Nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt stand über mehr als 100 Jahre eines der außergewöhnlichsten Gebäude Berlins. Die Geschichte der Krolloper reicht von rauschenden Opernabenden bis zum Ermächtigungsgesetz und endet mit ihrem vollständigen Abriss.

Historischer Stich der Krolloper aus dem 19. Jahrhundert mit dem weitläufigen Gebäudekomplex und dem Tiergarten im Vordergrund.

Die Krolloper wurde 1844 als repräsentatives Vergnügungsetablissement am Rand des Tiergartens eröffnet. Der historische Stich zeigt den ursprünglichen Gebäudekomplex in seiner frühen Gestalt. / © Foto: Wikimedia Commons (gemeinfrei)

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 102-09067 CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE

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Nur wenige Orte in Berlin spiegeln die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der deutschen Geschichte so eindrucksvoll wider wie die historische Krolloper, die es heute nicht mehr gibt.

Unweit des Brandenburger Tores gelegen, war das Gebäude über mehr als ein Jahrhundert hinweg Vergnügungslokal, Opernhaus und schließlich Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel deutscher Parlamentsgeschichte. Heute erinnert vor Ort kaum noch etwas an den einst prägenden Bau.

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Vom Vergnügungsetablissement zum renommierten Opernhaus

Die Geschichte der Krolloper begann im Jahr 1844 als Ausflugslokal mit Gartenwirtschaft und Veranstaltungsräumen am damaligen Exerzierplatz vor dem Brandenburger Tor. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Ensemble zu einem beliebten Kultur- und Vergnügungsort, der immer wieder erweitert und den Bedürfnissen seiner Zeit angepasst wurde.

Sein architektonisch bedeutendster Umbau erfolgte in den 1920er Jahren unter der Leitung des jüdischen Architekten Oskar Kaufmann. Über nahezu ein Jahrzehnt hinweg entstand ein modernes Opernhaus, das sich schnell als eine der wichtigsten Bühnen Berlins etablierte. Besonders unter der Intendanz von Otto Klemperer galt die Krolloper als Ort musikalischer Innovation und experimenteller Inszenierungen.

1933: Das Parlament zieht in die Krolloper ein

Mit dem Reichstagsbrand im Februar 1933 änderte sich die Geschichte des Gebäudes grundlegend. Da das Reichstagsgebäude zunächst nicht mehr genutzt werden konnte, tagte das deutsche Parlament fortan in der Krolloper.

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Hier verabschiedeten die Nationalsozialisten am 23. März 1933 das sogenannte Ermächtigungsgesetz, das Adolf Hitler weitreichende Vollmachten einräumte und den demokratischen Rechtsstaat faktisch außer Kraft setzte.

Damit wurde die Krolloper zu einem Symbol für den Übergang von der parlamentarischen Demokratie zur nationalsozialistischen Diktatur. Das Gebäude war fortan nicht mehr nur ein Ort der Kultur, sondern auch Schauplatz einer der folgenreichsten politischen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts.

Berlins Krolloper: Kriegszerstörung und ein überraschendes Nachleben

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Krolloper erhebliche Schäden. Besonders Luftangriffe der Royal Air Force im November 1943 sowie die Kämpfe um das nahe Reichstagsgebäude während der Schlacht um Berlin führten zu schweren Zerstörungen.

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Bemerkenswert ist jedoch, dass das Gebäude unmittelbar nach Kriegsende nicht aufgegeben wurde. Bereits wenige Wochen nach dem Ende der Kampfhandlungen begannen Aufräumarbeiten. Im Gartenbereich fanden schon im Sommer 1945 wieder Konzerte und Tanzveranstaltungen statt; ein frühes Zeichen des kulturellen Neuanfangs in der zerstörten Hauptstadt.

Das Ende 1957: Warum die Krolloper schließlich verschwand

Trotz der zwischenzeitlichen Nutzung fehlte eine langfristige Perspektive für den Gebäudekomplex. Der Betrieb erwies sich als wirtschaftlich kaum tragfähig, während die Kriegsschäden umfangreiche Investitionen erfordert hätten. Bereits Anfang der 1950er Jahre wurden erste Gebäudeteile gesprengt und abgetragen.

1957 folgte schließlich der vollständige Abriss der verbliebenen Ruinen. Damit verschwand eines der geschichtsträchtigsten Gebäude Berlins endgültig aus dem Stadtbild. Heute erinnert lediglich eine Gedenktafel am ehemaligen Standort an die Krolloper; einen Ort, der wie kaum ein anderer die kulturellen, politischen und architektonischen Brüche der deutschen Geschichte in sich vereinte.

Die kriegsbeschädigte Krolloper in Berlin im Jahr 1945 mit einem Flakgeschütz im Vordergrund.

Während der Kämpfe um Berlin im Frühjahr 1945 wurde die Krolloper schwer beschädigt. Trotz erster Aufräumarbeiten nach Kriegsende wurde der Gebäudekomplex wenige Jahre später vollständig abgetragen. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-M1015-322 / Donath, Otto / CC-BY-SA 3.0

 

Krolloper Berlin

Quellen: Deutscher Bundestag, magnus-hirschfeld.de, Wikipedia, berlin.de, Bundesarchiv Bild

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3 Kommentare

  1. M.Hillen 27. Juli 2026 at 14:12 - Reply

    Die Abrißidioten der Nachkriegszeit haben aus Berlin eine Stadt mit vergleichsweise wenigen historischen Gebäuden gemacht. Man könnte die Stadt mit Gedenktafeln vollstellen: hier stand mal ein historisch relevantes Gebäude… und hier… und da… und hier.. usw usw usw.
    Selbst wesentlich kleinere Hauptstädte in Europa haben deutlich mehr historische Bausubstanz im Stadtbild als Berlin.
    Das heutige Berlin hat äußerlich mit der reizvollen Metropole der Vorkriegszeit nahezu nichts mehr gemein. Hätten sich die Abrißidioten komplett durchgesetzt, dann stünde heute nicht mal mehr die Ruine der KWG-Kirche. Aber selbst ein Gebäude wie die erste Telegraphenanstalt Deutschlands aus der Mitte des 19. Jahrhunderts darf heutzutage noch komplett entkernt werden. Diese Stadt wird von Barbaren regiert und von gleichgültigen Menschen bewohnt, die das reiche Erbe ihrer Stadt nicht kennen und überhaupt nicht interessiert!
    Ja, ich weiß, es wird dann immer mit der unvergleichlichen Schönheit der Museumsinsel argumentiert, nach dem Motto, so schlecht steht Berlin doch gar nicht da… Das Gegenteil beweist die Museumsinsel: eine Stadt, die so einen armseligen Anbau wie die JamesSimon Galerie zulässt (allein der hässliche Anblick von der Spreekanalseite macht einen fassungslos) ist offensichtlich von allen guten Geistern verlassen!
    Auch das Humboldtforum ist komplett mißlungen: es feiert nicht etwa die Stadt als ehemalige Residenz einer der erfolgreichsten deutschen Dynastien, nein, es es Ausdruck einer pathologischen Selbstverleugnung und Selbstkasteiung.
    Ekelhaft. Widerlich. Armselig. Charakterlos….
    Ach ja, die Krolloper…da haben die Nazis also die Demokratie beseitigt. Interessant. Heute beschädigt das Humboldtforum unsere Demokratie, indem es unsere Geschichte – ohne irgendeine Legitimation durch das Volk – umdeutet. Das Resultat: von den Millionen Besuchern dieser armseligen linken Zeitgeistbude geht nur noch ein Bruchteil in die Ausstellungen dieses Gehirnwäschebetriebs. Der allergrößte Teil besucht lediglich die Dachterasse und genießt Ausblick und Gastronomie.

    • at 27. Juli 2026 at 14:38 - Reply

      Das erste Mal, dass ich hier einem Kommentar bis zum letzten Punkt und Komma zustimme… Was denken Sie, was hier abgehen würde, sollte jemand auch nur ansatzweise die Diskussion einer Reko der Kroll-Oper anregen wollen. Dagegen wäre dann die Geschichte um den wiedererrichteten Turm der Garnisonskirche in Potsdam eine säuselnde Kinderbucherzählung.

  2. U.Lehmann 27. Juli 2026 at 16:21 - Reply

    Da kann man wenig zu beisteuern. Egal ob West oder Ost. Überall ist so vieles verschwunden. Städtebaulich ist Berlin eben eine große Wohnstadt um es freundlich auszudrücken. Alte oder ältere Substanz ist meist nicht zu erhalten, da das praktische Neue eben günstiger ist.
    Und niemand wird sich morgen daran erinnern, was hier oder dort gewesen war. Aber was vor 70 Jahren war, ist heute nicht besser geworden.
    Berlin ist nicht nur zu groß, sondern auch zu stark Handlungsunfähig durch die politische Struktur.

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