Die Anna-Lindh-Schule in Berlin-Mitte hat nach Jahren der Unsicherheit ihr neues Zuhause an der Reinickendorfer Straße eröffnet. Während am modernen Neubau gefeiert wird, bleibt das alte, vom Schimmelbefall gezeichnete Gebäude im Afrikanischen Viertel ein ungelöstes Kapitel.

Das alte Schulgebäude der Anna-Lindh-Schule musste 2022 aufgrund von starkem Schimmelbefall schließen. Derzeit steht das Gebäude leer und die Schülerinnen und Schüler sind in den Ersatzneubau der Anna-Lindh-Schule an der Reinickendorfer Straße gezogen. /© Foto: IMAGO / Jürgen Ritter
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© Titelbild: IMAGO / Berlinfoto
Am Mittwoch, den 10.09.2025 hat die Anna-Lindh-Schule offiziell ihren neuen Standort an der Reinickendorfer Straße eröffnet. Gemeinsam mit Senatorinnen, Senatoren und der Bezirksverwaltung wurde das moderne Gebäude der Schulgemeinschaft übergeben. Es bietet Platz für 576 Kinder, die in sogenannten Compartments lernen, ergänzt durch Mensa, Bibliothek und Fachräume. Eine begrünte Dachfläche mit Photovoltaikanlage soll den Bau nachhaltig machen.
Die feierliche Eröffnung markiert den Abschluss einer langen Übergangszeit. Denn seit 2022 war die Schule wegen massiven Schimmelbefalls im Altbau an der Guineastraße geschlossen. Zwischenzeitlich mussten Lehrkräfte und Kinder in ein Bürogebäude am Saatwinkler Damm ausweichen.
Vom Provisorium zur Perspektive: Bezirksamt plant Sanierung des alten Schulgebäudes
Während im Neubau die Zukunft beginnt, wirkt der alte Standort wie eingefroren. Zurückgelassene Ordner, Kaffeetassen und sogar Grünpflanzen prägen die Szenerie. Hausmeister Dennis Robens berichtet gegenüber dem Tagesspiegel, er schaue noch regelmäßig nach dem Rechten. Wasser und Strom seien weiterhin intakt, doch das Gebäude sei nur vorläufig stillgelegt.
Die Bezirksverwaltung prüft derzeit Angebote für eine Entrümpelung. Nach langem Streit entschieden die Denkmalschützer Ende 2023: Der Bau aus den 1950er-Jahren soll erhalten bleiben. Damit gilt „Sanierung statt Abriss“. Geplant ist ein ergänzender Neubau auf dem Grundstück, gefolgt von der Modernisierung des Altbaus.
Sekundarschule statt Grundschule: Neubau ab 2026, Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus folgt
Der historische Bau mit geschwungenen Fluren und typischen Details der Nachkriegsarchitektur soll nicht mehr als Grundschule genutzt werden. Stattdessen ist der Umbau zu einer Sekundarschule vorgesehen. Der zusätzliche Neubau könnte ab 2026 entstehen, anschließend soll die Sanierung des Altbaus erfolgen.
Für die Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt ist der Erhalt des Gebäudes ein wichtiger Beitrag zur Baukultur. Das Bezirksamt Mitte hatte zuvor einen schnellen Abriss bevorzugt, um Platz für eine neue Schule zu schaffen. Nun aber wurde laut Tagesspiegel ein Kompromiss gefunden, der sowohl Neubau als auch Erhalt ermöglicht.
Eltern kritisieren Leerstand am ehemaligen Schulstandort Guineastraße in Wedding
Für Eltern und Förderverein ist der Neubau zwar ein Grund zur Freude, dennoch überwiegt bei vielen die Erinnerung an verpasste Möglichkeiten. Die langjährige Elternsprecherin Anke Erler betonte, dass die Schule durch Schimmel, Bauarbeiten und Umzüge viele Initiativen verloren habe. Auch ihr Nachfolger Tobias Weber warnte, nicht alles sei nun automatisch wieder gut, wie der Tagesspiegel berichtet.
Beide fordern, den alten Standort schnell wieder nutzbar zu machen. Jeder Tag, an dem das Gebäude leer steht, sei ein Verlust für die Kinder im Kiez. Es gehe nicht allein um Mauern, sondern um Nachbarschaft und Bildungsgerechtigkeit, erklärte Erler.
Zwischen moderner Lernumgebung und Sanierungsbedarf: Die Anna-Lindh-Schule als Symbol für Wandel
Das neue Schulhaus bietet moderne Bedingungen, auch wenn Außenanlagen und Pausenflächen noch nicht fertig sind. Einige Eltern bemängelten, dass zur Eröffnung weder ein gestalteter Pausenhof noch Spielgeräte für die Kinder zur Verfügung standen. Dennoch überwiegt die Erleichterung: Mit dem Neubau hat die Schule endlich einen festen Standort, und die Schülerinnen und Schüler können nun dauerhaft im Wedding lernen.
So ist die Anna-Lindh-Schule in Mitte zugleich Symbol für Fortschritt und Erinnerung. Der Neubau bietet moderne Bedingungen, während das alte Gebäude als Mahnmal einer verpassten Instandhaltung bleibt. Mit der geplanten Sanierung soll es künftig wieder ein Ort für Bildung im Afrikanischen Viertel werden.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Anna-Lindh-Schule, Tagesspiegel
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