Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 begann in Ost-Berlin und erfasste innerhalb weniger Stunden die gesamte DDR. Die neue Folge der Doku-Reihe „Orte Ost“ blickt auf die Ereignisse in Gommern und zeigt, wie tief die Protestbewegung auch in der Provinz verwurzelt war. Ab sofort ist die neue Folge, produziert vom DDR Museum, auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT zu sehen.
© Foto Titelbild: DDR Museum
Die Doku-Reihe „Orte Ost“ des DDR Museums widmet sich in ihrer neuesten Folge einem der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte: dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953.
Im Mittelpunkt der aktuellen Episode steht die Stadt Gommern in Sachsen-Anhalt. Anhand lokaler Erinnerungen, historischer Schauplätze und persönlicher Schicksale zeigt die Dokumentation, wie sich die Protestbewegung damals weit über Ost-Berlin hinaus ausbreitete und zahlreiche Städte und Gemeinden der DDR erfasste.
Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erschütterte die DDR
Auslöser der Ereignisse waren zunächst Proteste von Bauarbeitern in Ost-Berlin gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen. Innerhalb weniger Stunden entwickelte sich daraus jedoch eine landesweite Protestbewegung.
Hunderttausende Menschen gingen in der DDR auf die Straße. Sie forderten bessere Lebensbedingungen, politische Reformen, freie Wahlen und ein Ende der staatlichen Repression. Die Proteste erreichten mehr als 700 Städte und Gemeinden. Damit wurde der 17. Juni 1953 zum größten Aufstand in der Geschichte der DDR, an dem laut Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk mehr als eine Million Menschen teilnahmen.
Sachsen-Anhalt gehörte zu den Zentren der Protestbewegung
Besonders stark waren die Demonstrationen auch in Sachsen-Anhalt. In zahlreichen Städten legten Beschäftigte die Arbeit nieder, versammelten sich auf öffentlichen Plätzen und formulierten politische Forderungen.
Auch in Gommern machten sich die Auswirkungen des Volksaufstandes bemerkbar. Viele Beteiligte berichteten später, dass ihnen die historische Tragweite der Ereignisse zunächst nicht bewusst gewesen sei. Die neue Folge von „Orte Ost“ greift diese Erinnerungen auf und zeigt, wie sich die Proteste auch in kleineren Städten und Gemeinden entwickelten. Kowalczuk besuchte den Ort für die Dreharbeiten persönlich und erläutert die mitunter komplexen Zusammenhänge des Aufstands.
Werner Mangelsdorf wurde zur Symbolfigur des Aufstands in Gommern
Eine zentrale Rolle in der Dokumentation spielt Werner Mangelsdorf. Der Schlosser aus dem Geologischen Ausrüstungswerk gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des Volksaufstands in Gommern.
Am 17. Juni 1953 beteiligte er sich an den Protesten und führte gemeinsam mit anderen Demonstranten einen Zug zur Haftanstalt in Gommern an. Das Gefängnis, im Volksmund als „Zwiebelturm“ bekannt, wurde gestürmt und die dort Inhaftierten wurden befreit.
Mangelsdorf wurde dadurch zu einer Symbolfigur des Aufstands. Sein weiteres Schicksal verdeutlicht zugleich die Härte, mit der die DDR-Führung gegen die Beteiligten vorging.
Verfolgung und Schauprozess nach dem 17. Juni
Nach der Niederschlagung des Volksaufstands geriet Werner Mangelsdorf ins Visier der Sicherheitsbehörden. In einem späteren Prozess wurde er als angeblicher Hauptverantwortlicher der Ereignisse dargestellt.
Das Oberste Gericht der DDR verurteilte ihn zu einer langjährigen Zuchthausstrafe. Die SED-Führung versuchte damit, die Proteste als von westlichen Kräften gesteuerten Umsturzversuch darzustellen und die eigentlichen Ursachen des Aufstands zu verschleiern.
Besonders bemerkenswert ist dabei die widersprüchliche Biografie Mangelsdorfs. Zeitweise hatte er selbst Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit, bevor er schließlich zu einem der bekanntesten Verurteilten des 17. Juni wurde.
Ost-Berlin wurde zum Zentrum des Volksaufstands
Das politische Zentrum des Aufstands lag allerdings von Beginn an in Ost-Berlin. Auf der damaligen Stalinallee versammelten sich am 17. Juni Zehntausende Menschen. Aus wirtschaftlichen Forderungen wurden zunehmend politische Proteste gegen die SED-Führung. Zeitweise verlor die Regierung die Kontrolle über die Situation.
Erst durch den Einsatz sowjetischer Panzer und die Verhängung des Ausnahmezustands wurde der Aufstand gewaltsam niedergeschlagen. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verhaftet.
Der 17. Juni 1953 prägte die Geschichte Berlins nachhaltig
Für Berlin hatte der Volksaufstand eine besondere Bedeutung. Er machte deutlich, wie groß die Unzufriedenheit vieler Menschen mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der DDR bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung war.
Ost-Berlin wurde zum Schauplatz einer historischen Konfrontation zwischen Freiheitsbestrebungen der Bevölkerung und den Machtstrukturen des sozialistischen Staates. Die Bilder von Demonstranten und sowjetischen Panzern prägen die Erinnerung an den 17. Juni bis heute.
„Orte Ost“ macht Geschichte vor Ort erlebbar
Die Dokumentationsreihe „Orte Ost“, produziert vom Berliner DDR Museum, verfolgt das Ziel, historische Ereignisse über konkrete Orte und persönliche Geschichten erfahrbar zu machen.
Die neue Folge über Gommern zeigt eindrucksvoll, dass der Volksaufstand nicht allein ein Berliner Ereignis war. Vielmehr handelte es sich um eine Bewegung, die weite Teile der DDR erfasste und Menschen in Städten und Gemeinden gleichermaßen bewegte.
Mit historischen Aufnahmen, Zeitzeugenberichten und lokalen Erinnerungsorten erinnert die mittlerweile neunte Folge der Reihe „Orte Ost“ an einen Tag, der die Geschichte der DDR nachhaltig veränderte, und dessen Bedeutung bis heute nachwirkt.
Quellen: DDR Museum, Verein für die Geschichte Berlins e.V., Industriesalon Schöneweide, Deutsches Architektur Forum, berlin.de, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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2 Kommentare
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An alle,
Schöne gruesse und alles gute aus gommern in sachsen anhalt an alle Autor innen und an alle mitschreiben innen ihrer Webseite
Ich habe in der letzten Zeit diverse Berichte und diverse Schilderungen über die Ereignisse beim Volksaufstand in der ehemaligen ddr am 17 06 1953 nicht nur im gomneraner Stadtgebiet gelesen
Bei 1 Besuch der Ausstellung im gommeraner Rathaus 3 (Pass und meldestelle) und in der ehemaligen gommeraner Poliklinik bzw im aktuellen gommeraner ärztehaus hatte ich 1 Unterhaltung mit 1 mehr als 90 Jahre alten Frau, die im Jahre 1953 als Krankenschwester im gommeraner Gefängnis bzw in dessen krankenstation gearbeitet hatte angeblich
Sie berichtete dabei auch mit Tränen in den Augen von diesem Tage in der wasserburg gommern laut ihren Schilderungen gab es wohl 1 sehr lauten knall, der vom zerstörten burgtor herrührt, dass dann damals teilweise noch in den angeln in der burgmauer links und rechts herumhing die weiteren Überreste lagen wohl weit verteilt über dem Burghof verbreitet herum alle in der wasserburg gommern anwesenden, die laufen konnten, sind da wohl im Burghof versammelt danach
Angeblich ist das burgtor der wasserburg gommern an diesem tag zerbrochen, weil sich die Protestant innen angeblich 1 panzer besorgt hatten aus unbekannter Quelle und dann rückwärts gegen das burgtor gefahren sein sollen und so dieses zerstört hatten und so den Startpunkt der Befreiung der Häftlinge in der gommeraner wasserburg gegeben an diesem historischen Tag in der ddr
Nun würde mich einmal interessieren, ob diese Behauptung überhaupt so stimmt mit dem panzer und dem burgtor
Ich würde mich sehr über 1 Antwort ihrerseits freuen
M f g Heiko brueggemann aus gommern
Vielen Dank, Herr Brueggemann, für Ihren Kommentar und die interessante persönliche Überlieferung aus Gommern.
Die Schilderung der ehemaligen Krankenschwester ist ein eindrucksvolles Zeitzeugnis. Tatsächlich könnte es gut sein, dass das Burgtor bei den Ereignissen des 17. Juni 1953 beschädigt oder zerstört wurde. Ob dies jedoch tatsächlich durch einen Panzer geschah, können wir leider nicht bestätigen. Uns liegen dazu keine gesicherten Informationen oder Quellen vor.
Falls Sie weitere Informationen zu den Ereignissen des Volksaufstands suchen, empfehlen wir das Buch „17. Juni 1953“ von Ilko-Sascha Kowalczuk. Darin werden die Hintergründe und Abläufe des Aufstands dargestellt und viele regionale Ereignisse eingeordnet.
Vielen Dank nochmals für das Teilen dieser bewegenden Erinnerung aus Gommern!