Europas größtes Riesenrad, ein sozialistisches Prestigeprojekt und später einer der berühmtesten Lost Places Europas: Der Spreepark im Berliner Plänterwald hat eine außergewöhnliche Geschichte – und steht nun vor einem neuen Kapitel.

Berlin, Spreepark, Plänterwald, Treptow

Vom Jagdrevier über Ausflugslokale und Vergnügungsparks bis hin zum DDR-Prestigeprojekt: Der Spreepark im Plänterwald spiegelt mehr als ein Jahrhundert Berliner Stadtgeschichte wider. Diese Aufnahme zeigt das Gelände Mitte der 1930er Jahre. / © Foto: Wikimedia Commons, Walter Mittelholzer (Public Domain)

© Titelbild: Wikimedia Commons, Sascha Kohlmann (CC BY-SA 3.0)

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Der Kulturpark „Spreepark“, der sich derzeit noch in einer kompletten Umgestaltungsphase befindet und voraussichtlich 2027 mit einem neuen Veranstaltungskonzept wiedereröffnet werden soll, hat eine lange Tradition und wechselvolle Geschichte im Stadtbild Berlins.

Plänterwald: Ursprünglich ein unattraktives Waldgebiet

Der Plänterwald im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick gelegen, war früher ein Waldgebiet und bis Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund des hohen Grundwasserspiegels, sandiger Böden und fehlender Verkehrswege als Bauland unattraktiv.

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Und weil sich dieses Waldgebiet „nicht gewinnbringend bewirtschaften ließ“, entschloss sich der Berliner Magistrat dazu, das Areal zwischen 1823 und 1840 abzuholzen. Gut ein Viertel des Gebiets blieb unbestellt, was den Magistrat sicher noch mehr zu dieser Aktion antrieb.

Treptow: Abholzung und Wiederaufforstung im 19. Jahrhundert

1873, zwei Jahre nach der Proklamation Berlins zur Deutschen Reichshauptstadt, wurde das Waldgebiet Plänterwald – parallel zur Anlage des Treptower Parks – wieder aufgeforstet. Der „entstehende Plänterwald sollte den Berliner Bedarf an Straßen-, Allee- und Parkbäumen“ decken und als Waldparkanlage den „Übergang aus der Stadt hinaus in die Landschaft“ darstellen.

Die forstwirtschaftliche Nutzung diente zugleich der Erhaltung als Erholungsgebiet. Innerhalb von acht Jahren war es gelungen, das Gebiet zwischen der heutigen Baumschulen- und Bulgarischen Straße wieder aufzuforsten.

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Berliner Vergnügungskultur: Zahlreiche Ausflugslokale am Spreeufer

Bis 1900 diente es auch als Jagdrevier, danach als öffentlicher Waldpark, ausschließlich zur Erholung gedacht. Eine Kette von Ausflugslokalen säumte die Spree und bildete zur damaligen Zeit bereits ein Zentrum der frühen Berliner Vergnügungskultur.

Anlässlich der dritten Berliner Gewerbeausstellung 1896 wurde der Treptower Park 165 Tage in weiten Teilen überbaut, und jenseits der Parkallee – heute Bulgarische Straße – eröffnete der erste Vergnügungspark Treptows. Anders als in Paris der Eiffelturm zur Weltausstellung von 1889 oder 1958 in Brüssel das Atomium, blieb von der Berliner Gewerbeausstellung so gut wie nichts stehen. Das war übrigens eine der Forderungen an den Berliner Magistrat zur Ausrichtung der Gewerbeausstellung.

Gewerbeausstellung als Initiator für Berlins Aufstieg zur Metropole

Lediglich die Sternwarte mit dem damals längsten Linsenfernrohr der Welt blieb erhalten, heute die Archenhold-Sternwarte. Bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieb auch die Urnenhalle, in der für die damals noch unübliche Feuerbestattung geworben wurde, bestehen.

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Mit der dritten Berliner Gewerbeausstellung, die eigentlich das Format einer Weltausstellung besaß, wurde Berlin zur Weltstadt. Bis dahin war es nur eine europäische Provinzstadt. „Die Markscheide bildet die Gewerbeausstellung im Treptower Park“, so Eduard Spranger, ein in Berlin geborener und in Tübingen lehrender bekannter Geisteswissenschaftler.

Ab 1900: Umgestaltung des Plänterwalds

Bis zur Gewerbeausstellung 1896 war der Plänterwald nur durch einige öffentliche Wege erschlossen. Der Besucherandrang während der Ausstellung und Forderungen aus der Bevölkerung veranlassten den Magistrat, das Jagdgebiet aufzuheben und das Waldgebiet nach und nach in eine Baumschule umzugestalten.

So wurde der Plänterwald ab 1900 umgestaltet. Als Baumschule genutzte Areale blieben zum Beispiel im nördlichen Bereich des Waldparks erhalten. Nach der Machtübernahme im Januar 1933 durch die Nationalsozialisten fanden auf den großen Freiflächen des Plänterwalds auch politische Großveranstaltungen statt.

Ab 1936 wurde der Plänterwald zu einem Vergnügungspark umfunktioniert

Nordwestlich vom Gasthaus „Zenner“ wurde 1936 ein Festgelände angelegt, wo beim „Frühlingsfest Treptow“ eine Achterbahn, eine große Wasserbahn und ein Volkstheater eingeweiht wurden. Das geschah bereits im Vorfeld der 700-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1937.

Im Jahr des Kriegsbeginns 1939 öffnete der Vergnügungspark zu seiner letzten Saison. Die Achterbahn überstand den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet bis in die Nachkriegsjahre hinein. Während des Zweiten Weltkriegs lebten im Bezirk Treptow bis zu 15.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in 72 Lagern.

Treptow: Ab 1939 wurden Zwangsarbeiter in beliebten Ausflugslokalen untergebracht

Bereits 1939, kurz nach Kriegsausbruch, wurden für Lokale entlang der Spree Mietverträge zur Unterbringung von Zwangsarbeitern abgeschlossen. Treptower Großbetriebe, wie die AEG, waren die Nutznießer der Zwangsarbeit. Da der Barackenbau mit dem Bedarf an Arbeitskräften nicht Schritt halten konnte, wurde deren Unterbringung in Saallagern angeordnet.

So wurden zwischen 1940 und 1944 im Norden des Bezirks Treptow Gaststätten und geschlossene Vergnügungslokale zu Unterkünften für Zwangsarbeitern umgewidmet; dazu gehörte auch 1943 das „Alte Eierhäuschen“.

Bevorstehendes Kriegsende: Aus dem Plänterwald wurde vor allem Brennholz geholt

Mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 23./24. April 1945 wurde das Kriegsende in Berlin eingeläutet. Treptower Park und Plänterwald wurden durch die Kriegshandlungen schwer in Mitleidenschaft gezogen.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten die stark zerstörte Stadt und vor allem auch die Bevölkerung mehr damit zu tun, Brennholz aus dem nahegelegenen Plänterwald zu organisieren, als sich mit dem Wiederaufbau der historischen Gebäude – wie Haus Zenner, Altes Eierhäuschen, Archenhold-Sternwarte oder dem Kaiserbad-Garten – zu beschäftigen.

Abriss der „Alpenbahn“: Rudimente des zweiten Vergnügungsparks

Im Zuge der Baumaßnahmen für das Sowjetische Ehrenmal, das auf dem Gelände des vormaligen Spiel- und Sportplatzes Treptower Park errichtet wurde, erfolgte 1947 der Abriss der beliebten „Alpenbahn“ aus dem zweiten Vergnügungspark nordwestlich vom „Haus Zenner“.

Die Bemühungen der Berlinerinnen und Berliner, wie auch des holländischen Eigentümers, um einen Wiederaufbau der Achterbahn bzw. um eine Übertragung an einen neuen Betreiber in Ost-Berlin, blieben erfolglos. Die Reste der im Verlauf der Kriegshandlungen zerstörten Flussbadeanstalt „Kaiserbad-Garten“ am Treptower Spreeufer wurden 1950 beseitigt. Das Bad war bereits im Jahr 1944 geschlossen worden.

DDR-Kulturparks für das kriegszerstörte Land

Nach Kriegsende gab es viele Diskussionen zum Wiederaufbau des stark zerstörten Landes. Prägten vor 1950 noch die Grundsätze der Charta von Athen das Leitbild der „Städtearchitektur“, so bestimmten nach 1950 in der DDR immer mehr sowjetische Einflüsse die architektonische Gestaltung der Städte.

Die „Grünplanung“ der Städte spielte zu diesem Zeitpunkt noch eine untergeordnete Rolle. Jedoch begannen Anfang der 1950er Jahre unter den Gartenarchitekten vermehrt Diskussionen um die Errichtung von Freizeit- und Erholungsparks. Das betraf nicht nur Berlin, sondern auch andere Städte der neu gegründeten DDR.

Für Ost-Berlin wurde der Gartenarchitekt Reinhold Lingner mit der Gestaltung eines solchen Parks beauftragt. Nach einer Reise in die Sowjetunion brachte er den Begriff „Kulturpark“ mit, analog des 1928 in Moskau eröffneten Gorki-Parks als „Zentraler Park für Kultur und Erholung“.

Berlin, Spreepark, Plänterwald, Treptow

Besucher im Plänterwald auf einer Fotografie aus dem Jahr 1974. / © Foto: Wikimedia Commons, Hans-Joachim Spremberg (CC BY-SA 3.0)

Ideen, Beteiligung und Entwurf für einen Vergnügungspark im Plänterwald

Der Berliner Magistrat startete Mitte der 1950er-Jahre mit der Ausarbeitung von Plänen zur Gestaltung eines Vergnügungsparks. Auch die Berlinerinnen und Berliner wurden aufgefordert, ihre Wünsche und Ideen für diesen Park einzubringen.

Ob die von den Bürgern geäußerten Wünsche tatsächlich bei der Entwurfsplanung berücksichtigt wurden, darf bezweifelt werden, denn die in der Presse veröffentlichten Ideen kamen erstaunlich konform daher, entsprechend der zur damaligen Zeit vorherrschenden Kulturpolitik.

Fakt ist, dass die derzeit aktuell durchgeführten umfangreichen Partizipationsverfahren mit den damals in der DDR praktizierten Beteiligungsverfahren nicht vergleichbar sind. Die Entwürfe für den neuen Parktypus „Kulturpark“ wurden schließlich im Magistrat von Groß-Berlin entwickelt.

Standortwahl und Beschlussfassung

Es wurden mehrere Standorte geprüft; letztendlich fiel im Mai 1969 die Entscheidung auf den nördlichen Teil des Plänterwalds im Spreebogen. Hier befand sich die Baumschule des Gartenamts Treptow. Geplant war die Umsetzung eines Freiraumkonzepts für das Spreeufer.

Entsprechend den Beschlüssen der politisch Verantwortlichen vom 19. März 1969 erfolgte wenige Tage später der Start zur Errichtung des „Kulturparks Berlin“ zu einem „komplexen Naherholungszentrum der Hauptstadt“ der DDR.

1960er Jahre: Erster Bauabschnitt im Plänterwald

Bis Oktober 1969 sollte der erste Bauabschnitt für den „Ständigen Vergnügungspark“ fertiggestellt sein. Das Gelände musste stadttechnisch und baulich komplett neu erschlossen werden, sodass die sechsmonatige Bauzeit bis zum Abschluss des ersten Bauabschnitts von den Architekten und Bauunternehmen ein überaus ambitioniertes Programm abverlangte.

Der Hintergrund für diesen enormen Zeitdruck war, dass man den Vergnügungspark zum 20. Jahrestag der DDR eröffnen wollte.

4. Oktober 1969: Offizielle Eröffnung mit 25.000 Gästen

Am 3. Oktober 1969, vier Tage vor dem 20. Jahrestag der DDR, wurden der Berliner Fernsehturm und die Weltzeituhr am Alexanderplatz in Betrieb genommen, während die Vorbereitungen zur Eröffnung des Kulturparks noch in vollem Gange waren. Einen Tag später, am 4. Oktober um 14.00 Uhr, wurde der Kulturpark offiziell eröffnet.

25.000 Gäste waren zur Eröffnung geladen und konnten die Hauptattraktionen bewundern, wie „Europas größtes Riesenrad“, andere Fahrgeschäfte und Kinderkarussells. Auf der Anlage „Alt-Berlin“ konnte man mit Autos der Jahrhundertwende seine Runden drehen. Souvenirstände, Schießhallen, die mehrspurige Rutschbahn und die Autoarena kamen ebenfalls gut bei den Besuchern an.

Der Gaststättenkomplex mit vier Spezialitätenabteilungen mit jeweils 80 Plätzen bot Speisen aus der Sowjetunion, Polen, Bulgarien und Ungarn an. Neben der Anlage konnte man auch Sportgeräte ausleihen.

Die Errichtung des neuen Freizeitparks kostete mindestens 160 Millionen Mark

Der Magistrat von Groß-Berlin bezifferte die Kosten des Gesamtprojekts „Kulturpark“ mit 160 Millionen Mark der DDR, wiederum andere schätzten die Gesamtkosten auf 180 Millionen Mark der DDR.

Der Kulturpark, in der DDR übrigens der einzige mit einem ständigen Vergnügungspark, war ein mit einem hohen Valutakontingent ausgestattetes Prestigeprojekt. Es sollte beweisen, dass das Leben im Sozialismus modern und lebenswert ist.

Kulturpark im Plänterwald: Prestigeobjekt mit Valutakontingent

Um den Kulturpark pünktlich zum Jahrestag eröffnen zu können, wurden zusätzlich 20 Millionen Valutamark, also D-Mark, zur Verfügung gestellt, die man hauptsächlich für die importierten Fahrgeschäfte aus Italien, den USA und den Niederlanden benötigte. In der DDR gab es bis dahin noch keine Betriebe, die solche Fahrgeschäfte in entsprechender Qualität produzieren konnten.

Diese Entscheidung, den Bau des Kulturparks mit Valutamitteln zu fördern, geschah unter Bezugnahme auf die 1963 in der DDR durchgeführte Wirtschaftsreform und erschien zum damaligen Zeitpunkt wohl noch angemessen. Angesichts der bis 1970 anschwellenden Wirtschaftskrise wurde diese „Valutaentscheidung“ im Nachhinein jedoch heftig kritisiert.

Hinsichtlich des Prestigewillens der DDR-Führung war der Ost-Berliner Vergnügungspark – der bei seiner architektonischen Gestaltung übrigens keinen sowjetischen Einfluss erkennen ließ – der Gradmesser für den auf Augenhöhe angelegten Vergleich mit dem Wiener Prater und dem Kopenhagener Tivoli. Der „Kulturpark Plänterwald“ konnte sich zu DDR-Zeiten jährlich über 1,7 Millionen Besucher freuen.

Nach dem Mauerfall wurde der „Spreepark“ nach westlichem Vorbild umgestaltet

Nach dem Fall der Mauer und der damit eingeleiteten politischen Wende wurde der Vergnügungspark 1991 zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet. Ab 1999 hatte der Park mit politischen Schwierigkeiten zu kämpfen, und die Besucherzahlen brachen auf jährlich rund 400.000 ein.

Die daraus folgenden wirtschaftlichen Probleme führten zur Insolvenz und letztlich im Jahr 2002 zur Schließung. Danach lag das Areal brach und entwickelte eine „mystifizierte Popkultur“, als einer der populärsten Lost Places Europas.

Plänterwald: Planungen für eine Wiedereröffnung gab es seit 2014

Das Land Berlin kaufte das Gelände im Jahr 2014 lastenfrei zurück, mit der Absicht, es wieder seiner eigentlichen Nutzung zuzuführen. Seit April 2025 wurden umfangreiche Aktivitäten zur Sanierung des Spreeparks gestartet.

Infolgedessen wurde das Riesenrad wieder aufgebaut und instandgesetzt, und Teile des Parks werden zu neuen Lebensräumen für die Tierwelt umgestaltet. Aller Voraussicht nach werden diese Arbeiten 2027 abgeschlossen sein. Dann wird ein neues Kapitel im Plänterwald aufgeschlagen, auf das man sehr gespannt sein darf.

Berlin, Spreepark, Plänterwald, Treptow

Die Besucher blieben nach dem Mauerfall mehr und mehr aus: Der „Spreepark“ im Juni 1991. / © Foto: Wikimedia Commons, Gerd Danigel (CC BY-SA 4.0)

Berlin, Spreepark, Plänterwald, Treptow

In den 2000er Jahren wurde der einstigen Vergnügungspark im Plänterwald zu einem der populärsten Lost Places und Fotobojekte Europas. / © Foto: Wikimedia Commons, jerrykavan (Public Domain)

Spreepark Riesenrad Baustelle

Das restaurierte Riesenrad im Plänterwald wartet auf seine Inbetriebnahme. Im kommenden Jahr soll es losgehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: – Busch/Geyler-von Bernus/Kahl: Geschichte des Spreeparks, Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart, Berlin 2017, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum

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