Im Münchner S-Bahn-Werk Steinhausen rangiert erstmals ein Zug per Fernsteuerung. Über ein 5G-Netz bewegt ein Lokführer die Fahrzeuge aus einem Steuerraum im Gebäude. Die Technik könnte Abläufe im Bahnbetrieb deutlich beschleunigen und perspektivisch auch für andere Städte wie Berlin interessant werden.

Auf dem Werksgelände in München-Steinhausen testet die Deutsche Bahn das ferngesteuerte Rangieren mit einem umgerüsteten Fahrzeug der Baureihe 423. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Thomas Kiewning
© Titelbild: Deutsche Bahn AG / Thomas Kiewning
Im Münchner S-Bahn-Werk Steinhausen wird erstmals ein Zug aus der Distanz gesteuert. Ein Lokführer bewegt das Fahrzeug nicht aus dem Führerstand, sondern von einem Bedienplatz im Gebäude aus. Möglich macht das eine Kombination aus Kameratechnik, digitaler Steuerung und einem eigens eingerichteten 5G-Campusnetz.
Die Deutsche Bahn testet damit die sogenannte „Remote Train Operation“. Ziel ist es, Rangierfahrten in Werkstätten und Depots effizienter zu gestalten. Fahrzeuge könnten schneller bereitgestellt und damit früher wieder im Fahrgastbetrieb eingesetzt werden.
Fernsteuerung im Rangierbetrieb: Deutsche Bahn testet „Remote Train Operation“
Für den Test wurde ein Fahrzeug der Baureihe 423 technisch umgerüstet. Mehrere Kameras am Zug liefern Livebilder, die auf großen Monitoren im sogenannten Remote Operation Center angezeigt werden. Dort befindet sich ein Steuerpult, das dem Führerstand eines Zuges nachempfunden ist.
Über das 5G-Netz werden Befehle und Statusinformationen nahezu verzögerungsfrei übertragen. Mitarbeitende können so nicht nur den Zug bewegen, sondern auch Türen schließen, Beleuchtung aktivieren oder Warnsignale geben. Während der Testfahrten befindet sich aus Sicherheitsgründen weiterhin ein Lokführer im Fahrzeug, der im Notfall eingreifen kann.
S-Bahn-Werk Steinhausen: 350 Rangierfahrten täglich im Depotbetrieb
Das S-Bahn-Werk Steinhausen zählt täglich rund 350 Rangierbewegungen. Fahrzeuge werden zur Reinigung bewegt, in Werkhallen gefahren oder für den Einsatz vorbereitet. Diese Abläufe könnten künftig teilweise aus einer zentralen Steuerstelle erfolgen.
Nach Angaben der Deutschen Bahn könnte die Technik Mitarbeitende entlasten und Prozesse beschleunigen. Auch das kurzfristige Bereitstellen von Ersatzfahrzeugen wäre einfacher möglich.
Vorbild für Berlin? Ferngesteuerte S-Bahnen könnten bundesweit eingesetzt werden
Die Baureihe 423, die im Test eingesetzt wird, ist nicht nur in München verbreitet. Rund 400 Fahrzeuge dieser Serie fahren auch in anderen deutschen S-Bahn-Netzen. Damit könnte der technische Ansatz grundsätzlich auf weitere Städte übertragen werden.
Auch für Berlin könnte ein solches System langfristig interessant sein. In großen Betriebswerken und Abstellanlagen entstehen täglich zahlreiche Rangierbewegungen, etwa bei der Bereitstellung von Zügen für den morgendlichen Berufsverkehr. Digitale Steuerungssysteme könnten hier künftig helfen, Abläufe zu vereinfachen und die Verfügbarkeit von Fahrzeugen zu erhöhen.
Ob und wann die Technik im regulären Betrieb eingesetzt wird, ist derzeit noch offen. Für die Entwicklung und den Testbetrieb investierte die Deutsche Bahn rund eine Million Euro. Eine mögliche Einführung hängt von weiteren Tests, Zulassungsverfahren und der Finanzierung ab. Sollte die Technologie weiterentwickelt werden, könnte ein Rollout in München bereits ab 2028 beginnen.
S-Bahn Werk Steinhausen
Quellen: Deutsche Bahn, ALSTOM
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


