Ein neuer Trassenvorschlag zwischen Urban Tech Republic und Bahnhof Spandau belebt die Berliner Diskussion um die Magnetschwebebahn neu. Erstmals geht es dabei um eine Verbindung, die Stadtentwicklung, Wohnen und Wirtschaft gleichermaßen adressiert.

Genehmigung Magnetschwebebahn Deutschland

Stefan Dernbach, Präsident des Eisenbahn-Bundesamts, überreichte Stefan Bögl im Dezember 2025 die Betriebsgenehmigung für den Betrieb öffentlicher Magnetschwebebahnstrecken (v. l. n. r.). Damit ist die TSB Betriebs GmbH das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa mit einer behördlichen Zulassung für den Betrieb kommerzieller Magnetbahnstrecken. / © Foto: Firmengruppe Max Bögl

© Visualisierung Titelbild: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

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Während BVG-Vorstandschef Henrik Falk derzeit gebetsmühlenartig wiederholt, dass die BVG auf Stabilisation statt Expansion setzen solle, rückt eine langfristige verkehrspolitische Debatte wieder in den Fokus: der mögliche Einsatz einer Magnetschwebebahn in Berlin.

Ausgelöst wird die neue Dynamik durch einen Vorstoß aus Spandau, wie kürzlich die Berliner Zeitung berichtete. Der dortige Bezirksstadtrat Thorsten Schatz (CDU) bringt demnach eine bislang nicht öffentlich diskutierte Streckenführung ins Spiel: von der Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen Tegel bis zum Bahnhof Spandau.

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Von Tegel nach Spandau mit der Magnetbahn?

Die vorgeschlagene Verbindung würde mehrere bislang nur unzureichend verknüpfte Räume im Nordwesten der Stadt miteinander verbinden. Neben dem künftigen Forschungs- und Wirtschaftsstandort Urban Tech Republic betrifft dies auch wachsende Wohnquartiere in Hakenfelde und der Spandauer Neustadt sowie das Zentrum Spandaus mit seinem wichtigen Regional- und Fernbahnhof. Ziel sei es laut Schatz, bestehende Pendlerströme besser aufzunehmen und neue Entwicklungsgebiete frühzeitig leistungsfähig anzubinden.

Nach Darstellung des Bezirksstadtrats stößt der klassische Ausbau des Verkehrsraums in Spandau zunehmend an physische Grenzen. Straßenräume seien vielerorts vollständig ausgelastet, zusätzliche Bus- oder Autospuren kaum realisierbar.

Spandauer CDU: Magnetbahn könnte Engpässe im Spandauer ÖPNV beheben

Eine Magnetschwebebahn, die aufgeständert über dem Straßenraum verlaufe, könne diesen Engpass umgehen. Sie nutze die Höhe, sei leise, lokal emissionsfrei und schaffe zusätzliche Kapazitäten, ohne den bestehenden Verkehr weiter zu verdrängen. Gerade für wachsende Quartiere könne dies eine sinnvolle Ergänzung des Umweltverbunds darstellen.

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Bemerkenswert ist, dass der Vorschlag offenbar nicht nur auf Bezirksebene diskutiert wird. Ein interner Beschlussentwurf für die Senatskommission Wohnungsbau sieht vor, die Machbarkeit einer solchen Verbindung untersuchen zu lassen.

Vorgesehen ist demnach eine entsprechende Studie, die technische, räumliche und verkehrliche Aspekte einer Magnetschwebebahn zwischen Tegel und Spandau prüfen soll. Damit erhält die Idee erstmals eine konkrete Verwaltungsperspektive.

Baukonzern Max Bögl schlug bereits 2016 eine Magnetbahn für den Flughafen BER vor

Die Diskussion knüpft an ältere Überlegungen an, geht in ihrer Streckenführung jedoch deutlich darüber hinaus. Bereits 2016 hatte der Baukonzern Max Bögl vorgeschlagen, den Flughafen BER per Magnetschwebebahn an den U-Bahnhof Rudow anzubinden. Auch innerhalb der Berliner CDU wurde das Thema mehrfach aufgegriffen.

Die heutige Verkehrssenatorin Ute Bonde hatte sich bereits 2023 offen für einen Testbetrieb in Berlin gezeigt und betont, dass neue Verkehrstechnologien zumindest ergebnisoffen geprüft werden sollten, wurde dafür jedoch von vielen Seiten hart kritisiert.

Für ihren Magnetbahn-Vorstoß wurde Ute Bonde von vielen Seiten scharf kritisiert

Vertreter von Fahrgastverbänden verweisen seit Jahren auf lange Planungszeiten, fehlende Integration in das bestehende ÖPNV-System und mögliche Akzeptanzprobleme im Umfeld der Trassen. Zudem wird argumentiert, dass eine Magnetschwebebahn keine kurzfristige Antwort auf die akuten Probleme des Berliner Nahverkehrs darstelle.

Ein wichtiger Unterschied zur früheren Debatte liegt mittlerweile jedoch in den technischen Rahmenbedingungen. Erst Ende 2025 wurde für moderne Magnetschwebebahnsysteme eine neue Betriebsgenehmigung erteilt; eine zentrale Voraussetzung für konkrete Planungen in Deutschland. Damit ist die Technologie regulatorisch deutlich weiter als noch vor einigen Jahren.

Ob die neue Spandauer Trassenidee über eine Machbarkeitsstudie hinauskommt, ist bislang natürlich völlig offen. Klar ist jedoch: Mit der Verbindung zwischen Urban Tech Republic und Bahnhof Spandau liegt erstmals eine Variante auf dem Tisch, die gezielt Stadtentwicklung, Wirtschaftsstandorte und Wohnquartiere miteinander verknüpfen will und damit neue Impulse in eine lange Zeit festgefahrene Debatte bringt.

Magnetbahn

Eine aufgeständerte Magnetbahn könnte über dem bestehenden Verkehr neue Transportwege erschließen. / © Visualisierung: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

Übersicht Lageplan über das urban Tech Gelände in Tegel.

Neues Wissenschafts- und Gewerbezentrum im Berliner Norden: Die Urban Tech Republic soll auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel entstehen – und bekommt mit der Magnetbahn vielleicht ein innovatives Verkehrsmittel. / © Visualisierung: Tegel Projekt GmbH

 

Quellen: Berliner Verkehrsseiten, Berliner Zeitung, Firmengruppe Max Bögl, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, dpa, Tagesspiegel, rbb, magnetbahn.org, Wikipedia, Berliner Morgenpost, CDU Berlin, GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

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13 Kommentare

  1. Rhino 7. Februar 2026 at 12:07 - Reply

    Nichts gegen die Magnetbahn im Prinzip. Aber warum kommt die Politik immer mit den blödestmöglichen Streckenvorschlägen? Tegel-Spandau ist Randlage und kein Korridor für hohe Kapazitäten. Es wäre ja gut, wenn das neue Tegel-Gebiet angebunden wird, aber dann dorthin wo die Leute tatsächlich hinwollen. Sollen sie zuerst nach Spandau fahren und dann umsteigen Richtung Innenstadt?

  2. 41er 7. Februar 2026 at 15:14 - Reply

    CDU doing CDU things – nicht mehr Luftschlösser. Oder auch: wir bauen eine schöne neue Dachterrasse, während das Fundament zerbröckelt und der Fahrstuhl kaputt ist.
    Wir brauchen einen ÖPNV, der endlich wieder funktioniert, was ist da los mit U6 und U9 und U1/3/4? Warum priorisiert man die Baustellen nicht? Warum baut man keine Trams statt Bussen die dauernd im Stau stehen, zu spät kommen und immer zu voll sind?
    Manchmal denkt man sich echt, dass die Berliner Verkehrspolitik eine Satireshow unter Leitung von Frau Bonde ist.

  3. harry42 7. Februar 2026 at 15:37 - Reply

    Es gab mal eine Versuchsstrecke in Kreuzberg, bin zu Wendezeiten auch mal mit gefahren. Die Technik war ok, statt abzureissen hätte sie als Anbindung an den Flughafen dienen können, war aber politisch nicht gewollt. Nun wird erstmal mit einer Studie viel Geld verdient. Damals gab es allerdings auch keine Stromausfälle, schon deshalb wird es heutzutage nicht umsetzbar sein.

  4. Jürgen Kaczerowski 7. Februar 2026 at 15:38 - Reply

    Generell schlecht ist die Idee nicht, bleibt nur zu hoffen, dass es auch einen Umstieg am wieder eröffneten S-Bhf Gartenfeld gibt. Dann würde ein erneuter unnötiger Neubau der Station wegfallen, da die S-Bahn dort nicht mehr verlängert werden muss.
    Die Berliner Verkehrspolitik ist in der Tat heutzutage eine Satireshow…die vor allem durch schlechtes Timing glänzt: statt einzelne S-Bahnhöfe wie Kamenzer Damm, Borsigwalde und Charlottenburger Chaussee schnell in Betrieb zu nehmen, um weitere Umsteigepunkte zu schaffen in einem bestehenden Netzwerk, werden alle Projekte im Schneckentempo vorangetrieben.

  5. Andy P 7. Februar 2026 at 16:19 - Reply

    Eine Verbindung vom Kurt-Schumacher-Platz über TXL gen Gartenfeld und Hakenfelde wäre ideal, ginge aber bestimmt auch mit wohl billigeren Tramlinie. Das würde den X 33 entlasten und Platz hat der TXL ja genug…

  6. FrankyB52 7. Februar 2026 at 19:56 - Reply

    Dazu fällt mir nur folgendes Schema in Berlin ein, die typischen Phasen der parteipolitischen Auseinandersetzung mit konkreten Maßnahmen der Stadtentwicklung:
    1. Partikularinteressen in den Mittelpunkt stellen (wegfallende Parkplätze, Bäume, Lärm etc.)
    2. Daraus folgende Gruppen zur Verhinderung von Vorhaben werden direkt und indirekt unterstützt, z.T. sogar von Regierungsfraktionen (medial und parlamentarisch)
    3. Alternativen ohne Erfolgsaussichten (finanziell wie zeitlich) werden ins Spiel gebracht (z.B. Magnetschwebebahn, unterirdische Strecken, irgendwas mit Tempelhofer Feld etc.)
    4. Ende der Legislaturperiode
    5. Alles nochmal von vorn

    Eine perfekte aber perfide Strategie, um bedeutende Maßnahmen im Sinne der Stadt, aber auch möglichen Ärger mit einzelnen Wählergruppen verhindern zu können.

  7. Suppe 7. Februar 2026 at 21:18 - Reply

    Ah shit, here we go again.

  8. a.t. 8. Februar 2026 at 21:20 - Reply

    Die wieder zu aktivierende Siemensbahn könnte ich mir mit diesem System gut vorstellen. Und ja, von dort ist es dann auch nicht mehr weit zur UTR… Siemens-Campus und UTR mit dieser Bahn anzufahren, würde auch ein Signal für ein technologisch progressives Zukunftsverständnis sein, was man mit diesen beiden Standorten ohnehin schon transportieren möchte. Mit dieser Bahntechnologie wäre es eine Runde Sache….. Die Querverbindung nach Spandau setzt bei mir jetzt allerdings keine Phantasien frei..

    • a.t. 8. Februar 2026 at 21:25 - Reply

      Viel mehr Signal und Werbewirkung hätte so ein System natürlich, würde es irgendwie in der Alexgegend , Friedrichstraße, Zoo oder Potsdamer Platz auftauchen ….

  9. Thomas Steinmetz 8. Februar 2026 at 21:36 - Reply

    Magnetschwebebahnen besonders Transrapid werden seit Jahrzehnten als innovativ etc. beschworen, konnten sich aber nirgendwo durchsetzen. Auch dieser erneute Versuch wird fehlschlagen.

  10. Bartholomäus 12. Februar 2026 at 22:47 - Reply

    Hoffe, das Projekt klappt. Vorzeigewirkung garantiert.

  11. Anna 13. Februar 2026 at 09:59 - Reply

    Spandau, das Gartenfeldgelände mit dem ehem. TXL Gelände zu verbinden ist sinnvoll. Viel wurde und wird dort gebaut, der X33 ist überlastet und von TXL käme man ja dann auch schneller nach Reinickendorf. Was ich jedoch rückschrittlich finde, ist die Vorstellung einer Magnetschwebebahn, die – wenn sie so gestützt werden muss, wie auf den Skizzen zu sehen ist – keinerlei Mehrwert schafft für die Umgebung durch die sie hindurchführen sollte. So könnte man keine Radwege unter ihr verlaufen lassen oder Märkte abhalten. Noch nicht einmal die heißgeliebten und ja, derzeitig auch benötigten, Parkräume für die PKWs und andere Kraftfahrzeuge würden dadurch geschaffen werden. Stattdessen würde ein „Breitenbachplatzdisaster“ zu befürchten sein – architektonisch gesehen. Außerdem wollte Berlin doch inklusiver werden, was bedeuten würde, dass man alle Zugänge zur Magnetschwebebahn mit Aufzügen ausstatten müsste. Unsere Aufzüge im ÖPNV sind meist stark frequentiert und daher leider auch defekt. Sie sind energieintensiv – was mich zum nächsten Problem führt – der Energie. Wollte Berlin nicht auch energieeffizient werden? Passt es dann noch zum Projekt der SfMVKU „Berlin spart Energie“? Spart man durch eine Magnetschwebebahn und den Einbau von Aufzügen an allen Haltestellen wirklich so viel Energie, dass sich eine Tramlinie nicht lohnt?

  12. Johannes Braun 25. Februar 2026 at 09:06 - Reply

    Aufgrund der bestehenden Bahntrassen sowie großer Industrieflächen in der Siemensstadt ist dieser Vorschlag sicherlich etwas einfacher umzusetzen als der zur Magnetbahn vom BER durch Neukölln und entlang der A100 bis zum ICC. Aber es würde (außer in Spandau) wohl keine Anbindung an das bestehende Netz geben. Bei einer so kurzen Strecke wäre das m.E. auch unsinnig. Klar könnte man einen Umstieg zur Siemensbahn einplanen, aber am Ende gilt das, was bei Maglev in den meisten Fällen gilt: Ein Ausbau des bestehenden Netzes sowie das Schließen von Lücken sind so gut wie immer sinnvoller, wenn auch komplexer als eine kurze Solo-Strecke. Nachfolgend mal eine Maximalforderung. Die U5 könnte durch Moabit bis Jungfernheide verlängert werden und von dort die Reststrecke der jetzigen U7 Richtung Spandau übernehmen, mit optionaler Erweiterung im fernen Westen (Wilhelmstadt/Gatow). Die U7 würde dann ab Jungfernheide Richtung TXL-Gelände fahren, und von dort weiter Richtung N/NO, z.B.: Cité Guynemer, Otisstr., Eichborndamm, Rathaus Reinickendorf, Alt-Wittenau, Wittenau, Finsterwalder Str., Senftenberger Ring, Lübars/Alt-Lübars. (Die U8 kann dann via Märkisches Zentrum zur bald reaktivierten Heidekrautbahn durchstechen… und evtl. noch weiter durch Rosenthal nach Nordend, wo irgendwann vielleicht die verlängerte U2 kreuzt.) Jedenfalls: Mit dieser neuen U7 hätte man, sobald sie im Süden verlängert ist, eine direkte Verbindung zwischen TXL-Gelände und BER, was für internationale Besucher sicherlich die bessere Lösung wäre. Besucher, die mit der Bahn anreisen, könnten bereits dann vom Hauptbahnhof oder Bhf Spandau jeweils die neue U5 bis Jungfernheide nehmen, und von dort über eine oder zwei Zwischenstationen die neue U7 bis TXL. Zusätzlich könnte man auch den sowieso geplanten Westzweig der S21 über Westhafen verlängern und hinter Beusselstraße nach Norden zum TXL führen: Dann gäbe es auch vom Hauptbahnhof eine direkte Verbindung nach TXL. Die Siemensbahn kann zwar über Hakenfelde und Falkenhagener Feld hinten rum nach Spandau geführt werden, aber eine direkte TXL-Anbindung ist für diese Strecke m.E. nicht möglich. (Die Strecke durch Falkenhagener Feld ist in meinen Augen sowieso besser geeignet, strategisch irgendwann den Nordwesten von Berlin anzubinden.) Aber man könnte die o.g. S21-West über TXL hinaus nach Haveleck/Wasserstadtbrücke führen, und dann gemeinsam mit der verlängerten Siemensbahn hinten rum nach Spandau: Dann gäbe es auch eine Direktverbindung von Spandau nach TXL, nur halt per S-Bahn, nicht Maglev. Ansonsten wäre für Spandau bzgl. TXL-Anbindung tatsächlich die Tram die beste Lösung. Im Zuge einer Tram-Strecke Richtung TXL kann man auch weitere Tram-Linien einführen, z.B. von Spandau nach Norden: Altstadt, Neustadt, Hakenfeld/Maselake (Siemensbahn/S21-West), Waldsiedlung, Havelmarina, über eine neue Brücke nach Tegelort, Konradshöhe, Heiligensee (S-Bahn). Man könnte so viele schöne Sachen für den ÖPNV im bestehenden Netz hinzaubern, mit viel Mehrwert für die Berliner. Eine tumbe Magnetbahn schafft das nicht. Fürs Brusttrommeln ist sie aber gut geeignet.

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