Vier verlassene Gewächshäuser und ein Bürogebäude im Landschaftsschutzgebiet Herzberge könnten eine neue Zukunft bekommen. Der Bezirk Lichtenberg sucht nun Konzepte, die ökologische, soziale oder bildungspolitische Ziele verfolgen.

Das Herzberge-Gebiet gehört zu einem rund 100 Hektar großen Landschaftsschutzraum auf früheren Bahn- und Brachflächen. Heute prägen Biotope, Wiesen, Obstbaumflächen und Wege das Areal, gepflegt auch durch rauhwollige Pommersche Landschafe./ © Foto: Wikimedia Commons, Der Vomwatt, CC BY-SA 4.0
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Am Rande des Landschaftsschutzgebiets Herzberge im Berliner Bezirk Lichtenberg stehen seit Jahren vier Gewächshäuser und ein kleines Bürogebäude leer. Das Areal an der Allee der Kosmonauten 16 gehörte bis November 2023 zur „Stadtfarm Lichtenberg“, einem Modellprojekt urbaner Landwirtschaft mit Gemüseanbau und Fischzucht in geschlossenen Kreisläufen.
Nach finanziellen Problemen und der Insolvenz des Betreibers blieb das Gelände leer zurück, Werkzeuge und Tanks stehen noch in den zunehmend verfallenden Gewächshäusern. Nun will das Bezirksamt Lichtenberg dem Areal eine neue Perspektive geben: Mit einem zweistufigen Interessenbekundungsverfahren sollen Träger, Initiativen oder Organisationen gefunden werden, die den Ort im Einklang mit dem sensiblen Naturraum weiterentwickeln.
Landschaftsschutzgebiets Herzberge: Fokus auf Gemeinwohl und Naturschutz
„Mit dem Interessenbekundungsverfahren wollen wir engagierten Initiativen und Trägern die Möglichkeit geben, diesen besonderen Ort im Landschaftsschutzgebiet Herzberge im Sinne des Gemeinwohls zu entwickeln“, erklärte die zuständige Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Bündnis 90/Die Grünen). Man suche tragfähige Konzepte, die ökologische, soziale oder bildungspolitische Ziele verfolgen und den Schutzstatus des Gebietes respektieren. In der Initiative sieht der Bezirk die Chance, einen bislang ungenutzten Standort nachhaltig zu aktivieren.
Inhaltlich sind die möglichen Nutzungen klar umrissen: Umweltbildung und Naturpädagogik, Gemeinschaftsgärtnerei und urbane Landwirtschaft sowie soziale, integrative oder inklusive Angebote stehen im Vordergrund. Auch kulturelle Projekte mit Bezug zu Natur und Landschaft kommen infrage. Voraussetzung für jede Bewerbung ist die Vereinbarkeit mit der Schutzgebietsverordnung; eine rein gewerbliche Verwertung schließt der Bezirk aus.
Zwei Stufen bis zur Entscheidung: Interessierte können Ideen bis Mitte März einreichen
Das Verfahren beginnt mit einer Konzeptphase. Bis zum 16. März 2026 können Interessierte ihre Ideen einreichen, Anfang März soll es bei Bedarf Besichtigungen der Gebäude geben. Nach Prüfung durch die Fachämter bewertet eine Jury die Vorschläge und wählt Bewerbungen für die zweite Runde aus.
In dieser Phase müssen die Konzepte konkretisiert werden; unter anderem durch Entwurfsplanungen, Kostenschätzungen und Terminpläne. Der Start ist für Mitte Mai 2026 vorgesehen. Die Verfahrensunterlagen stellt das Straßen- und Grünflächenamt auf Anfrage bereit, dort sind auch die Bewerbungen einzureichen.
Zwischen Großprojekten und kleinen Eingriffen: Stadtentwicklung entlang der Allee der Kosmonauten
Die Allee der Kosmonauten gehört zu jenen Berliner Magistralen, an denen sich Stadtentwicklung und Strukturwandel besonders deutlich zeigen. In den vergangenen Jahren entstanden entlang der Straße neue Wohnquartiere, während an anderen Stellen frühere Bürostandorte in Serviced Apartments oder gemischte Nutzungen umgewandelt werden.
Das Projekt in den Herzbergen liegt abseits dieser großen Bauvorhaben – und doch mitten in einem Gebiet, das zwischen Nachverdichtung, neuen Wohnformen und dem Erhalt von Freiräumen neu austariert wird. Die künftige Nutzung der Gewächshäuser könnte dem Ort nun eine neue, vorsichtige Rolle zwischen Naturschutz und Nachbarschaft geben. Welche Konzepte letztlich überzeugen und wie sie die Gegend künftig prägen, bleibt vorerst jedoch abzuwarten.
Quellen: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Kulturkarte Lichtenberg, Mit Vergnügen Berlin
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