Der Bebauungsplan für das „Haus der Statistik“ zeigt, wie das Quartier am Alexanderplatz wachsen soll. Vorgesehen sind Wohnungen, Verwaltung, Kulturflächen, Experimentierhäuser und öffentlich zugängliche Freiräume.

Das „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz zeigt seine helle Fassade mit gelben Akzenten; im Hintergrund steht ein Hochhaus an der Otto-Braun-Straße.

Das „Haus der Statistik“ bildet den zentralen Bestand des geplanten Quartiers in Berlin-Mitte. Der Bebauungsplan regelt die künftige Ergänzung durch Wohnungen, Verwaltungsgebäude, Kulturflächen und neue Freiräume. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: Teleinternetcafé und Treibhaus

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Am nordöstlichen Rand des Alexanderplatzes entsteht kein gewöhnliches Neubauviertel. Der Bebauungsplan 1-105 für das „Haus der Statistik“ verbindet sanierte DDR-Bauten mit Wohnungen, einem neuen Rathaus, gemeinschaftlichen Einrichtungen und einem weitgehend autofreien Quartiersinneren.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Lage: Gelände zwischen Mollstraße, Berolinastraße, Karl-Marx-Allee und Otto-Braun-Straße
  • Bebauungsplan: 1-105
  • Projektstatus: Entwurf in der Beteiligung der Öffentlichkeit
  • Veröffentlichungszeitraum: Juli bis einschließlich 21. August 2026

Das Plangebiet liegt zwischen Otto-Braun-Straße, Karl-Marx-Allee, Berolinastraße und dem Grundstück Mollstraße 4. Es umfasst rund 38.500 Quadratmeter und bildet die Verbindung zwischen dem dicht bebauten Alexanderplatz und dem grüneren Wohngebiet entlang der Karl-Marx-Allee. Genau diesen Übergang soll der Bebauungsplan städtebaulich ordnen.

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Das Konzept sieht entlang der Berolinastraße drei neue Baufelder vor. Dort sollen überwiegend sieben- bis achtgeschossige Gebäude entstehen, deren Höhen sich an der typischen Berliner Traufhöhe von rund 22 Metern orientieren. Im mittleren Baufeld B ist zusätzlich ein 15-geschossiger Hochpunkt vorgesehen. Im südlichen Baufeld C soll die Neubebauung auf die Höhe des denkmalgeschützten „Hauses der Gesundheit“ reagieren.

Bebauungsplan für das „Haus der Statistik“ schafft rund 275 Wohnungen

Die WBM soll nach den Angaben in der Planbegründung rund 275 Wohnungen errichten. Etwa 60 Prozent davon sind als mietpreisgebundener Wohnraum vorgesehen. Die Wohnnutzung konzentriert sich vor allem auf die Berolinastraße, während die Verwaltungsflächen überwiegend an der lauten Otto-Braun-Straße liegen.

In den Erdgeschossen erlaubt der Bebauungsplan grundsätzlich keine Wohnungen. Dort sollen öffentlich zugängliche oder gewerbliche Nutzungen das Quartier über den gesamten Tag beleben. Hotels können nur mit Ausnahme zugelassen werden. Spielhallen, Wettbüros, Bordelle, Sexshops und Tankstellen schließt der Plan ausdrücklich aus. In einem Teilgebiet sind oberhalb des ersten Vollgeschosses dagegen ausschließlich Wohnungen zulässig.

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Die Visualisierung zeigt einen begrünten Innenhof im geplanten Quartier am „Haus der Statistik“ mit neuen Wohngebäuden, einem Experimentierhaus, Spiel- und Aufenthaltsflächen sowie dem sanierten Gebäudebestand.

Im Quartier am „Haus der Statistik“ sollen sogenannte Stadtzimmer mit Grünflächen, Spielangeboten und öffentlich zugänglichen Wegen entstehen. Der Bebauungsplan verbindet diese Freiräume mit Wohnungen, Kultur, Bildung und gemeinschaftlichen Nutzungen. / © Visualisierung: Teleinternetcafé und Treibhaus

Quartier „Haus der Statistik“: Experimentierhäuser ergänzen Wohnungsbau

An die Wohngebäude schließen sogenannte Experimentierhäuser an. Sie sollen Räume für Kultur, Bildung, Gewerbe, gemeinschaftliche Angebote und integratives Wohnen aufnehmen. Die Gebäude X1 und X2 liegen im Inneren der nördlichen Baufelder. Das Experimentierhaus X3 ragt weiter in den südlichen Innenhof und kann acht Vollgeschosse erreichen. Die ZUsammenKUNFT Berlin soll insgesamt mehr als 20 Prozent der Geschossfläche des neuen Quartiers nutzen oder deren Belegung organisieren.

Zwischen den Neubauten entstehen keine geschlossenen Gebäuderiegel. Der Bebauungsplan lässt an der Berolinastraße bewusst größere Öffnungen frei. Diese „Kieznischen“ markieren Eingänge und schaffen Verbindungen zur angrenzenden Nachbarschaft. Weitere Wege führen durch das „Haus der Statistik“ oder zwischen dem Bestandsgebäude und dem Rathaus bis zur Otto-Braun-Straße. Auch das Erdgeschoss des südlichen Baufelds erhält einen Durchgang.

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Quartier „Hauses der Statistik“: Stadtzimmer prägt Freiräume

Im Blockinneren bilden die U-förmigen Neubauten drei geschützte, aber offen zugängliche Bereiche. Die Planung bezeichnet sie als „Stadtzimmer“. Sie sollen als Treffpunkte, Spielbereiche und Aufenthaltsorte dienen. Zugleich übernehmen sie Aufgaben bei der Regenwasserbewirtschaftung. Grüne Inseln, Baumpflanzungen und unterirdische Rigolen sollen Wasser zurückhalten und Teile der heute fast vollständig versiegelten Fläche entsiegeln.

Entlang der Otto-Braun-Straße ist ein öffentlich nutzbares Aktivitätenband vorgesehen. Dazu gehören Stadtplätze sowie Sport-, Spiel- und Bewegungsflächen. Eine klassische öffentliche Grünanlage setzt der Bebauungsplan innerhalb des Quartiers jedoch nicht fest. Die Planbegründung räumt ein, dass das Umfeld bereits heute nur begrenzt mit wohnungsnahen Grünflächen versorgt ist. Das Aktivitätenband und die öffentlich zugänglichen Innenbereiche sollen diesen Mangel zumindest teilweise ausgleichen.

Neues Rathaus mit Bibliothek am „Hauses der Statistik“

Im Norden des Areals soll an der Otto-Braun-Straße das neue Rathaus Mitte entstehen. Der Bebauungsplan weist dafür eine Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung „Bezirksverwaltung und Bibliothek“ aus. Geplant sind neben Verwaltungsbüros ein Bürgeramt, der Saal der Bezirksverordnetenversammlung und ein Mobility Hub im Untergeschoss. Der Neubau bildet einen eigenen Hochpunkt und dient als städtebaulicher Anker des Quartiers.

Das Architekturmodell zeigt die geplante Lage des neuen Rathaus Mitte auf dem Areal des Hauses der Statistik an der Otto-Braun-Straße. Der Hochpunkt und der Sockelbau fügen sich in die umliegende Bebauung und die neu entstehenden Freiräume ein.

Das Modell veranschaulicht die städtebauliche Einbindung des neuen Rathaus Mitte auf dem Areal des „Hauses der Statistik“. / © Visualisierung: Atelier Schmelzer Weber Architekten

DDR-Geschichte bleibt im Quartier sichtbar

Der Bebauungsplan nimmt auch ältere historische Schichten auf. Der frühere Verlauf der Landwehrstraße am „Haus der Gesundheit“ sowie die Trasse der ehemaligen Landsberger Straße sollen im öffentlichen Raum wieder erkennbar werden. Das denkmalgeschützte „Haus der Gesundheit“, das in der DDR als Poliklinik diente, soll nach dem Rückbau störender Nebengebäude wieder stärker als historisches Eckhaus wahrgenommen werden.

Der Komplex des „Hauses der Statistik“ entstand Ende der 1960er-Jahre. Dort arbeiteten die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik der DDR und Abteilungen des Ministeriums für Staatssicherheit. Nach der Wiedervereinigung nutzten das Statistische Bundesamt und die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Teile der Gebäude. Das Ensemble bestand ursprünglich aus sieben Häusern. Die Häuser A bis D blieben erhalten und wurden saniert, während die niedrigeren Häuser E, F und G inzwischen abgerissen wurden.

Bebauungsplan für „Hauses der Statistik“ ist noch nicht beschlossen

Der Bebauungsplan befindet sich weiterhin im Verfahren und ist noch nicht rechtsverbindlich. Die Öffentlichkeit kann die Unterlagen vom 20. Juli bis einschließlich 21. August 2026 prüfen und Stellungnahmen abgeben. Der Bezirk führt das Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch als beschleunigtes Verfahren ohne formelle Umweltprüfung durch. Eingegangene Hinweise fließen anschließend in die Abwägung ein. Erst danach folgen die weiteren politischen und rechtlichen Schritte.

Die vollständigen Dokumente stehen im Berliner Beteiligungsportal DiPlanung und auf mein.berlin.de bereit. Dort finden sich neben der Planzeichnung und der 110-seitigen Begründung auch Untersuchungen zu Verkehr, Schall, Verschattung, Regenwasser, Boden und weiteren Umweltthemen.

Quartier am „Hauses der Statistik“

 

Quellen: Bezirksamt Mitte von Berlin, DiPlanung Berlin, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlin.de

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One Comment

  1. Antje Lorenz 20. Juli 2026 at 16:20 - Reply

    Die Belange der Mieterinnen und Mieter des Hauses Mollstraße 5-7, die unmittelbar an der Baustelle wohnen, wurden in keiner Weise berücksichtigt. Seit 2 Jahren leiden wir unter Lärm und Dreck. Momentan werden ab 5.30 Uhr Kieslieferungen abgeladen. Es ist unerträglich. Zukünftig soll der gesamte Lieferverkehr und die Müllabfuhr über die kleine Berolinastraße an der Rückseite unseres Hauses erfolgen. Da nützen uns die hübschen Computervisualisierungen gar nichts

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