Der geplante Bechstein-Campus in der Berliner Europacity sollte ein bedeutender Kulturstandort für Klaviermusik werden. Nun liegt das Projekt jedoch auf Eis. Während die Baupläne ruhen, entsteht auf dem Areal vorerst ein ganz anderes Angebot: Ein Biergarten neben dem Pizza-Imbiss „Magic John’s“.

Der geplante Bechstein-Campus in Moabit, sollte ein Kultur- und Musikstandort mit einer Sammlung von etwa 200 bespielbaren Klavieren und Flügeln werden. / © Visualisierung: Aesthetica Studio
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Der geplante Bechstein-Campus in der Berliner Europacity wird vorerst nicht realisiert. Die Carl-Bechstein-Stiftung teilte dem Tagesspiegel mit, dass das Projekt derzeit ruht. Grund dafür seien gestiegene Baukosten sowie veränderte finanzielle Rahmenbedingungen. Der Bezirk Mitte und die Senatsverwaltung seien über diese Entwicklung informiert worden.
Damit fällt eines der ambitioniertesten Kulturprojekte im neuen Stadtquartier nördlich des Hauptbahnhofs zunächst aus. Der Campus sollte auf einem Grundstück an der Heidestraße 46 bis 52 entstehen und einen neuen kulturellen Anziehungspunkt in der Europacity bilden. Gerade in dem jungen Quartier, das bislang vor allem durch Wohn- und Bürogebäude geprägt ist, wurde ein solches Angebot von vielen als wichtige Ergänzung gesehen.
Bechstein-Campus in der Europacity: Konzertsaal, Akademie und Klaviersammlung war geplant
Der Bechstein-Campus war als umfassender Kultur- und Musikstandort konzipiert. Vorgesehen waren unter anderem ein großer Konzertsaal mit bis zu 500 Plätzen sowie ein kleinerer Kammermusiksaal für rund 120 bis 150 Besucherinnen und Besucher. Ergänzt werden sollte das Ensemble durch Proberäume, Seminar- und Unterrichtsräume für die Bechstein Akademie sowie Büroflächen für das Unternehmen und die zugehörige Stiftung.
Darüber hinaus sah das Konzept Verkaufsräume für rund 110 Klaviere und Flügel sowie eine Ausstellung historischer Instrumente vor. Insgesamt sollte eine Sammlung von etwa 200 bespielbaren Klavieren und Flügeln Teil des Campus werden. Auch kleinere Einzelhandelsflächen, ein Restaurant und etwa 60 Wohnungen für Stipendiatinnen und Stipendiaten waren geplant.
Architektonisch sollte das Projekt vom Berliner Büro Graft umgesetzt werden. Der Entwurf hatte sich zuvor in einem Wettbewerb gegen mehrere renommierte Architekturbüros durchgesetzt. Geplant war ein Ensemble, das ein historisches Bestandsgebäude in die neue Bebauung integriert und zugleich einen neuen Platz zur Heidestraße hin öffnet.
Europacity: Bechstein-Campus wegen hoher Baukosten vorerst gestoppt
Nach Angaben der Stiftung sei das Projekt in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Die Entwicklungen bei Baupreisen sowie die geopolitische Lage hätten Einfluss auf die finanzielle Situation der Stiftung genommen. Aus diesem Grund müsse man verantwortungsvoll handeln und Projekte nur bei gesicherter Finanzierung umsetzen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Gregor Willmes laut Tagesspiegel.
Wie lange das Projekt pausieren wird, ist derzeit offen. Projekte dieser Größenordnung bewegen sich häufig im dreistelligen Millionenbereich. Für die Europacity bedeutet der vorläufige Stopp, dass der geplante kulturelle Impuls zunächst ausbleibt.
Biergarten statt Klaviercampus: „Magic John’s Pizza“ in der Europacity
Während das Kulturprojekt auf unbestimmte Zeit verschoben ist, wird ein Teil des Areals inzwischen anders genutzt. In einer der verbliebenen Lagerhallen aus den 1950er-Jahren wird seit vergangenen Sommer der Take-away-Imbiss „Magic John’s Pizza Garage“ betrieben.
Der Standort soll nun erweitert werden. Neben dem bestehenden Pizzaangebot planen die Betreiber einen Biergarten, der im Frühjahr eröffnen soll. Dafür wurde eine angrenzende Freifläche angemietet, die derzeit noch gestaltet wird. Pflanzen, Dekorationen und eine überdachte Struktur sollen eine atmosphärische Freiluftfläche schaffen. Nach Angaben der Betreiber gegenüber der Berliner Morgenpost, soll der Biergarten Anfang Mai eröffnen. Geplant sind Öffnungszeiten am frühen Abend, etwa zwischen 16 und 22 Uhr.
Damit erhält die Europacity zumindest vorübergehend ein neues gastronomisches Angebot. Während der Bau eines großen Musikcampus weiterhin ungewiss bleibt, sorgt zunächst ein deutlich kleineres Projekt für Aktivität auf dem Gelände an der Heidestraße.

Im Bechstein-Campus waren unter anderem ein großer Konzertsaal mit bis zu 500 Plätzen sowie ein kleinerer Kammermusiksaal für rund 120 bis 150 Besucherinnen und Besucher geplant. / © Visualisierung: Aesthetica Studio
Quellen: Tagesspiegel, Graft Architects, Aesthetica Studio, Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs – GmbH, Berliner Morgenpost, C. Bechstein Pianoforte AG
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3 Kommentare
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Cool – freue mich total auf den Biergarten und die Pizza ist sowieso Spitze !!!
Das passt ja zu der allgemeinen Lage in Berlin und Deutschland. Es hätte mich sehr gewundert, wenn dieses Projekt wie geplant realisiert worden wäre. Vom Senat hört man natürlich nichts dazu, denen ist es wahrscheinlich ziemlich schnuppe, so wie ja schon in anderen Fällen wie z.B. der Komischen Oper usw. Für jeden Müll wird Geld rausgehauen ohne Ende, aber wo die Stadt ihre Stärken ausspielen und Akzente setzen könnte, fehlt die Unterstützung oder wird gespart, vertagt, verzögert oder eingestampft. Sehr bedauerlich.
Pizza und Bier passen besser als Kultur zu Berlins Schwarzen und Roten.