Jahrelang prägten Brachflächen und provisorische Stadträume das Umfeld des Einkaufszentrums Alexa am Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Heute sorgen Projekte wie „Grandaire“ und „VoltAir“ dafür, dass das einst isoliert wirkende Einkaufszentrum deutlich stärker eingebunden erscheint.

Eine riesige rosa Wand, heute längst verschwunden: Das Alexa steht exemplarisch für die wechselhafte Entwicklung des Alexanderplatzes seit den 2000er-Jahren. Zwischen Architekturkritik, neuen Hochhäusern und stockenden Großprojekten verändert sich das Quartier rund um das Einkaufszentrum bis heute. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Als das Einkaufszentrum Alexa im September 2007 am Alexanderplatz eröffnete, war die Aufmerksamkeit groß. Mit seiner auffälligen Architektur, den rosafarbenen Fassadenflächen und der massiven Kubatur setzte sich das Gebäude deutlich von seiner Umgebung ab. Kaum ein anderes Bauprojekt am Alexanderplatz polarisierte damals ähnlich stark.
Vor allem die Ostseite des Centers entwickelte sich schnell zu einem Sinnbild der städtebaulichen Probleme rund um den Alexanderplatz. Hinter der markanten rosaroten Wand erstreckten sich über Jahre hinweg Brachflächen, provisorische Wegeführungen und ungenutzte Grundstücke. Der Stadtraum wirkte fragmentiert, unfertig und wenig urban.
Das Alexa am Alexanderplatz: Kritik an Architektur und Stadtraum
Schon kurz nach der Eröffnung wurde das Alexa öffentlich kontrovers diskutiert. Kritiker bemängelten insbesondere die Gestaltung des Gebäudes, das mit seinen geschlossenen Fassaden, großflächigen Werbeanlagen und der ungewöhnlichen Farbgebung wie ein Fremdkörper im Berliner Stadtraum wirkte.
Auch städtebaulich galt das Umfeld lange als problematisch. Zwischen Alexanderplatz, Jannowitzbrücke und Karl-Marx-Allee fehlten klare Raumkanten, öffentliche Aufenthaltsqualität und eine zusammenhängende urbane Struktur. Das Alexa stand gewissermaßen isoliert zwischen Verkehrsschneisen, Freiflächen und unentwickelten Grundstücken.
Gleichzeitig entwickelte sich das Einkaufszentrum wirtschaftlich durchaus erfolgreich. Mit seiner zentralen Lage, zahlreichen Einzelhandelsflächen und dem direkten Anschluss an den Alexanderplatz etablierte sich das Alexa schnell als wichtiger Shoppingstandort in Berlin-Mitte – und etablierte sich schnell als wahrer Publikumsmagnet.
Neue Bauprojekte veränderten das Umfeld des Alexa
Fast 20 Jahre nach der Eröffnung zeigt sich jedoch, dass sich der Stadtraum rund um das Alexa deutlich verändert hat. Schrittweise wurden zahlreiche Brachflächen bebaut, neue Wohn- und Bürogebäude entstanden und die zuvor oft unfertig wirkenden Stadträume verdichteten sich zunehmend.
Besonders sichtbar wird dies am Wohnhochhaus „Grandaire“, das direkt südlich des Alexa realisiert wurde. Mit seiner markanten Höhe und der hochwertigen Fassadengestaltung setzt das Gebäude heute einen neuen städtebaulichen Akzent am Alexanderplatz. Wo früher Freiflächen und Provisorien dominierten, entstand ein dichteres urbanes Gefüge.

Links „VoltAir“, rechts „Grandaire“: Großformatige Bauprojekte haben den Stadtraum rund um das Alexa neu definiert – und ein homogeneres Stadtbild geschaffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Vom architektonischen Fremdkörper zum eingebundenen Stadtbaustein?
Auch das Bürogebäude „VoltAir“ trägt inzwischen dazu bei, dass das Umfeld des Einkaufszentrums geschlossener und urbaner wirkt. Das Gebäude wurde vollständig vermietet, unter anderem an das Biotechnologie-Unternehmen BioNTech, und steht exemplarisch für die zunehmende Transformation des Areals hin zu einem gemischt genutzten Stadtquartier.
Dadurch verändert sich zwangsläufig auch die Wahrnehmung des Alexa selbst. Zwar bleibt die Architektur des Centers weiterhin umstritten, doch das Gebäude wirkt heute weniger isoliert als noch in den ersten Jahren nach der Eröffnung.
„Grandaire“ und „VoltAir“ ergänzen die Architektur des Alexa in Berlin-Mitte
Die neue Nachbarbebauung schafft Raumkanten, verdichtet den Stadtraum und integriert das Einkaufszentrum stärker in sein Umfeld. Vor allem die zuvor dominante Wirkung der großflächigen Seitenfassaden wird durch neue Gebäude teilweise relativiert.
Einige Beobachter sehen darin ein typisches Beispiel dafür, wie stark sich die Wirkung einzelner Bauwerke durch ihren städtebaulichen Kontext verändern kann. Andere wiederum kritisieren weiterhin die massive Erscheinung und die vergleichsweise introvertierte Architektur des Centers.
Hochhausprojekt „Monarch Tower“ am Alexa bleibt weiterhin unvollendet
Gleichzeitig zeigt das Umfeld des Alexa aber auch, dass die Entwicklung des Alexanderplatzes weiterhin unvollständig bleibt. Direkt neben dem Einkaufszentrum sollte ursprünglich mit dem „Monarch Tower“ ein weiteres Hochhaus entstehen.
Der Bau begann bereits, wurde jedoch gestoppt, bevor das Projekt in den Hochbau gehen konnte. Seitdem prägt eine weithin sichtbare Bauruine das Gelände. Immer wieder wird über mögliche Investoren oder eine Übernahme des Projekts berichtet, doch konkrete Fortschritte blieben (und bleiben) bislang aus.
Entwurf von Ortner & Ortner: Neuer Eingang für das Alexa wartet auf seine Umsetzung
Mit dem Hochhausprojekt verbunden war auch ein neuer Eingangsbereich für das Alexa, entworfen vom Büro Ortner & Ortner. Dieser sollte das Center stärker zum Stadtraum öffnen und architektonisch neu ordnen. Aufgrund des stockenden Hochhausprojektes befindet sich allerdings auch dieser Umbau weiterhin in Wartestellung.
Das Alexa steht damit gewissermaßen sinnbildlich für die Entwicklung des gesamten Alexanderplatzes, wenn auch unfreiwillig. Viele Projekte rund um den Platz wurden über Jahre diskutiert, verändert, verzögert oder nur teilweise umgesetzt.
Berlin-Mitte: Der Alexanderplatz bleibt ein Stadtraum im Wandel
Dennoch lässt sich kaum bestreiten, dass sich der Stadtraum rund um das Alexa seit 2007 erheblich verändert hat. Wo einst Brachflächen, Baulücken und provisorische Freiräume dominierten, entstehen heute dichtere urbane Strukturen mit Wohnen, Büros und neuen Hochpunkten.
Das Alexa bleibt dabei ein umstrittenes Gebäude; zugleich zeigt sich aber auch, dass Architektur selten isoliert bewertet wird. Erst durch die Entwicklung des umliegenden Stadtraums entsteht jene städtebauliche Einbindung, die dem Umfeld des Centers lange fehlte.

Brachflächen prägten das Umfeld des Alexa lange Jahre nach dessen Eröffnung im Jahr 2007. Heute steht auf dieser Fläche das Wohnprojekt „Grandaire“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Ortner & Ortner, Wikipedia, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsches Architektur Forum
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Die Unterschrift unter dem ersten Bild ist ein „hübscher“ Euphemismus: Großformatige Bauprojekte haben den Stadtraum rund um das Alexa neu definiert – und ein homogeneres Stadtbild geschaffen.
Jo, homogen ist dieses Stadtbild in seiner Monotonie. Alles Ritter-Sport-Architektur: Quadratisch, praktisch …!