Im Rahmen eines internationalen Studienprogramms haben Architekturstudierende vier unterschiedliche Konzepte für ein mögliches EXPO-Gelände auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entwickelt. Die Entwürfe zeigen, wie sich eine Weltausstellung mit der langfristigen Entwicklung eines neuen Stadtquartiers verbinden ließe.
© Darstellungen: aac Academy for Architctural Culture
Im Zuge der Berliner Bewerbung für die EXPO 2035 rückt auch das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel erneut in den Fokus städtebaulicher Visionen. Neben der Konzeptstudie des Architekturbüros gmp entstanden im Rahmen eines internationalen Studienprogramms der aac – Academy for Architectural Culture weitere Entwürfe.
Architekturstudierende entwickelten dabei eigene Ideen für ein mögliches EXPO-Gelände. Vier dieser Konzepte zeigen unterschiedliche Ansätze, wie sich das Areal temporär bespielen und langfristig weiterentwickeln ließe.
Gruppe 1: Organischer Grünzug und modulares Pavillonkonzept:
Der Entwurf der Studierenden sieht eine klare und zugleich flexible Erschließung des Geländes vor. Zentraler Zugangspunkt wäre ein neues „Access Center“, dessen sechseckige Form an das charakteristische Terminalgebäude des Flughafens Tegel anknüpft.
Von dort gelangen Besucherinnen und Besucher über einen organisch geführten Grünzug zu den einzelnen Pavillons. Entlang dieses Weges entsteht eine kleinteilige Bebauung mit niedrigen Gebäuden. Während der EXPO dienen sie als Ausstellungspavillons, später könnten sie aufgestockt und zu einem Stadtquartier weiterentwickelt werden.
Ergänzend planen die Studierenden eine umlaufende Erschließungsstraße für die Versorgung der Pavillons. Zwischen den Gebäuden vorgesehene temporäre Bauten könnten nach der EXPO zurückgebaut werden und Platz für Schulen, Nahversorgung oder andere städtische Nutzungen schaffen. Der Grünzug würde anschließend als Park erhalten bleiben.

Visualisierung des „Access Center“. Das sechseckige Gebäude bildet den zentralen Zugang zum EXPO-Gelände und orientiert sich formal an der Geometrie des Tegeler Terminalbaus. Vorgesehen ist eine Anbindung an die Berliner Innenstadt über die U-Bahn sowie einen Shuttle-Service. / © aac Academy for Architctural Culture
Gruppe 2: Bahntrasse und Wasserachse strukturieren das EXPO-Gelände
Der Entwurf der zweiten Gruppe stellt die verkehrliche Erschließung des Geländes in den Mittelpunkt. Vorgesehen ist eine oberirdisch verlaufende Bahntrasse, die sich von der S-Bahnstation Jungfernheide über das EXPO-Gelände bis zur U-Bahnstation Scharnweberstraße zieht.
Auf dem Areal könnten zusätzliche Stationen entstehen und so eine direkte Anbindung der Ausstellung ermöglichen. Städtebaulich organisiert sich das Gelände entlang einer zentralen Mittelachse mit einem mittigen Knick, die einem Gewässer folgt und als öffentlicher Raum gestaltet wird.
Entlang dieser Achse schlagen die Studierenden mehrgeschossige, massive Pavillonbauten vor, die bereits während der EXPO die Struktur eines späteren städtischen Quartiers vorwegnehmen.

Visualisierung nach der Expo 2035 und während der Ausstellung: Entlang einer zentralen Achse am Wasser entstehen mehrgeschossige Pavillonbauten, die bereits während der EXPO die Struktur eines späteren Stadtquartiers vorwegnehmen. / © aac Academy for Architectural Culture
Gruppe 3: Pavillons entstehen entlang eines dreieckigen Wegenetzes
Der Entwurf der dritten Gruppe organisiert das EXPO-Gelände über mehrere markante Erschließungsachsen, die zusammen die Form überdimensionierter Dreiecke bilden. Diese verbinden das Terminalgebäude des ehemaligen Flughafens mit einem neuen Aussichtsturm am Rand des Areals.
Entlang dieser Achsen entstehen die Ausstellungspavillons, die städtebaulich als Reihen und Blöcke angeordnet sind. Während der EXPO sind zunächst niedrige, flache Gebäude vorgesehen. Nach der Ausstellung könnten diese Strukturen aufgestockt und zu einem dauerhaften Stadtquartier weiterentwickelt werden. Ergänzend planen die Studierenden einen großzügigen Grünzug, der später als Park das neue Quartier durchzieht.

Axonometrie des dritten Studierendenentwurfs: Das modulare System ermöglicht eine spätere Aufstockung und Weiterentwicklung zu einem dauerhaften Stadtquartier mit Grünräumen. / © aac Academy for Architectural Culture
Gruppe 4: Radiale Erschließung vom zentralen Baukörper
Der Entwurf der vierten Gruppe basiert auf einem klar strukturierten Zentrum. Im Mittelpunkt des Geländes steht ein großes zentrales Gebäude, von dem mehrere Erschließungsachsen in unterschiedliche Richtungen ausstrahlen.
Sie verbinden das EXPO-Gelände unter anderem mit dem Flughafenterminal, dem Bezirk Reinickendorf und dem Bereich Jungfernheide. Quer dazu spannt sich eine breite Hauptachse auf, entlang derer die Ausstellungspavillons organisiert sind. Am Rand des Areals planen die Studierenden einen breiten Grünstreifen mit einzelnen Parkflächen und einer zentralen Allee. Insgesamt folgt der Entwurf einer stark gegliederten, rhythmischen Struktur.

Erschließung des EXPO-Geländes. Mehrere Achsen führen von einem zentralen Baukörper in der Mitte des Areals. / © aac Academy for Architectural Culture
Die Entwürfe der Studierenden zeigen, wie unterschiedlich sich das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel denken lässt; als Parklandschaft, als verkehrlich vernetztes Quartier oder als klar strukturierter Stadtraum.
Auch wenn es sich um akademische Studien handelt, verdeutlichen sie das große städtebauliche Potenzial des Areals. Zugleich machen sie sichtbar, wie eine mögliche EXPO 2035 als Impuls für langfristige Entwicklungen dienen könnte – und wie temporäre Ausstellungsarchitektur in dauerhafte urbane Strukturen übergehen kann.
Quellen: EXPO 2035 Berlin GmbH, gmp Architekten, Global Goals Berlin, aac – Academy for Architectural Culture
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4 Kommentare
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Sehr schön, das die Studenten die Nachnutzung, Anbindung mit ÖPNV und umfassende Grünflächen mit betrachten. Egal, ob die Expo kommt und wo sie dann landet.
Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld??? Berlin braucht die Expo nicht – und schon gar nicht Olympia! Berlin ist pleite hoch drei, die Behörden sind mit allem, ausnahmslos allem überfordert. Berlin ist eine Dauerbaustelle – in jeder Hinsicht, konkret wie abstrakt. Da braucht die Stadt nicht noch ein Projekt, dass die Baubehörden massiv überlastet, massiv überfordert. Und bisher haben überall Expo und Olympia ein Vermögen gekostet. Die Kosten lagen immer weit über den Einnahmen.
Werte Politiker, konzentriert Euch lieber darauf, diese Stadt endlich funktionabel zu machen – und setzt das in eine Expo versenkte Geld stattdessen in ICC und ZLB!
Richtig. Jeder, der die Berliner Zustände kennt und zurechnungsfähig und bei Verstand ist, muss zum selben Schluss kommen wie Böhme.
Abgesehen davon fragt man sich schon, wie eine Stadt, die völlig pleite ist und erkennbar mit dem Meistern der normalen Alltagsaufgaben heillos überfordert ist und kaum noch irgendwas Städtebauliches zufriedenstellend auf die Reihe bekommt, wie solch eine Stadt überhaupt auf die Idee kommt, eine Expo oder Olympia ausrichten zu sollen und zu können?!
Die Selbstwahrnehmung Berlins ist schon ziemlich erstaunlich: total realitätsfremd, wahnwitzig, ja schlichtweg krank! Nichts haben, nichts können und trotzdem viel wollen- irre!
Wäre Berlin ein Mensch, dieser wäre schon längst in eine Heilanstalt eingeliefert worden. Heilungsaussichten: fraglich, weil keine realistische Selbsteinschätzung -keine Einsicht- vorhanden ist.
Berlin ist die Stadt der Realitätsverweigerung, der Traumtänzerei. Ehrlich gesagt ist Berlin in meinen Augen nur noch peinlich.
Eine realistische Selbsteinschätzung, die am Anfang einer erfolgsträchtigen Entwicklung stehen müsste, die sehe ich in Berlin bedauerlicherweise nicht. Es wird weiter gnadenlos gewurschtelt und unbeirrt gestümpert und trotzdem auf allerhöchstem Niveau Traumtänzerei betrieben.. Das ist Berlin!
Politiker werden, wenn sie zwischen einem kommunalen Langweilerprojekt oder einem markanten Großereignis entscheiden müssen, immer auf Letzteres setzen. Das ist mindestens seit dem imperialen Rom so, wenn nicht schon lange davor. Denn nur so geht’s ins Geschichtsbuch. Das ist so banal wie menschlich und wird keiner ändern.
Da Berlin die Spiele schon mal nicht bekommt, weil HH ganz locker das Rennen machen wird (wenn es sich bewerben sollte), bleibt nur noch die EXPO. Und zu diesem Thema hat Herr Wegner Schönefeld zu seinem Favoriten erkoren, weil er wahrscheinlich kalkuliert, dass Potsdam, wenn es denn anbeißt, die Hälfte für ihn abdrückt (also wir Brandenburger)… Na ja, und seinen Part kommt ohnehin über den Länderfinanzausgleich von den Bayern und von den Schwaben.
Wenn man es dann also lieber geschehen läßt, als sich nutzlos zu wehren, wäre Tempelhof die schönere Vision, da dort noch eine ganz große Kuh regungslos auf dem Eis steht, die man nur durch so ein Ereignis vom selbigen bekommen würde…Nur…Tempelhof fällt wohl des gigantischen Planungsaufwandes wegen realistischerweise aus. (Ich muß gestehen, ich bin Fan vom Langhof-Vorschlag. Aber… das wird leider nicht passieren.) Also bleibt nur noch Tegel und das wird Berlin jenseits des Regierenden BM und seiner Truppe innerhalb der altbekannten Muster und Protestfolklore zu zerreden und zu verhindern wissen……Dit is nich jut! Leider.