Aus einem ehemaligen Einkaufszentrum wird in Hamburg-Ottensen eine neue Stadtteilschule. Der Umbau des früheren „VIVO“-Komplexes läuft seit 2025 und liegt nach Angaben der Verantwortlichen im Zeitplan. Bis zum Schuljahr 2027/2028 sollen hier mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler lernen.

So soll die neue Schule in Ottensen künftig aussehen. Die Innengestaltung nutzt die offene Gebäudestruktur mit hellen Galerien, begrünten Aufenthaltsbereichen und großzügigen Lernflächen. / © Visualisierung: beyond visual
© Titelbild: beyond visual
Wo früher Kundinnen und Kunden einkauften, sollen schon bald Schülerinnen und Schüler lernen. Im Hamburger Stadtteil Ottensen wird das ehemalige Einkaufszentrum „VIVO“ derzeit zu einer neuen Stadtteilschule umgebaut. Auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT teilte die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung mit, dass die Bauarbeiten derzeit planmäßig verlaufen.
Seit Frühjahr 2025 wird auf dem Gelände gearbeitet. Der Zeitplan bleibt nach aktuellem Stand stabil, sodass weiterhin von einer Fertigstellung zum Schuljahr 2027/2028 ausgegangen werden kann.
Schule im Bestandsgebäude: Kaufhaus „VIVO“ bleibt weitgehend erhalten
Das Projekt gilt als ungewöhnliche Konversion: Das Gebäude, ursprünglich als Kaufhaus geplant und errichtet, bleibt weitgehend erhalten. Statt eines kompletten Neubaus wird der Bestand umgebaut und für schulische Zwecke angepasst. „Wir arbeiten mit dem Gebäude, nicht dagegen“, erklärte Mandy Herrmann, Geschäftsführerin von SBH | Schulbau Hamburg.
Diese Herangehensweise verfolgt auch ein klares Nachhaltigkeitsziel. Durch die Weiternutzung der vorhandenen Struktur werde keine neue graue Energie erzeugt. Auch das ursprüngliche energetische Konzept des Gebäudes kann teilweise weiterverwendet werden.
Offene Lernbereiche und begrünte Fassaden: Schule in Ottensen schafft Platz für über 1.000 Schülerinnen und Schüler
Die künftige Schule wird eine Gesamtnutzfläche von rund 20.000 Quadratmetern umfassen und Platz für bis zu 1.060 Schülerinnen und Schüler bieten. Vorgesehen ist eine fünfzügige Stadtteilschule, die auf offene Lernformen setzt.
Das pädagogische Konzept orientiert sich an flexiblen Lernstrukturen. Neben klassischen Unterrichtsräumen entstehen im Erdgeschoss sowie in den beiden darüberliegenden Etagen offene Lernbereiche. Sie sollen Raum für projektorientiertes, fächerübergreifendes Arbeiten bieten.
Schule mit „grünem Gang“: So wird der neue Bildungsbau an der Bahrenfelder Straße gestaltet
Auch gestalterisch setzt das Projekt auf neue Akzente. An der Fassade werden schwebend angebrachte Pflanztröge installiert, die zusammen mit weiterer Begrünung einen „grünen Gang“ bilden sollen. Neben dem ökologischen Effekt soll diese Gestaltung auch zu einem angenehmen Lern- und Aufenthaltsklima beitragen.
Ergänzend dazu wird die Dachlandschaft begrünt und als zusätzlicher Pausen- und Bewegungsbereich genutzt. Sport spielt im Konzept insgesamt eine zentrale Rolle: Entsprechende Angebote sind nicht nur im Erdgeschoss vorgesehen, sondern auch in anderen Geschossen des Gebäudes. Darüber hinaus sollen Sportflächen benachbarter Schulen mitgenutzt werden.
Vom Ökozentrum zur Bildungsstätte: Konzepte „Ö“ und „VIVO“ scheiterten
Der Gebäudekomplex selbst blickt auf eine besondere Geschichte zurück. Zwischen 1998 und 2003 entstand hier ein ökologisches Einkaufs- und Dienstleistungszentrum mit dem Namen „Ö“. Das Konzept setzte thematische Schwerpunkte in Bereichen wie nachhaltiges Bauen, Ernährung, Gesundheit und Bekleidung.
Nach einem Betreiberwechsel wurde das Zentrum später unter dem Namen „VIVO! – Die Welt der Lebensqualität“ geführt. Dennoch blieb der wirtschaftliche Erfolg begrenzt. 2019 fiel schließlich die Entscheidung, das Gebäude künftig für schulische Zwecke zu nutzen.
Schulneubau in Ottensen: Hamburger Architekturbüro agn erhielt Generalplanungsauftrag
Das Hamburger Architekturbüro agn erhielt 2022 den Generalplanungsauftrag für den Umbau. Ziel ist es, die vorhandene Struktur zu erhalten und zugleich einen zeitgemäßen Bildungsort zu schaffen. Herzstück des Gebäudes bleibt die große, gläserne Halle mit ihrem markanten Treppenturm, die künftig als zentraler Treffpunkt der Schule dienen soll.
Mit der Umnutzung des ehemaligen Einkaufszentrums reagiert die Stadt auch auf steigende Schülerzahlen in Hamburg. Gleichzeitig wird ein bestehender Bau weiterentwickelt, und erhält im dicht bebauten Stadtteil Ottensen eine neue Rolle im städtischen Alltag.
Quellen: hamburg.de | Schule, Familie und Berufsbildung, agn, Bildungsbau Hamburg
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