An der Köpenicker Straße hat sich ein lange vertrautes Bild verändert. Wo früher Autos parkten und zuletzt Kräne und Gerüste standen, ist inzwischen ein neues Wohnquartier entstanden. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten im Umfeld allerdings noch nicht.

Der Neubau ergänzt die bestehende WBM-Wohnanlage. Zwischen den Gebäuden wurden Wege und Freiflächen neu gestaltet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der markante Neubau an der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte ist fertiggestellt. Die ersten Wohnungen sind bereits bezogen. Damit endet die eigentliche Bauphase eines Projekts, dessen Planung bis ins Jahr 2015 zurückreicht. Im Außenraum ist die Arbeit dagegen noch nicht überall abgeschlossen.
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Köpenicker Straße 105–120, 10179 Berlin
- Projektstatus: fertiggestellt
- Wohnungen: 102 Mietwohnungen
- Gebäude: zwölfgeschossiges Hochhaus und dreigeschossiger Flachbau
Die auffällige grau-weiße Fassade mit goldfarbenen Fensterrahmen prägt inzwischen einen langen Abschnitt der Köpenicker Straße. Bauzäune stehen nur noch in Teilen vor dem Gebäude. Gleichzeitig laufen entlang der Straße sowie zwischen Neubau und bestehender Wohnanlage noch Arbeiten an Gehwegen und Freiflächen. Pflaster wird verlegt, Flächen werden hergerichtet und einzelne Bereiche bleiben für die Arbeiten abgesperrt. Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner leben derweil bereits im Neubau.

Der dreigeschossige Gebäudeteil zieht sich entlang der Köpenicker Straße. Im Erdgeschoss liegen großflächig verglaste Gewerberäume. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Köpenicker Straße: 102 Mietwohnungen ergänzen bestehenden WBM-Wohnblock
Neu entstanden sind 102 Mietwohnungen, davon 40 öffentlich gefördert und 58 barrierefrei. Das Projekt besteht aus einem zwölfgeschossigen Hochhaus an der Michaelkirchstraße und einem langgezogenen dreigeschossigen Bau entlang der Köpenicker Straße. Sechs Innenhöfe gliedern den niedrigeren Gebäudeteil. Die Neubauten stehen vor einer bestehenden Wohnanlage der WBM und ersetzen den früheren Parkplatzstreifen.
Bei der Vermietung der Wohnungen im Quartier Lilienthal hatte die WBM zunächst 70 klassische Wohnungen angeboten. Sie umfassen zwei bis fünf Zimmer. Für die 40 geförderten Wohnungen nannte das Unternehmen eine Einstiegsmiete von 6,90 Euro pro Quadratmeter; jeweils 20 Wohnungen sind für Haushalte mit WBS 100 beziehungsweise WBS 140 vorgesehen. Hinzu kommen acht rund 200 Quadratmeter große Clusterwohnungen. Die WBM setzt diese gemeinschaftliche Wohnform nach eigenen Angaben hier erstmals um.

Das zwölfgeschossige Punkthochhaus prägt die Ecke Köpenicker Straße und Michaelkirchstraße. Die ersten Wohnungen im Quartier sind bereits bezogen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Große Gewerbeflächen im WBM-Neubau in der Köpenicker Straße
Der Komplex ist jedoch kein reines Wohnprojekt. Mehr als 8.000 Quadratmeter sind für Einzelhandel, Dienstleistungen und Büros vorgesehen. Große Glasflächen bestimmen deshalb das Erdgeschoss des Flachbaus. Auch in den unteren Etagen des Hochhauses befinden sich Gewerbe- und Büroflächen. Einzelne Büroeinheiten werden derzeit noch zur Vermietung angeboten.
Die Mischung aus Wohnen und Gewerbe hat auch mit der besonderen Lage zu tun. Gegenüber befindet sich das Heizkraftwerk Mitte, zudem liegen mehrere Clubs in der Umgebung. Die Lärmbelastung beschäftigte die Planung über Jahre. Nach Angaben der WBM fanden 2018 und 2019 umfangreiche Messungen statt. Zuvor hatte das Unternehmen zeitweise sogar erwogen, den Turm vollständig als Bürogebäude zu nutzen. Nach weiteren Abstimmungen konnte der Wohnanteil wieder erhöht werden.

Vor den Gewerbeflächen an der Köpenicker Straße laufen noch Arbeiten am Gehweg und an den angrenzenden Außenflächen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Köpenicker Straße: Elf Jahre vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung
Die Geschichte des Neubaus begann damit deutlich vor dem Spatenstich. Bereits 2015 führte der Senat einen Architekturwettbewerb mit 18 Teilnehmern durch. Damals sah das Konzept noch rund 160 Wohnungen vor. Den zur Umsetzung bestimmten Entwurf entwickelten LOVE architecture and urbanism und Architektur Consult aus Graz. Nach langen Abstimmungen nahm die WBM die überarbeitete Planung Anfang 2021 wieder auf. Der eigentliche Baustart folgte im Dezember 2023.
Damit liegen zwischen Wettbewerb und Fertigstellung rund elf Jahre. In dieser Zeit änderten sich sowohl Wohnungszahl als auch Nutzungskonzept und Terminplanung. Noch beim Baustart war eine Fertigstellung Ende 2025 vorgesehen; später verschob die WBM den Termin auf August 2026.

Zwischen dem WBM-Neubau und der bestehenden Wohnanlage an der Köpenicker Straße laufen noch Arbeiten an Wegen und Freiflächen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Otto Lilienthal: Hochhaus steht auf historischem Berliner Grundstück
Auch die Geschichte des Grundstücks reicht weiter zurück. An diesem Standort befand sich die Flugzeugfabrik von Otto Lilienthal. Die WBM bezeichnet das Gelände deshalb als Otto-Lilienthal-Erinnerungsort. Eine Fläche für eine spätere Gedenkstätte soll freigehalten werden; für deren Umsetzung standen nach Angaben des Unternehmens bislang allerdings keine Fördermittel zur Verfügung.
Mit dem Einzug der ersten Bewohner ist die Umwandlung des früheren Parkplatzes nun weitgehend vollzogen. Bis auch Gehwege, Höfe und übrige Freiflächen vollständig hergestellt sind, bleibt der Neubau an einigen Stellen jedoch noch von Bauarbeiten geprägt.
WBM-Neubau Köpenicker Straße
Quellen: WBM, Bezirksamt Mitte, Architektur Urbanistik Berlin
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
10 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Gelungen. Sehr gelungen – jedendalls wenn man Berlins städtebauliche Identität durch Ignoranz und Beliebigkeit zerstören bzw weiters zerstören möchte.
Mein Gott, was für ein hässlicher, erbärmlicher Scheißdreck in unmittelbarer Nähe zur wunderschönen Michaelkirche gebaut werden darf. Wie zu DDR Zeiten. Sie war ja auch sehr schmerzfrei darin, wenn es darum ging, 15 stöckige Plattenbauten direkt neben Rotes Rathaus oder fast direkt neben Berliner Dom und Deutschen Dom zu errichten. Statt diese Art von Bausünden endlich zu korrigieren, wird weiter ignorant gestümpert, um auch den letzten Rest von Historie und Identität in der Berliner Stadtlandschaft zu eliminieren. Genau deshalb ist Berlin heute eine in weiten Teilen hässliche Stadt.
Also wenn weitere Zerstörung durch Neubau das Ziel war: volle Punktzahl erreicht! Glückwusch!
Ich finde es schön.
Optisch ansprechender Neubau mit dem frischen sonnigen Gelb und hellgrau silbrig leuchtenden Flächen. Das ist ein guter Kontrast mit frischem Farbton im Gegensatz zu einem sonst recht grauen Viertel.
Tja, was soll man zu dieser Hässlichkeit als Anwohner noch sagen…3 Jahre im Baudreck und Lärm gelebt, Parkplätze, die ohnehin schon knapp waren, wurden schlichtweg abgeschafft für einen Wohnblock, der überhaupt nicht reinpasst ( optisch wie auch zwischenmenschlich). Es nimmt einen die Luft zum Atmen, alles wird zugebaut, auch wenn das letzte Grün dafür weichen muss. Danke Berliner Politik: Die Stadt wird immer unansehnlicher und noch überfüllter.
Klar, dass viele Leute in Berlin und in Deutschland insgesamt – heutzutage – schön und stimmig von hässlich und beliebig nicht mehr unterscheiden können. Wäre es anders, dann würden die Menschen – um Schönheit bzw eine schöne Umgebung zu erleben und zu genießen – nicht millionenfach nach Frankreich, Spanien oder Italien reisen – sondern nach Deutschland. Das tut keiner. Ästhetische Bildung ist heutzutage hierzulande einfach nicht mehr in einer relevanten Größe und Breite vorhanden. Klingt jetzt natürlich sehr pauschal, schon klar. Trifft aber grundsätzlich trotzdem zu. Besonders was Architektur und Städtebau anbelangt. Schönheit, Harmonie, Ästhetik ist diesbezüglich hierzulande heitzutage kein relevantes Thema, kein Ziel, kein Anspruch mehr. Weder auf Produzenten- noch auf Konsumentenseite. Meine Ansicht, meine Feststellung.
Sieht aus wie ein riesiges Zirkusgebäude. Warum kann man Neubau nicht auch in ästhetisch bauen?
Ich bin sehr gespannt auf die Füllung der wirklich großen Gewerbeflächen mit überdimensional hohen Decken und Komplettverglasung. Was kommt da rein – 8 Autohäuser??
Die Flachbauten entlang der köpenicker Str. hätten mindestens! um 1 Etage höher sein müssen – mit der realisierten Höhe sehen sie provinziell, „abgehackt“ und unpassend aus. Sonst ist das Projekt insgesamt okay.
Ich wohne direkt gegenüber und finde es recht gelungen, allerdings verstehe ich nicht warum man entlang der Köpenicker Straße keine Bäume vor das Gebäude gesetzt hat, eine Allee täte der Straße gut.
Der Kletterpark zwischen der Baumgruppe an der Michaelstraße ist irgendwie völlig off und ich drücke die Daumen, dass die Bäume es überleben.
Ansonsten hoffe ich, dass der Gewerbebereich ein paar schöne Läden erhält, gern Gastro, vielleicht ein Bäcker, Hauptsache es bleiben uns Spielo, Späti und ähnlich geartetes erspart.
Wo bleibt die Ersatzpflanzung für die vielen gefällten Bäume?
Da das Bauvorhaben gerade erst fertiggestellt wurde, ist es wohl logisch, dass noch keine neuen Bäume gepflanzt wurden. Das wird aber passieren, keine Sorge.
Ich finde den Bau recht ansprechend, verstehe aber nicht, warum wieder Rücksicht auf die Mieter der DDR Platte genommen wurde, denen man nicht die Sicht verstellen wollte.
3 Etagen in der Innenstadt, obwohl dort 6-8 Etagen gebaut werden könnten? So wird man die Wohnungsnot in Berlin sicher nicht bekämpfen.