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Nach der Schließung des Zentralvieh- und Schlachthofs im Jahr 1991 wandelte sich das 50 Hektar große Gelände in Prenzlauer Berg grundlegend. Aus einer Industriebrache entstand schrittweise ein gemischtes Stadtquartier mit Parks, Wohnungen, Gewerbeflächen und kreativen Arbeitsorten. ENTWICKLUNGSSTADT wirft einen Blick auf die Entwicklung des Quartiers.

Historisches Portierhaus des ehemaligen Zentralvieh- und Schlachthofs an der Thaerstraße, im Hintergrund ein modernes Gewerbegebäude mit markanter Backsteinfassade. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Nach der Schließung des Berliner Zentralvieh- und Schlachthofs im Jahr 1991 stand das 38 Hektar große Gelände zwischen Eldenaer Straße und Landsberger Allee zunächst leer, ehe erste Ideen in den 1990er Jahren neuen Schwung brachten.

Auch wenn von den Olympia-Plänen der 1990er Jahre letztlich nur das Velodrom auf der Nordseite der Landsberger Allee realisiert wurde, setzte damit die Phase gezielter Stadtplanung ein. Die Suche nach einer tragfähigen Zukunft für die riesige Brache begann, und führte 1995 zur Ausweisung des Areals als städtebaulichen Entwicklungsbereich.

Vom ungenutzten Industrieareal zu ersten städtebaulichen Konzepten in den 1990er Jahren

Historische Rinderställe in der Straße An den „Eldenaer Höfen“. Die Fassaden wurden teilweise erhalten und denkmalgerecht saniert und zu modernen Reihenhäusern umgestaltet wurden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die neu gegründete Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße übernahm die Planung. Das Areal wurde in fünf Viertel unterteilt: Hausburgviertel, Thaerviertel, Blankensteinpark, Eldenaer Viertel und Pettenkofer Dreieck. Ziel war die Schaffung von Wohn- und Gewerbeflächen, ergänzt durch großzügige Grünanlagen.

Dies markierte den Beginn einer Entwicklung, die das ehemalige Schlachthofareal in ein lebendiges Stadtquartier verwandelte, in dem Geschichte und modernes Stadtleben nahtlos ineinandergreifen. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt auf, wie sich das Areal seither verändert hat.

Beginn der Erschließung und Gestaltung des neuen Stadtquartiers am ehemaligen Schlachthof ab 2000

Grünfläche mit Birkenwäldchen und Wildkirschenhain, auf der zentralen Rasenfläche sind noch die Stahlkonstruktionen der ehemaligen Hammelauktionshalle erhalten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Ab 2002 begann die Bebauung. Neue Straßen und Plätze erhielten Namen, die an die Geschichte des Schlachthofs erinnern. Dazu zählen Zur Rinderauktionshalle, Viehtrift oder Zum Langen Jammer. Historische Hallen und Backsteinbauten wurden restauriert und in die neue Nutzung einbezogen. Teilweise wurden Gebäude rückgebaut, um Platz für Wohnungen, Büros und Geschäfte zu schaffen.

Ein zentrales Element ist der 5,1 Hektar große Hermann-Blankenstein-Park, der 2004 eröffnet wurde. Er integriert das Metallgerüst der denkmalgeschützten Hammelauktionshalle und wird von Birken- und Wildkirschenhainen eingerahmt. Spiel- und Sportplätze ergänzen die Anlage, unter der ein Regenwasserrückhaltebecken liegt. Auch in den übrigen Vierteln entstanden Grünflächen wie der Hausburgpark.

Entwicklung zu einem vielseitigen Quartier mit Wohnen, Gewerbe und Freizeitangeboten

Früherer Wasserturm des Schlachthofs, heute ein markantes Wahrzeichen am Rand des Quartiers. Im Gebäude befinden sich Wohnunen und ein Café. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das Entwicklungsgebiet „Alter Schlachthof“ hat sich damit zu einer gefragten Wohnadresse entwickelt. Reihenhäuser und Mietwohnungen bieten Platz für mehrere tausend Menschen. Gewerbeflächen im Eldenaer Viertel und im Pettenkofer Dreieck beherbergen Supermärkte, Möbelhäuser, einen Baumarkt und kleinere Gastronomiebetriebe. Die restaurierte Rinderauktionshalle wurde 2011 zum großen Fahrradgeschäft umgebaut.

Ein besonderes Wahrzeichen ist der erhaltene Wasserturm an der Otto-Ostrowski-Straße. Seit der Sanierung wird er als Wohnraum und Café genutzt. Auch einige Hallenreste und Teile der Schlachthofmauer erinnern an die industrielle Vergangenheit des Areals.

Sanierte historische Schlachthofhallen und neue Wohnbebauung: Gewerbe und Wohnprojekte in den letzten Jahren

Der Gewerbe- und Bürokomplex „DSTRCT.Berlin“, bei dem denkmalgeschützte Schlachthofhallen mit einem Neubau kombiniert wurden, der heute Büros, Gastronomie und Veranstaltungsflächen beherbergt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neben den Wohnquartieren entstand an der Landsberger Allee das Projekt „DSTRCT.Berlin“. Es verbindet sanierte denkmalgeschützte Schlachthofhallen mit einem modernen Neubau, der Büroflächen, Läden, Galerien und Gastronomie umfasst. Zudem bietet eine Dachterrasse Blick auf den Fernsehturm. Trotz eines Brandes 2018 konnten die historischen Hallen erhalten und in das Konzept integriert werden.

Ein weiterer jüngerer Bau ist die Wohnanlage an der Walter-Friedländer-Straße und der Hermann-Blankenstein-Straße, die von der Berlinovo Grundstücksentwicklungs GmbH errichtet wurde. Dort entstanden auf rund 4.600 Quadratmetern 230 Apartments für bis zu 300 Studierende, die inzwischen bezogen sind.

Letzte Entwicklungsflächen und umstrittene Bauprojekte: Kaum noch Platz für Neubauten im Schlachthofareal

Eine der letzten ungenutzten Flächen auf dem ehemaligen Gelände des Zentralvieh- und Schlachthofs: Zu sehen ist ein unvollendetes Bauprojekt in der Walter-Friedländer-Straße. Zwei weitere kaum bebaute Flächen befinden sich an der Ecke Landsberger Allee und Hausburgallee. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Freie Flächen sind heute nur noch in sehr begrenztem Umfang vorhanden. Die letzten größeren Entwicklungsflächen liegen an der Ecke Landsberger Allee und Hausburgallee. Gleichzeitig bleibt das Quartier durch seine Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Grünanlagen und denkmalgeschützter Bausubstanz ein attraktiver Standort zwischen Pankow, Friedrichshain und Lichtenberg.

Die begrenzten Flächenreserven rücken geplante Bauprojekte umso stärker in den Fokus – insbesondere, wenn sie in sensiblen Lagen neue städtebauliche Akzente setzen wollen.

Neuer Vorstoß für Pyramidenhäuser an der Eldenaer Straße: Wie geht es künftig weiter?

Visualisierung von begrünten Pyramidenhäusern an der Eldenauer Straße

Architekt Christoph Langhof startet einen zweiten Versuch für sein Pyramidenprojekt an der Eldenaer Straße in Prenzlauer Berg – mit mehr Wohnraum und weniger Wucht. / © Visualisierung: LANGHOF GmbH

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das Vorhaben ist das Projekt „Eldenaer 4 Zero“ von Architekt Christoph Langhof, das zwei pyramidenförmige Hochhäuser auf einer derzeit als Parkplatz genutzten Fläche vorsieht. Trotz einer überarbeiteten Planung mit reduziertem Bauvolumen und zusätzlichem Wohnraum ist die Realisierung nicht unumstritten. Gründe sind die enge Bebauung des Umfelds, der hohe Stellenwert des Denkmalschutzes sowie die Überschreitung der in Berlin geltenden Traufhöhe.

Angesichts der geringen Zahl unbebauter Grundstücke und der sensiblen Lage inmitten denkmalgeschützter Bausubstanz bleibt zunächst abzuwarten, inwieweit eine Umsetzung dieses oder ähnlicher großvolumiger Neubauten tatsächlich erfolgen wird. Klar ist jedoch, dass die Entwicklung des Areals auch nach mehr als drei Jahrzehnten nicht zum Stillstand gekommen ist und künftige Veränderungen weiterhin im Spannungsfeld zwischen historischer Substanz und neuen Bauvorhaben stehen werden.

 

Denkmalgeschützte Rinderverkaufshalle, die früher für Viehauktionen genutzt wurde und heute ein Radsportzentrum beherbergt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neubau eines Wohngebäudekomplexes auf dem ehemaligen Gelände des Zentralvieh- und Schlachthofs mit modernen Wohnungen und gewerblichen Flächen im Erdgeschoss an der Thaerstraße und Erich-Nehlhans-Straße. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Ein Schulgebäude der Hausburggrundschule. Neben dem Bau befindet sich ein denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude und ein modernisierter Rinderstall. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Bezirksamt Pankow, Wikipedia, Senat Berlin, tip Berlin

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