In Frankfurt werden bei aktuellen Bauvorhaben immer wieder Reste der mittelalterlichen Stadtmauer freigelegt und machen sichtbar, wie die Stadt einst vom ummauerten Kern geprägt war. Historische Karten wie der Ulrich-Plan von 1832 zeigen, wie sich Frankfurt Schritt für Schritt über die alten Befestigungen hinaus zur modernen Großstadt entwickelte.

Freilegung Stadtmauer

Im Zuge der Sanierungsarbeiten der Landwirtschaftlichen Rentenbank wurden Teile der historischen Frankfurter Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert freigelegt. / © Foto: Rentenbank

© Foto Titelbild: Ulrich-Plan, Stadt Frankfurt am Main, Stadtvermessungsamt
© Foto: Rentenbank

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Bei aktuellen Bauvorhaben in Frankfurt werden regelmäßig Teile der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert freigelegt. So wurden zum Beispiel bei der Sanierung der Landwirtschaftlichen Rentenbank Teile der Mauern sichtbar, die lange unter späteren Gebäuden verborgen lagen.

Doch wie kam es dazu, dass Frankfurt sich im Laufe der Jahrhunderte über die Grenzen der mittelalterlichen Stadtmauer hinausentwickelte, die einst den engen, ummauerten Stadtkern begrenzte, und so zu der modernen, offenen Großstadt wurde, die wir heute kennen?

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Vom Mittelalter bis zur Sternschanzenfestung: Die Entwicklung der Frankfurter Stadtbefestigung

Die Frankfurter Stadtbefestigung war ein komplexes System von Verteidigungsanlagen, das vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert Bestand hatte und die Entwicklung der Stadt über Jahrhunderte prägte. Um das Jahr 1000 entstand die erste Stadtmauer, die das Gelände der Königspfalz umschloss, im 12. Jahrhundert folgte die Staufenmauer zum Schutz der wachsenden Altstadt, ab 1333 sicherte ein zusätzlicher Mauerring die Neustadt, und im 15. Jahrhundert umschloss die Frankfurter Landwehr das gesamte Territorium der „Freien Reichsstadt“.

Ab 1628 baute der Stadtbaumeister Johann Wilhelm Dilich die mittelalterliche Stadtmauer zu einer Sternschanzenfestung aus. Teile dieser Befestigung ziehen sich über das Grundstück am Eschenheimer Tor, auf dem die Rentenbank ihren Sitz saniert.

Projektion der ehemaligen Stadtbefestigungen auf das heutige Stadtbild

Projektion der ehemaligen Frankfurter Stadtbefestigungen auf das heutige Stadtbild. / © Kartenausschnitt: Wikimedia Commons, Mylius, CC BY-SA 2.0

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Sachsenhausen und die Erweiterung der Altstadt: Vom ummauerten Kern zur offenen Stadt

Im Süden Frankfurts verlief die Mauer in Sachsenhausen entlang der Schulstraße und markierte die äußere Begrenzung der Altstadt. Innerhalb dieser Linien konzentrierte sich das städtische Leben, während die Flächen außerhalb zunächst unbebaut blieben.

Ab dem 18. Jahrhundert verloren die Befestigungsanlagen ihre militärische Funktion und standen der städtischen Entwicklung zunehmend im Weg. Nach und nach wuchs die Stadt über diese alten Grenzen hinaus.

Der Ulrich-Plan von 1832 und die ersten Stadterweiterungen jenseits der Mauern

Die Ausdehnung der Stadt über die alten Befestigungen hinaus lässt sich nicht nur archäologisch nachvollziehen, sondern auch anhand historischer Karten wie dem Ulrich-Plan von 1832. Er zeigt Frankfurt am Main und Sachsenhausen noch vor der Industrialisierung, dokumentiert aber bereits die Ausdehnung über die alten Befestigungslinien hinaus.

Besonders deutlich wird, wie die Bebauung in Sachsenhausen die frühere Stadtmauer überschritt und wie die östliche Kernstadterweiterung bis an den Anlagenring fortgeführt wurde. Neue Straßenachsen entstanden, öffentliche Gebäude wurden errichtet, und die Stadt öffnete sich Schritt für Schritt über den alten, ummauerten Kern hinaus.

Straßenachsen und Stadterweiterung: Wie der Ulrich-Plan das heutige Stadtbild prägte

Viele Straßen, die der Ulrich-Plan von 1832 verzeichnet, prägen bis heute das Frankfurter Stadtbild. Die Lange Straße, die Neue Mainzer Straße und die Bleichstraße verbinden die inneren Stadtbereiche mit dem Anlagenring und markieren die ersten Achsen einer systematischen Stadterweiterung.

Sie zeigen, wie früh die Weichen für die spätere Verdichtung der Innenstadt gestellt wurden und wie sich das urbane Gefüge schrittweise von der  Altstadt in die umliegenden Viertel ausdehnte und sich der ummauerte Stadtkern Stück für Stück zur offenen, modernen Großstadt entwickelte, die Frankfurt heute ist.

Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Wikipedia

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