Mit Granit, Sandstein und Blick aufs Wasser: In Berlin-Mitte entsteht ein neuer Zugang zur Spree, am heutigen Freitag wurde symbolisch der Baustart des Vorhabens gefeiert. Die Freitreppe am Humboldt Forum soll historische Bedeutung mit moderner Aufenthaltsqualität verbinden. Bis 2027 soll das ambitionierte Projekt abgeschlossen sein.

Granitstufen statt wilde Wiese: Die neue Freitreppe am Humboldt Forum verspricht spektakuläre Ausblicke, neue Lebensqualität – und ein mögliches Flussbad im Herzen der Stadt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung: bbz Landschaftsarchitekten, Sora Images
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit einem symbolischen Spatenstich wurden die Bauarbeiten für die Freitreppe zur Spree auf der Schlossfreiheit in Berlins Mitte, konkret an der Westseite des Humboldt-Forums vor dem rekonstruierten Eosander-Portal, am heutigen Freitag um 11.00 Uhr eingeleitet.
Als erster Redner eröffnete Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, den symbolischen Spatenstich und verwies darauf, dass der Bund dieses Projekt mit 3,8 Millionen Euro fördert. Prinzipiell habe der Bund Interesse, solche Vorhaben mit nationaler Bedeutung zu fördern, die zum einen attraktive Aufenthaltsräume schaffen, andererseits aber auch wichtig seien für einen modernen Stadtumbau.
Freitreppe am Humboldt Forum: Granit und Sandstein, Breite von 38 Metern am Uferrand
Stephan Machulik, Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz, verwies auf die Großzügigkeit der Freitreppe zur Spree hin – einer Konstruktion aus Granit und Sandstein – sowie auf eine Breite am oberen Rand von 27 Metern und am unteren Rand von 38 Metern.
Das Bauvorhaben befindet sich potenziell in bester Gesellschaft mit der auf der anderen Spreeseite befindlichen Bauakademie, bei der man ebenfalls auf eine Fortführung des Projektes hofft, und der Einheitswippe, die über der Freitreppe eine gute Ergänzung beim Abschluss der westlichen Spreeinsel bilden soll – wenn sie denn irgendwann weitergebaut wird.
Die Kosten für das Freitreppen-Projekt an der Schlossfreiheit liegen bei knapp 7 Millionen Euro
Mit diesem Vorhaben soll Historisches bewahrt und gleichzeitig ein moderner Hotspot in der Mitte Berlins geschaffen werden. Mit insgesamt 6,9 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten – Berlin beteiligt sich mit 3,1 Millionen Euro – geht man von einer hoffentlich konfliktfreien Bauphase aus, die in zwei bis drei Monaten starten soll.
Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Facility Management Mitte, Ephraim Gothe, betonte nochmals, dass dieses Vorhaben ein Marathon war und ist, wie so viele Bauvorhaben in Berlin. Die Planungen begannen im Jahr 2019, nach pünktlichem Baustart in diesem Jahr soll das Vorhaben dann bis zum Sommer 2027 fertiggestellt sein.
Berlin eifert Paris nach – Freunde des Flussbades waren bei der Grundsteinlegung zugegen
Das Architekturbüro bbz Landschaftsarchitekten steht in den Startlöchern, und Gothe wies ausdrücklich auf die schöne Idee hin, ein Flussbad an der Freitreppe zu integrieren – das erste Flussbad Berlins – und nannte das Beispiel Paris, wo drei Flussbäder an der Seine vorhanden seien
Die Freunde des Flussbades waren dann auch zur Stelle und unterstützten mit ihrem Engagement die umstrittene und viel diskutierte Idee. Olaf Joachim äußerte sich zum Projekt in seiner Laudatio wie folgt: „Mit der Freitreppe zur Spree in Berlin-Mitte können Berlinerinnen und Berliner und die vielen Gäste der Stadt sehr konkret erleben, was die Förderung des Städtebaus in Deutschland bewirkt: attraktive und belebte Orte, eine zukunftsgerichtete Entwicklung unserer Städte und wichtige Impulse gegen den Klimawandel. Nachhaltige Stadtplanung schafft lebendige Innenstädte, die nicht nur die Lebensqualität erhöhen, sondern auch ökologische Verantwortung übernehmen.“
Spreeufer in Berlin-Mitte: Bis zum Sommer 2027 soll die Freitreppe am Humboldt Forum fertiggestellt werden
Auch Stephan Machulik freute sich über die Aufwertung des Uferraums am Humboldt Forum: „Zukünftig wird eine innerstädtische Wasserfläche mit viele Aufenthaltsqualität erlebbar. Außerdem werden die Freiflächen am Humboldt Forum qualifiziert, so dass Berlins historische Mitte um eine Attraktion reicher wird.“ Man kann dem Projekt nur wünschen, dass die komplexen Umstände des benachbarten „Einheitswippe“-Projekts nicht ansteckend sind.
Wie die ambitionierte Idee einer Freitreppe an diesem historisch so bedeutsamen Ort aussehen kann, wird man, wenn alles gut geht, in etwa zwei Jahren erleben können. Für die Berlinerinnen und Berliner sowie ihre Gäste gäbe es damit eine weitere Attraktion, die vor allem in den warmen Monaten des Jahres sicher intensiv genutzt wird.

So soll die Freitreppe auf der Westseite des Humboldt Forums ab Juli 2027 aussehen – in wenigen Monaten soll der Bau nun beginnen. / © Visualisierung: bbz Landschaftsarchitekten, Sora Images

Die Befürworter des Flussbad-Projekts zeigten Flagge und positionierten sich bereitwillig für ein Foto. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Stephan Machulik, Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz, begrüßt das Projekt: „Besonders angesichts des Klimawandels ist die Schaffung von attraktiven Außenflächen im Innenstadtbereich von großer Bedeutung.“ / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Grün Berlin GmbH, B.Z., Berliner Morgenpost, bbz Landschaftsarchitekten, Sora Images, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
9 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Die Spreeinsel ist kein Ort, an dem Freude aufkommt: ein nur halbherzig wiederaufgebauter Dom, ein extrem vermurkster Wiederaufbau des Schlosses, eine blöde Einheitswippe am Schloss, dazu eine komplett ahistorische Gestaltung des direkten Schlossumfeldes (ohne Neptunbrunnen, Oranierfiguren, etc…). Berlin ist einfach nicht genießbar in ästhetischer Hinsicht. Die gewachsene, bauliche Identität des historischen Zentrums der Hauptstadt ist unansehlich verstümmelt. Eine Schande für die ganze Republik!
Eine Freitreppe an diesem Ort kann da auch keinen weiteren Schaden mehr anrichten… Wem das Unvermögen und die Unwilligkeit zur authentischen Restauration der historischen Berliner Mitte aufs Gemüt schlägt (im Hinterkopf und als Vergleich der gelungene und authentische Wiederaufbau des historischen Zentrums von Warschau) der kann sich an der Freitreppe niederlassen und dem Wasser beim Fließen zuschauen.. Das passt zur hässlich-banalen Realität der historischen Spreeinsel… die nur in meditativer Versenkung zu ertragen ist.
„Die gewachsene, bauliche Identität des historischen Zentrums der Hauptstadt ist unansehlich verstümmelt.“
Aha. Die „gewachsene …Identität“ besteht also darin, den verlorenen, kriegszerstörten Zustand von 1918 originalgetreu wieder herzustellen? Seltsame Vorstellung von Geschichte zurückdrehen…
Was soll daran seltsam sein, den historisch gewachsenen Vorkriegszustand im historischen Zentrum der Hauptstadt orginalgetreu wiederherzustellen? Es ist vielleicht nicht zwingend, das zu tun. Aber man kann das tun, wenn man möchte. Man kann selbstverständlich auch anderes tun. Ganz, wie die Gesellschaft und die Öffentlichkeit es möchte.. Möchte man die Geschichte einer Stadt, seine darauf basierende Identität in seinen wichtigen und wichtigsten Bauten sichtbar erhalten bzw da, wo sie aufgrund von Gewaltherrschaft und Krieg zerstört wurden, wieder herstellen (historisch korrekt)? Oder möchte man die historisch gewachsene bauliche Identität Berlins zum großen Teil zerstört belassen, durch hässlichliche Neubauten weiter zerstören und nur ausnahmsweise und stümperhaft hier und da und möglichst zusammenhanglos rekonstruieren? Ich plädiere für die erste Variante. Und ich verweise auf Warschau, wo dieser Weg am konsequentesten gegangen wurde. Das sehr erfreuliche Ergebnis kann sich jeder anschauen. Und man kann in fast jede x beliebige deutsche Großstadt gehen, wo größtenteils der gegenteilige Weg beschritten wurde… Im historischen Zentrum Warschaus: auch für Ortsfremde eine klar erkennbare, lange und lebendige Historie und Identität der Hauptstadt des Landes. In Berlin: nichts davon. Im Zentrum nur gebaute Erziehungspädagogik und Identitätsklitterei, die abstößt. Städtebauliches und identätspolitisches Frankenstein. Wer das mag: bitteschön. Ich mags nicht. Und meiner Meinung nach hat diese gebaute Unstimmigkeit und Banalität und Hässlichkeit im Zentrum Berlins nichts mit Geschichte oder natürlich gewachsenener Geschichte zu tun, die man halt schicksalsergeben akzeptieren muß… sondern mit dem genauen Gegenteil: das bewusste Vergessenwollen unserer Geschichte und Identität (sofern beides die Zeit vor dem letzten Krieg bzw vor 1933 betrifft). Ist das nicht ein geistiges Armutszeugnis für unser Land und unsere Gesellschaft? Ich finde schon. Und ich finde, dass sich diese geistige Armut (in Form von Geschichts- und Identitätsvergessenheit) in vielen deutschen Städten baulich spiegelt. Auch im Zentrum Berlins. Geist und Schönheit sucht man da vergebens. Man findet nur hässliche, gebaute Umerziehungsabsicht und Umerziehungspädagogik. Und
geschichtsvergessene bauliche Banalität. Seltsame Vorstellung von geschichtlichem (oder gar geistigem) Fortschritt…sehr geehrter Herr Ewald Karl!
Hallo M. Hillen,
vielleicht verstehe ich Sie ja falsch – aber der Satz „das bewusste Vergessenwollen unserer Geschichte und Identität (sofern beides die Zeit vor dem letzten Krieg bzw vor 1933 betrifft“ klingt für mich wieder einmal nach einer Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Zumal es einfach Unfug ist: Würde man, wie es bei Ihnen anklingt, den Zustand von 1914 wieder aufbauen, würde ja genau das geschehen – Nationalsozialismus und Krieg hätten keine Spuren hinterlassen.
Wären Sie denn eigentlich dafür, den Vorkriegszustand der Berliner Altstadt detailliert zu rekonstruieren? Also mit Wiederaufbau des Salamanderhauses und des C&A-Gebäudes und diverser Gründerzeit-Durchschnittsbauten in der Altstadt? Möchten Sie gerne die heutige Karl-Liebknechstraße und den Molkenmarkt im Zustand vor der gewaltigen Zerstörung durch die Nazi-Stadtplanung mit zahlreichen Gebäudeabrissen? Sollte das infame „Neue Stadthaus“ wieder durch die Vorgängerbebauung ersetzt werden? Mir scheint, Ihnen schwebt da eher ein fiktives Bild einer Altstadt vor, welches Sie gerne in Berlin realisiert sähen. Das wäre gewiss gemütlich – aber dann doch historisch gesehen totale Geschichtsklitterung.
Übrigens will Sie niemand durch Ihre tautologische „Erziehungspädagogik“ oder „Umerziehungsabsicht und Umerziehungspädagogik“ verändern. Interessant, dass es heute für gewisse Teile der Bevölkerung einfach gangbar ist, sich solche „Gegner“ herbeizuhalluzinieren“.
..Geschichte einer Stadt, ihre darauf basierende Identität in ihren wichtigen.. usw (Korrektur)
Na viel Spaß beim Baden mit gesunkenem Wasserspiegel. Wenn der vorgelagerte Spreewald der Hauptstadt das Wasser entzieht/drosselt wegen Eigenbedarfs, dann ist wohl nix mehr mit städtischer Lebensqualität.
Und die „ökologische Verantwortung“ hinter einer geschlossenen Steinfläche im Gegensatz zu einer Wiese erschließt sich mir nicht.
In Treptow Köpenick wurden die Flussbäder geschlossen, weil die Spree eine Bundeswasserstraße ist.
Was also soll der Irrsinn für 7 Millionen Euro dort.
Das Geld wird an anderer Stelle dringender gebraucht …die Liste ist endlos.
An Ewald Karl:
Richtig erkannt, im Gegensatz zu Ihnen lege ich keinen Wert darauf, Spuren der Naziherrschaft, Spuren des Krieges und Spuren der kommunistischen Herrschaft im historischen Zentrum (!) Berlins sichtbar zu erhalten. Wozu sollte man der braunen und der roten Gewaltherrschaft und dem von der braunen Gewaltherrschaft verursachten Krieg diese Ehre erweisen? In meinen Augen ist dieses Bedürfnis geradezu pathologisch!
Dass Gewaltregieme und Krieg Mist sind, dass kann man auch schon durch den gesunden Menschenverstand begreifen.. Dazu brauch ich kein durch Naziherrschaft, Krieg, Kommunismus (und ahistorischen Städtebau der Nachwendezeit) restlos verunstaltetes Berliner Stadtzentrum als vermeintliches Lehr- und Anschauungsmaterial. Ihre ganze Argumentation von der Gefahr der Relativierung der Naziverbrechen (durch historisch korrekten Wiederaufbau der Berliner Stadtmitte) ist einfach nur kranker Stuss. Weit verbreiteter linker, kranker Stuss, der leider von vielen Menschen in unserem Land unreflektiert – ohne Hirn und Verstand- übernommen wird…
Und natürlich: Eine Republik, die eine Einheitswippe auf dem Ort des historischen Kaiserdenkmals setzt ( ohne, dass das Volk danach verlangt hätte) ist identitätspädagogisch unterwegs… ähnlich wie die SED, als sie das Schloss wegsprengte ( das vergleichsweise leicht hätte gerettet werden können), und an gleicher Stelle den Palast der Republik errichtete. Sehr unsouverän.
Und für eine Republik geradezu ekelhaft. Andere Republiken gehen anders mit ihrem vorrepublikanischem Erbe um. Ohne pädagogischen Eifer gegen das eigene Volk… (das in Teilen anscheinend auch noch dumm genug ist, um das überhaupt zu bemerken.. da trägt jahrzehntelange Pädagogik gegen das eigene Volk also schon Früchte.. sieh an).
Korrektur:
Andere Republiken gehen anders mit ihrem vorrepublikanischem Erbe um. Respektvoller. Souveräner. Ohne diesen BRD typischen pädagogischen Eifer gegen die komplexe Geschichte und Identität des eigenen Volkes…( das in Teilen anscheinend auch noch zu dumm ist, um das überhaupt zu bemerken.. Da trägt jahrzehntelange Pädagogik gegen das eigene Volk also schon Früchte.. Sieh an).