Seit 2013 zeigt das Wandbild „Gewachsen auf Beton“ die drei Boateng-Brüder an einer Hausfassade im Wedding. Nach der Verurteilung Jérôme Boatengs wird längst darüber diskutiert, ob das bekannte Motiv verändert werden sollte. Doch die Rechtslage ist kompliziert.
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Seit 2013 prägt das Wandbild „Gewachsen auf Beton“ eine Brandwand an der Badstraße 53 in Berlin-Gesundbrunnen. Zu sehen sind die Brüder George, Kevin-Prince und Jérôme Boateng, deren Lebenswege mehr oder weniger eng mit dem Berliner Stadtteil Wedding verbunden sind. Entstanden ist das großformatige Bild im Rahmen einer Werbekampagne des Sportartikelherstellers Nike.
- Das Wandbild entstand 2013 als Teil einer Nike-Kampagne.
- Drei Brüder: Es zeigt George, Jérôme und Kevin-Prince Boateng.
- Die Verurteilung Jérôme Boatengs löste eine neue Debatte um das Wandbild aus.
Umgesetzt wurde das Motiv von Künstlern der Berliner Agentur Graco. Es erzählt vom Aufstieg der drei Brüder, die auf einem Bolzplatz an der Panke Fußball spielten und später unterschiedliche Karrieren einschlugen.
Kevin-Prince und Jérôme Boateng wurden Profifußballer, George Boateng wandte sich unter dem Namen BTNG der Musik zu. Der Schriftzug „Gewachsen auf Beton“ entwickelte sich über die Kampagne hinaus zu einem Sinnbild für Herkunft, Aufstieg und gesellschaftliche Teilhabe.
Aus einer Werbekampagne wurde ein Stück Kiezgeschichte
Obwohl die Nike-Kampagne längst beendet ist, blieb das Wandbild erhalten. Aus der ursprünglichen Werbefläche wurde mit den Jahren ein weithin bekanntes Motiv, das inzwischen auch als Kunstwerk im öffentlichen Raum wahrgenommen wird. Einen öffentlich bekannten Denkmalschutzstatus besitzt es jedoch nicht.
Dass das Bild weiterhin existiert, liegt vor allem an den Eigentumsverhältnissen. Die Fassade gehört einer Privatperson. Nach Angaben des Bezirksamts Mitte bestehen keine rechtlichen Möglichkeiten, eine Entfernung oder Veränderung anzuordnen, solange von der Darstellung keine strafbaren oder verfassungsfeindlichen Inhalte beziehungsweise Gefahren für die öffentliche Sicherheit ausgehen.

Das Wandbild „Gewachsen auf Beton“ befindet sich seit 2013 an der Brandwand eines Wohnhauses an der Badstraße 53 in Berlin-Gesundbrunnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Badstraße: Verurteilung verändert die Wahrnehmung des Wandbilds
Mittlerweile steht das Motiv jedoch in einer gesellschaftlichen und politischen Debatte. Anlass ist insbesondere die rechtskräftige Verurteilung Jérôme Boatengs wegen vorsätzlicher Körperverletzung an einer früheren Partnerin. Das Landgericht München I sprach 2024 eine Verwarnung mit Strafvorbehalt aus und ordnete Zahlungen an gemeinnützige Organisationen an. Eine Geldstrafe von 200.000 Euro wurde unter Vorbehalt festgesetzt. Boateng hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten.
Ein separates Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Gewalt gegen eine weitere frühere Partnerin wurde 2025 eingestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft reichte die Beweislage nicht für eine Anklage aus, nachdem entscheidende Zeugenaussagen nicht mehr zur Verfügung standen.
Wandbild im Gesundbrunnen: Linke fordert eine Umgestaltung der Fassade
Die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte fordert seit längerem, das Wandbild neu zu bewerten. Fraktionsvorsitzende Jacqueline Sanehy erklärte im Januar 2026 gegenüber der Berliner Morgenpost, die Darstellung werde nicht mehr von allen Menschen als verbindendes Symbol wahrgenommen. Ihre Fraktion möchte, dass das Bezirksamt auf den Hauseigentümer zugeht und eine mögliche Umgestaltung unter Beteiligung der Öffentlichkeit und von Künstlerinnen und Künstlern prüft.
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger von den Grünen vertritt dagegen eine zurückhaltendere Position. Kunst sei nicht mit „Vorbilddidaktik“ gleichzusetzen, sondern könne auch Ambivalenzen und Brüche sichtbar machen. Die Biografie der Brüder stehe sowohl für Aufstieg und Willenskraft als auch für Fehler und strafrechtliche Konsequenzen.
Eigentümer und Rechteinhaber müssen zustimmen
Eine Veränderung wäre ohnehin nur mit Zustimmung des Hauseigentümers und möglicherweise weiterer Rechteinhaber möglich. Nike ließ entsprechende Fragen verschiedener Medien bislang unbeantwortet. Die Agentur Graco zeigte sich laut einem Bericht grundsätzlich offen für eine künstlerische Weiterentwicklung, sofern der Eigentümer zustimme.
Damit berührt die Auseinandersetzung eine grundsätzliche Frage: Wie soll der öffentliche Raum mit Werken umgehen, deren ursprüngliche Botschaft durch spätere Ereignisse eine neue Bedeutung erhält?
Nur das Konterfei von Jérôme Boateng wurde mit Farbbeuteln verunstaltet
Möglich wären eine vollständige Neugestaltung, eine behutsame Ergänzung oder auch der unveränderte Erhalt als Zeitdokument. Eine konkrete Entscheidung über die Zukunft des Wandbilds ist bislang nicht gefallen.
Dass das Wandbild in der Nachbarschaft offenbar sehr kontrovers aufgenommen, verdeutlicht die Tatsache, dass einzig das Konterfei von Jérôme Boateng mit Farbbeuteln verunstaltet wurde. So wie es aussieht, wird das unfreiwillige Kunstwerk aber auch weiterhin an der Berliner Badstraße zu sehen sein, mit oder ohne Denkmalschutz.
Wandbild Boateng-Brüder
Quellen: Buch „Die Brüder Boateng“ (Michael Horeni), Berliner Morgenpost, Weddingweiser, Wikipedia, Graco, Nike
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2 Kommentare
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Hallo… im Header Gesundbrunnen und im Text Wedding ?
Da muss der Björn aber noch ein mal Korrigieren :-)
Gesundbrunnen ist seit 1920 Teil von Wedding.
Geographisch ist das Bild in Gesundbrunnen. Kulturell haben die Brüder stets betont aus Wedding zu stammen (und meinten damit Wedding und Gesundbrunnen).
Also alles richtig.