Das Haus der Statistik hat sich in zehn Jahren zu einem der wichtigsten Beispiele kooperativer Stadtentwicklung in Berlin entwickelt. Nun werden erste Etappen abgeschlossen und zentrale Bausteine des Quartiers konkret.

Das Haus der Statistik rückt als künftiger Ort für Verwaltung, Wohnen und Stadtgesellschaft neu ins Blickfeld. Derzeit wird das „Haus A“ an der Karl-Marx-Allee schrittweise für soziokulturelle und gemeinwohlorientierte Nutzungen vorbereitet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Das Haus der Statistik an der Karl-Marx-Allee hat sich zu einem Symbol für neue Formen kooperativer Stadtentwicklung in Berlin entwickelt. Was 2015 mit einer künstlerischen Intervention begann, ist innerhalb eines Jahrzehnts zu einem komplexen Entwicklungsprojekt gewachsen. Fünf Partnerinnen und Partner aus Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft arbeiten hier gemeinsam an der Transformation eines lange leerstehenden DDR-Großbaus.
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens lud die Entwicklungsgemeinschaft „Koop5“ zu einem Pressegespräch in das Haus der Statistik ein. Vertreterinnen und Vertreter aus Senat, Bezirk, landeseigenen Gesellschaften und Genossenschaften zogen Bilanz und gaben Einblicke in den aktuellen Projektstand. Die Sanierung des Bestands nähert sich dem Abschluss, während erste Nutzungen bereits eingezogen sind.
„Haus A“ im Fokus: Zwischen Rohbau und bezugsfertigen Etagen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das sogenannte „Haus A“, das ikonische Scheibenhochhaus des Ensembles. Dort fand auch das Pressegespräch statt, im neu sanierten Foyer des Gebäudes. Auch weitere Teile des Gebäudes sind bereits weitgehend saniert, darunter die zehnte Etage mit ausgebauten Büroräumen, moderner Gebäudetechnik und barrierefreien Sanitäranlagen.
Andere Ebenen befinden sich hingegen noch im Ausbau. So ist das sechste Obergeschoss derzeit noch im Rohbauzustand. Wände und Bodenflächen sind dort bislang unbehandelt. Türen und Fenster wurden jedoch bereits eingesetzt, sodass der weitere Ausbau vorbereitet ist.
Haus der Statistik: Räume für Stadtgesellschaft, Kultur und Bildung

Einzelne Geschosse, wie das sechste Obergeschoss, zeigen sich noch unausgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Künftig sollen rund 50 zivilgesellschaftliche Organisationen in „Haus A“ arbeiten. Vorgesehen sind Flächen für Kunst, Kultur, soziale Projekte, Bildung und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften. Vertreter der beteiligten Genossenschaften erklärten, dass einzelne Räume noch nicht vergeben seien. Für Anfang 2026 ist daher eine weitere Ausschreibungsrunde geplant, insbesondere für die oberen Geschosse des Gebäudes.
Insgesamt verbindet das Projekt auf rund 46.000 Quadratmetern Verwaltungsnutzungen und soziokulturelle Angebote im Bestand. Ergänzend sind weitere Neubauten mit einer Fläche von rund 66.000 Quadratmetern geplant. Die Gesamtkosten für das Quartier werden auf etwa 250 bis 350 Millionen Euro geschätzt.
Aus Sicht des Bezirks soll das Haus der Statistik einen bewussten Gegenpol zur stark kommerziell geprägten Umgebung des Alexanderplatzes bilden. Die Mischung aus Behörden, Initiativen und öffentlich zugänglichen Nutzungen wird als wichtiger Impuls für die Belebung des Quartiers verstanden.
Berlin-Mitte: Das „Rathaus der Zukunft“ als letzter Baustein des Quartiers
Der letzte große Baustein der Quartiersentwicklung ist das geplante „Rathaus der Zukunft“ für Berlin-Mitte. Aus einem offenen Architekturwettbewerb mit mehr als 150 teilnehmenden Büros ging das Dresdner Büro Schmelzer und Weber als Sieger hervor. Der Entwurf sieht einen rund 65 Meter hohen Baukörper mit öffentlich zugänglichen Bereichen vor.
Geplant sind unter anderem ein Bürgeramt, Ausstellungsflächen, eine Bibliothek, eine öffentliche Kantine sowie ein Café im obersten Geschoss. Die Bezirksverordnetenversammlung soll künftig im ersten Obergeschoss tagen, darüber hinaus sind weitere Flächen für Ämter vorgesehen. Nach Angaben der Projektverantwortlichen soll das Rathaus künftig die Verbindung zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft räumlich sichtbar machen.
Sozialer Wohnungsbau als Teil der Quartiersentwicklung in Berlin-Mitte
Parallel dazu bereitet die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) den nächsten Entwicklungsschritt vor. Geplant sind rund 280 neue Wohnungen, von denen mehr als 60 Prozent gefördert werden sollen. Ergänzt wird das Wohnangebot durch rund 2.400 Quadratmeter Gewerbeflächen in den Erdgeschossen. Der Baustart ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.
Die Projektbeteiligten verwiesen zugleich auf die Herausforderungen der vergangenen Jahre. Steigende Baukosten, langwierige Erbbaurechtsverträge und wirtschaftliche Unsicherheiten hätten den Prozess verzögert. Mit der Unterzeichnung langfristiger Erbbaurechtsverträge über 99 Jahre sieht sich die „Koop5“ nun jedoch gut aufgestellt, um das Haus der Statistik als vielfältigen Ort des Wohnens, Arbeitens und der Stadtgesellschaft weiterzuentwickeln.

Der Weg führte bis zur Dachterrasse, die einen weiten Blick über den Alexanderplatz bietet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Haus der Statistik, Bezirksamt Mitte, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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