Nach jahrelangem Stillstand steht das Holsten-Areal in Hamburg-Altona vor einem Eigentümerwechsel. Mit der Exklusivität für SAGA und Quantum keimt Hoffnung auf eine neue Entwicklungsperspektive. Doch auch Kritik an den Plänen bleibt nicht aus.
© Foto Titelbild: IMAGO / Joerg Boethling
Lange lag das Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei in Hamburg-Altona brach. Nun haben das städtische Wohnungsbauunternehmen SAGA und das Immobilienunternehmen Quantum die Exklusivrechte zum Kauf des 8,6 Hektar großen Areals von der Adler Group erhalten. In den kommenden Wochen sollen die Kaufverhandlungen abgeschlossen werden.
Beide Unternehmen planen, das Gelände zu einem gemischt genutzten Stadtquartier zu entwickeln. Vorgesehen sind bis zu 218.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, darunter rund 1.360 Wohnungen in einem Drittelmix aus öffentlich gefördertem, freifinanziertem und Eigentumswohnungsbau sowie Flächen für Büros, Kitas, ein Hotel und öffentlichen Raum.
Holsten-Areal in Altona: Ein Gelände mit Geschichte und jahrelanger Unsicherheit
Die Ursprünge des Areals reichen bis ins Jahr 1879 zurück, als die Holsten-Brauerei in Altona gegründet wurde. Über Jahrzehnte wuchs das Gelände, bis die Produktion nach der Übernahme durch Carlsberg schließlich verlagert wurde. Seitdem blieb das Areal ungenutzt. Mehrfach wechselte es den Besitzer, ohne dass konkrete bauliche Fortschritte erzielt wurden. Zwischenzeitlich wurde es zu einem Symbol für Grundstücksspekulation, da der Preis mit jeder Transaktion weiter anstieg.
Die jetzige Entscheidung bedeutet einen Einschnitt in diese Entwicklung. Die SPD-Fraktion Hamburg bewertet die Exklusivität für SAGA und Quantum als positiven Schritt für die Stadt. Der Fraktionsvorsitzende Dirk Kienscherf äußerte, dass nun die Chance bestehe, dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der städtische Partner SAGA könne hierbei für Verlässlichkeit sorgen.
Umweltverbände und Mieterinitiativen äußern Kritik an möglichen Verlusten von Identität und Gemeinwohl
Trotz der neuen Perspektiven regt sich auch Widerstand. Umweltverbände, Mieterinitiativen und baukulturelle Gruppen kritisieren insbesondere den möglichen Abriss historischer Gebäude auf dem Gelände. Diese seien ein prägendes Element der Altonaer Identität und müssten erhalten bleiben, wie aus einer gemeinsamen Petition hervorgeht.
Unterzeichnet wurde das Papier unter anderem vom Denkmalverein Hamburg, Architects4Future, BUND und NABU sowie mehreren Mietervereinen. Auch lokale Gruppen wie Viva la Bernie und der Blankeneser Bürger-Verein beteiligen sich an der Forderung nach einer gemeinwohlorientierten Entwicklung. In der Petition wird die Stadt Hamburg aufgerufen, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen und das Grundstück zum Verkehrswert zu erhalten. Auch Marco Hosemann von der Linken sieht im Verkauf an Quantum eine Fortsetzung der Spekulation. Nur eine Übernahme durch die öffentliche Hand könne bezahlbaren Wohnraum und eine nachhaltige Entwicklung sichern.
Zweifel an den neuen Akteuren: Initiativen fordern sozial gerechte Planung für das Holsten-Areal
Die Bürgerinitiative „Knallt am dollsten“ äußerte ebenfalls Misstrauen gegenüber beiden potenziellen Käufern. So wurde kritisiert, dass bei früheren Projekten wie dem Paloma-Viertel auf der Reeperbahn geplante öffentliche Räume wieder gestrichen wurden. Auch wenn SAGA als städtisches Unternehmen gilt, sei dies keine Garantie für eine durchweg sozial gerechte Planung, so die Stimmen aus dem Initiativen-Umfeld.
Der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel ließ gegenüber dem NDR verlauten, dass ein Eingreifen der Stadt nur im äußersten Fall nötig sei. Wenn das Projekt in „guten Händen“ sei und städtische Vorgaben eingehalten würden, sehe er keinen Anlass für ein Vorkaufsrecht.
Neues Stadtquartier in Hamburg-Altona: Zwischen Hoffnung und Herausforderung
Die Erwartungen an das Projekt sind hoch. Während SAGA und Quantum auf ihre erfolgreiche Zusammenarbeit in früheren Projekten verweisen, bleibt abzuwarten, ob das Holsten-Areal tatsächlich zu einem zukunftsfähigen, durchmischten Stadtquartier entwickelt werden kann. Das Vorhaben steht unter Beobachtung von Politik, Initiativen und der Nachbarschaft – und damit auch unter öffentlichem Druck.
Quellen: Quantum Immobilien AG, knallt am Dollsten!, Denkmalverein Hamburg, WELT, SPD-Fraktion Hamburg, Linksfraktion Hamburg, Immobilien Zeitung, Hamburger Abendblatt, NDR, Adler Group
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