadtplanung. Das Beispiel Humboldt Forum zeigt, dass dies durchaus möglich ist.
Berlin, Gendarmenmarkt

Der Gendarmenmarkt zwischen Historie und Hitzewelle: Kritiker fordern mehr Grün, mehr Mut. Geht nicht beides? Eine wie hier gezeigte Anpassung des bestehenden Platzes mit zusätzlichen Bäumen und Sitzgelegenheiten sollte keine stadtplanerisch Unmöglichkeit darstellen, am Humboldt Forum wird es bereits vorgemacht. / © Foto: Depositphotos.com / Collage: ENTWICKLUNGSSTADT (mit KI erstellt)

© Foto Titelbild: Depositphotos.com / Collage: ENTWICKLUNGSSTADT (mit KI erstellt)

 

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Tarek Massalme, Sprecher für Stadtentwicklung und Energiepolitik im Bezirk Berlin-Mitte, hatte in einem Gastkommentar im März 2025 die denkmalgerechte Gestaltung des Berliner Gendarmenmarktes kritisiert: „Beim Blick über die unzähligen Steinquadrate habe ich den Eindruck als könne dieser Platz nicht anders sein, als sei er dazu verdammt worden ein umbauter Steinbruch zu sein. Da wagt sich kein Grashalm, kein Blümchen durch das dichte Fugengerüst dieses Platzes.

Zugleich verwies Massalme auf die französische Hauptstadt Paris: „Das alte Paris des Georges-Eugène Haussmann schreitet mit anderen Zielen in die Zukunft. Paris, also die Politik, die Verwaltung und die Menschen haben erkannt, dass der Haussmann-Städtebau ein gutes urbanes Gerüst ist, dass aber Straßen, Plätze und Parks nur dann eine Zukunft haben, wenn sie auf die Anforderungen der Zeit reagieren. Auf die Anforderungen der Zeit reagieren: etwas, das dem klassischen Urbanismus eigentlich doch innewohnt. Und so werden an der Seine zukünftig vor dem Hôtel de Ville Baumreihen und Grünflächen das städtische Bild prägen. Und Berlin? Quo Vadis Historische Mitte?

Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte: Denkmalgerechte Sanierung wurde kontrovers diskutiert

Auf 14.000 Quadratmetern des Gendarmenmarktes wurde, immerhin, erstmals eine barrierefreie Gestaltung umgesetzt – mit einer Kombination aus Pflaster und Platten, die das ursprüngliche, denkmalgeschützte Raster bewahrt, wie das verantwortliche Unternehmen Grün Berlin es nennt.

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Die historische Ausstattung des Platzes, darunter restaurierte Gilly-Bänke, -Leuchten, Kandelaber und Kühn-Bänke, kehrte an ihren angestammten Platz zurück. Zusätzliche Schinkelleuchten sollen die Beleuchtung bislang schlecht ausgeleuchteter Bereiche verbessern.

Die Modernisierung des Gendarmenmarktes hat 21 Millionen Euro gekostet

Mit 21 Millionen Euro war das Projekt durchaus kostspielig – 90 Prozent der Mittel stammen aus dem Förderprogramm zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), ergänzt durch Landesmittel. Damit wurde der Gendarmenmarkt also in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, doch das Echo war und ist geteilt. Viele Bürgerinnen und Bürger als auch Architekturexperten kritisieren die „Steinwüste“, die nach dem rund zweijährigen Umbau nun zutage getreten ist.

Nun rollt eine Hitzewelle nach der anderen über die europäischen Städte, ein weiterer trockener und sehr heißer Sommer hat auch Berlin wieder fest im Griff. Der runderneuerte Gendarmenmarkt geht, zumindest baulich, auf diese klimatische Entwicklung (die nun tatsächlich nicht überraschend kommt) nicht ein. Ganz anders übrigens als beim nur wenige hundert Meter entfernten Humboldt Forum.

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Mehr Bäume, ein neuer Brunnen: Am Humboldt Forum wird bereits nachjustiert

Dort wurde die ursprünglich ebenfalls sehr steinlastige Gestaltung des Schlossplatzes am südlichen Rand des Gebäudekomplexes noch einmal neu gedacht. In den kommenden Jahren soll ein neuer, moderner Brunnen und mehrere Bauminseln geschaffen werden, um den Platz angenehmer und klimaresilienter zu machen. Planungsfehler wurden eingestanden, eine Verbesserung des Status Quo wird umgesetzt. Und das, obwohl der neue Schlossplatz erst vor wenigen Jahren fertiggestellt worden ist.

Ein Ruhmesblatt der Berliner Stadtentwicklung ist dieser Vorgang freilich nicht, aber er zeigt dennoch: wenn der Wille zur Nachbesserung da ist, gibt es auch einen Weg. So könnte es auch beim Gendarmenmarkt geschehen, auch wenn das nun realisierte Platzmuster den Denkmalschutzvorgaben entspricht. Doch das Beispiel Lustgarten zeigt, dass diese Vorgaben nicht immer in, Achtung Wortspiel, Stein gemeißelt sein müssen.

Vorbild Lustgarten: Der Denkmalschutz muss Raum für Kompromisse lassen

Denn die Neugestaltung des Lustgartens war in den 1990er Jahren ein hart erkämpfter Kompromiss. Nach gescheiterten Entwürfen, die das NS-Pflaster erhalten wollten, setzte sich schließlich der zweitplatzierte Plan durch und ließ den historischen Platz neu erblühen. Dafür hob der Berliner Senat im Jahr 1997 den Denkmalschutz auf.

Wäre ein solcher Vorgang auch beim Gendarmenmarkt denkbar? Der Berliner Senat wird darauf verweisen, dass der Platz für Großveranstaltungen wie das Classic Open Air und den beliebten Weihnachtsmarkt freigehalten werden soll. Doch eine mögliche Alternativfläche hat sich in den vergangenen zwei Jahren bereits herausgeschält, sie liegt nur wenige Fußminuten entfernt.

Bebelplatz als Alternative: Sollte beim Gendarmenmarkt noch einmal nachgebessert werden?

Der Bebelplatz am Boulevard Unter den Linden, der den Weihnachtsmarkt in den vergangenen Jahren interimsmäßig beheimatet hat, ist ein ebenso schöner Platz und bietet ein würdevolles Ambiente. Neben dem Weihnachtsmarkt könnte hier sicher auch das Classic Open Air durchgeführt werden.

Für den Gendarmenmarkt böte das die Möglichkeit, eine neuerliche Umgestaltung – mit mehr Grün, mehr Bäumen und weniger versiegelten Flächen. So könnten Schatten spendende Sitzmöglichkeiten entstehen.

Der neu gestaltete Gendarmenmarkt könnte zumindest mit zusätzlichen Bäumen versehen werden

Denkbar wäre auch, eine „Begrünung Light“ umzusetzen  – die nachträgliche Pflanzung von Bäumen oder Baumreihen, die das jetzige Pflaster sinnvoll ergänzen und künftig für Schatten auf dem weitläufigen Stadtplatz sorgen könnten. So wäre keine großformatige Umgestaltung nötig, sondern nur eine punktuelle Anpassung – die sich wohl auch mit Weihnachtsmarkt und Classic Open Air vertragen würde – und finanziell tragbar wäre.

Der Berliner Senat sollte das Thema nicht einfach ignorieren, nur weil es lästig erscheint. Die Debatte um den denkmalgerecht sanierten Platz wird vor dem Hintergrund der in den kommenden Jahren noch heißer werdenden Sommer wohl nicht von allein verschwinden. Die Berliner Politik sollte hier proaktiv einen Weg suchen, wie Denkmalschutz und Klimaanpassung Hand in Hand funktionieren können. Diese Herausforderung wird es nicht nur beim Gendarmenmarkt geben, sondern bei vielen anderen zukünftigen Bauvorhaben.

Berlin, Gendarmenmarkt

Die Neugestaltung des Lustgartens war in den 1990er Jahren ein hart erkämpfter Kompromiss. Nach gescheiterten Entwürfen, die das NS-Pflaster erhalten wollten, setzte sich schließlich der zweitplatzierte Plan durch und ließ den historischen Platz neu erblühen. Dafür hob der Berliner Senat im Jahr 1997 den Denkmalschutz auf. Wäre ein solcher Vorgang auch beim Gendarmenmarkt denkbar? / © Foto: Depositphotos.com / Collage: ENTWICKLUNGSSTADT (mit KI erstellt)

Nachträgliche Begrünung: So soll der Schlossplatz im Süden des Humboldt Forums umgestaltet werden. / © Visualisierung: bbz Landschaftsarchitekten

Quellen: Verein der Freunde und Förderer des Gendarmenmarkts, Bezirksamt Mitte, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, Architektur Urbanistik Berlin, Konzerthaus Berlin, Grün Berlin, Wikipedia, bbz Landschaftsarchitekten

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2 Kommentare

  1. Kevin Sanft 4. Juli 2025 at 08:58 - Reply

    Es muss halt wirklich die Frage gestellt werden ob der Platz vor allem wegen der zwei großen Veranstaltungen so gestaltet werden muss und darunter das ganze Jahr leidet weil die Aufenhaltsqualität, vor allem im Sommer, nicht gut ist.

  2. Böhme 5. Juli 2025 at 09:16 - Reply

    Gut, ich halte von Open-Air-Konzerten mitten in der Stadt ohnehin nicht viel, aber das sollte jetzt kein Grund sein, den Gendarmenmarkt zu bewalden wie beim Titelfoto – das ist albern. Noch lächerlicher ist allerdings die „Begrasung“ des Platzes auf dem vorletzten Platz. Ökologisch nun völlig unsinnig – und hilft auch den Besuchern bei „Hitzeattacken“ im Sommer nicht weiter (wer, bitte sehr, kommt auf so eine Idee???).

    Die Alibibäume auf Bild 2 ändern auch nichts Wesentliches an der „Steinwüste“, aber darauf kommt es meines Erachtens auch nicht an. Man sollte die alten Grünanlagen, die früher neben Deutschem und Französischem Dom bestanden, wieder herstellen – und wie auf Bild 2 zur Markgrafenstraße eine Reihe Bäume gepflanzt werden. Dann kann man immer noch die Open-Air-Konzerte veranstalten, aber die Fläche wäre nicht so trostlos.

    Das letzte Bild zeigt die Planungen für das Humboldtforum. Gut, wenn der Bereich begrünt wird – und auch noch einen Brunnen bekommt. Ganz schlecht, wenn die Straße „Schlossplatz“ ein Kopfsteinpflaster bekäme. Mit Autos macht das Lärm – und der auf dem Bild abgebildete Radfahrer wird fluchen. Für Radfahrer ist jede Art von Kopfsteinpflaster „der Tod“!

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