Wo einst Frauen inhaftiert waren, arbeiten heute Musikerinnen, Musiker und bildende Künstler. Nach der denkmalgerechten Sanierung der Lehrter Straße 61 in Moabit stehen dort 32 geförderte Ateliers und 49 Musikproberäume zur Verfügung.

Erhaltene historische Zellentür und Teile eines ehemaligen Haftraums in der sanierten Lehrter Straße 61.

Originale Zellentüren und erhaltene Hafträume erinnern an die frühere Nutzung des Gebäudes als Gefängnis. / © Foto: BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

© Titelbild: BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

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In der Lehrter Straße in Moabit hat ein ungewöhnlicher Wandel stattgefunden: Wo über Jahrzehnte Strafvollzug stattfand, sind inzwischen Ateliers und Musikproberäume entstanden. Die denkmalgeschützte Lehrter Straße 61 wurde umfassend saniert und steht nun der Berliner Freien Szene als geförderter Arbeitsstandort zur Verfügung.

Insgesamt 32 Ateliers und 49 Musikproberäume wurden in dem historischen Gebäudekomplex eingerichtet. Rund 140 professionell tätige Künstlerinnen und Künstler können dort langfristig zu vergünstigten Konditionen arbeiten. Die ersten Mieterinnen und Mieter zogen Anfang August ein. Das Land Berlin investierte 17,7 Millionen Euro in die Sanierung.

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Lehrter Straße in Moabit: Historische Spuren bleiben erhalten

Das Gebäude wurde zwischen 1898 und 1902 errichtet und war zunächst Teil einer militärischen Justizeinrichtung. Von 1949 bis 1985 diente der Komplex als Frauengefängnis, anschließend wurde er unter anderem als Außenstelle der JVA Plötzensee genutzt. Der Justizvollzug endete 2013.

Viele Spuren dieser Nutzung sind bis heute sichtbar. Erhalten blieben unter anderem originale Zellentüren, historische Farbfassungen, drei Hafträume, Treppenhäuser und Teile der Gefängnismauer. Auch die Klinkerfassade sowie zahlreiche Holz- und Stahlfenster wurden denkmalgerecht instandgesetzt. Gleichzeitig wurden spätere Einbauten entfernt und die technische Ausstattung erneuert.

Für die neue Nutzung waren zusätzliche Eingriffe notwendig. Dazu gehören Aufzüge für einen barrierefreien Zugang sowie der akustische Ausbau der Musikproberäume. Die Innenhöfe wurden ebenfalls neu gestaltet und sind öffentlich zugänglich. Die Atelier- und Musikräume selbst bleiben den jeweiligen Mieterinnen und Mietern vorbehalten.

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Große Nachfrage nach den geförderten Räumen

Wie groß der Bedarf an bezahlbaren Arbeitsplätzen für die Freie Szene ist, zeigt das Vergabeverfahren. Für die Ateliers und Musikproberäume gingen insgesamt 438 Bewerbungen von mehr als 500 bildenden Künstlern und Musikern ein. Damit erhielt nur knapp jede fünfte Bewerbung einen Zuschlag.

Zu den neuen Nutzern gehören unter anderem das Hybrid Ensemble Berlin, das zwischen improvisierter und experimenteller Musik arbeitet, sowie die Bands Rasco und Love’n’Joy. Im Atelierhaus arbeiten unter anderem die Malerin Aline Alagem und der bildende Künstler Christof Zwiener, dessen Arbeiten sich häufig mit urbanen Räumen beschäftigen.

Lehrter Straße 60: Das ehemalige Gerichtsgebäude wird zu einem Kulturstandort für Musik, Kunst und kulturelle Projekte entwickelt.

Lehrter Straße 60: Das ehemalige Gerichtsgebäude bildet den dritten Bauabschnitt der Entwicklung des historischen Ensembles zum Kulturstandort. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC0

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Entwicklung des Justizstandorts geht weiter: Lehrter Straße 60 soll folgen

Mit der Eröffnung der Lehrter Straße 61 ist die Entwicklung des historischen Justizstandorts noch nicht abgeschlossen. Ab Ende 2026 soll das benachbarte ehemalige Gerichtsgebäude in der Lehrter Straße 60 saniert werden. Dort ist ein interdisziplinäres Produktionszentrum für die Freie Szene mit Schwerpunkt Musik geplant.

Anders als in der Lehrter Straße 61 sollen dort keine dauerhaft vermieteten Arbeitsräume entstehen. Vorgesehen sind flexibel buchbare Proberäume, die stunden-, tage- oder wochenweise von wechselnden Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen genutzt werden können. Die Bauvorbereitung soll im November 2026 beginnen, die Hauptbauarbeiten sind von April 2027 bis Januar 2029 vorgesehen.

Ehemaliges Frauengefängnis an der Lehrter Straße

Quellen: Kulturraum Berlin, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

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