Rund um den Berliner Hauptbahnhof schließen in Berlin-Mitte sich nach fast zwei Jahrzehnten die letzten großen Baulücken. Neue Bürogebäude, Wohnungen und Freiräume vervollständigen eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsgebiete der Hauptstadt.

Die letzten Lücken werden geschlossen: direkt am Humboldthafen plant CA Immo einen modernen Büroneubau mit Gastronomieflächen und öffentlichkeitsorientierten Nutzungen im Erdgeschoss. / © CA Immo Deutschland GmbH
© Titelbild: Wikimedia Commons, Ansgar Koreng (CC BY-SA 4.0)
Als der Berliner Hauptbahnhof im Mai 2006 eröffnet wurde, wirkte sein Umfeld an vielen Stellen noch vollkommen unfertig. Zwischen Europaplatz, Humboldthafen und Invalidenstraße erstreckten sich Brachflächen, Baustraßen und unbebaute Grundstücke. Zwar galt der neue Bahnhof schon damals als architektonisches Wahrzeichen der Hauptstadt, doch das geplante Stadtquartier ringsherum existierte zunächst nur auf Plänen.
Zwei Jahrzehnte später hat sich das Bild grundlegend verändert. Rund um Deutschlands größten Kreuzungsbahnhof ist ein neues innerstädtisches Quartier entstanden, das Bürogebäude, Hotels, Wohnungen, öffentliche Plätze und Promenaden miteinander verbindet.
Nun steht die Entwicklung vor einer neuen Etappe: Mit mehreren aktuellen Bauprojekten werden die letzten größeren Baulücken geschlossen und die städtebauliche Entwicklung des Bahnhofsumfeldes weitgehend vollendet.
Berlin Hauptbahnhof: Eine neue Station wächst in die Stadt hinein
Der Berliner Hauptbahnhof war nie als Solitär gedacht. Von Beginn an sollte er das Herzstück eines völlig neuen Stadtquartiers bilden, das sich zwischen Regierungsviertel, Europacity und Spree entwickelt. Die Flächen entlang des Humboldthafens gehörten über Jahrzehnte zu den größten innerstädtischen Entwicklungsgebieten Berlins.
Während der Bahnhof bereits 2006 eröffnet wurde, dauerte (und dauert) die Entwicklung seines Umfeldes deutlich länger. Viele Grundstücke blieben zunächst unbebaut, da Investitionen infolge der Finanzkrise verschoben wurden oder sich Planungen änderten. Erst in den vergangenen zehn Jahren nahm die Bautätigkeit deutlich Fahrt auf.

Tausende Besucherinnen und Besucher feierten im Mai 2006 die Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Umfeld zu einem der größten Stadtentwicklungsgebiete der Hauptstadt. / © Wikimedia Commons, Jochen Teufel
Das markante Dach des Berliner Hauptbahnhofs verschwindet zunehmend
Noch zur Eröffnung war das weithin sichtbare Glasdach des Hauptbahnhofs aus nahezu allen Himmelsrichtungen zu erkennen (trotz der unfreiwilligen Kürzung durch die Deutsche Bahn AG). Heute präsentiert sich ein völlig anderes Bild.
Entlang des Humboldthafens, am Europaplatz sowie entlang der Invalidenstraße haben zahlreiche Neubauten den Bahnhof eingerahmt. Hotels, Bürogebäude und Verwaltungsbauten bilden inzwischen eine geschlossene Stadtkante und lassen das markante Dach des Bahnhofs vielerorts nur noch teilweise erkennen.
Diese Entwicklung war städtebaulich von Anfang an vorgesehen. Ziel war es, den Bahnhof nicht isoliert stehen zu lassen, sondern ihn dauerhaft in ein urbanes Stadtquartier einzubinden.
Im Norden des Hauptbahnhofs: Anna-Lindh-Haus schließt den Europaplatz

Die Frontansicht des Anna-Lindh-Hauses zeigt den aktuellen Baufortschritt des Büroprojekts mit fast vollständig montierter Glasfassade. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Besonders sichtbar wird dieser Wandel derzeit am Europaplatz. Dort nähert sich das Anna-Lindh-Haus seiner Fertigstellung. Die nahezu vollständig verglaste Fassade prägt bereits heute den westlichen Eingang des Hauptbahnhofs.
Mit dem Neubau verschwindet eine der letzten prominenten Freiflächen unmittelbar am Bahnhof. Gleichzeitig erhält der Europaplatz eine deutlich klarere räumliche Fassung und entwickelt sich zunehmend zu einem urbanen Stadteingang.
CA Immo entwickelt Bürogebäude: Neubau am Humboldthafen geplant

Direkt am Humboldthafen plant CA Immo einen modernen Büroneubau mit Gastronomieflächen und öffentlichkeitsorientierten Nutzungen im Erdgeschoss. / © CA Immo Deutschland GmbH
Auch am Humboldthafen geht die Entwicklung weiter. Für eine bislang unbebaute Fläche direkt am Wasser ist ein neues Bürogebäude vorgesehen. Geplant sind moderne Arbeitsflächen, eine öffentlich zugängliche Dachterrasse sowie Gastronomie entlang der Uferpromenade.
Damit soll die bereits heute stark frequentierte Promenade weiter belebt und die bislang noch offene Uferkante geschlossen werden. Der Humboldthafen entwickelt sich damit immer stärker zu einem eigenständigen Stadtbaustein zwischen Hauptbahnhof und Europacity.
Lehrter Campus bleibt als städtebauliches Puzzlestück, doch der Neubau stockt

Stockendes Neubauprojekt am Hauptbahnhof: Der Lehrter Campus neben dem EDGE Grand Central. / Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Zu den letzten größeren Entwicklungsflächen zählt auch der Lehrter Campus nordwestlich des Hauptbahnhofs. Obwohl die Baustelle zuletzt nur langsam vorankam, besitzt das Projekt weiterhin eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung des Quartiers.
Nach seiner Fertigstellung wird auch dieses bislang wenig entwickelte Areal städtebaulich deutlich stärker an den Hauptbahnhof angebunden. Derzeit allerdings scheint die Baustelle mehr zu ruhen als voran zu kommen.
Letztes offenes Entwicklungsgebiet: Bebauungsplan für den Humboldthafen bringt Klarheit

Der rot markierte Bereich zeigt das Plangebiet des Bebauungsplanentwurfs II-201da „Humboldthafen Süd“ in Mitte. Geplant sind unter anderem neue Gebäude, öffentliche Uferpromenaden und publikumsorientierte Nutzungen entlang des Hafenbeckens. / © Luftbild: FIS-Broker, SenStadt
Eine zentrale Rolle spielt dabei der neue Bebauungsplan für den Bereich Humboldthafen Süd. Er legt die Rahmenbedingungen für die Entwicklung mehrerer bislang unbebauter Grundstücke fest und schafft die planungsrechtliche Grundlage für weitere Neubauten.
Vorgesehen ist ein gemischt genutztes Quartier mit Büroflächen, Hotels, Dienstleistungen sowie öffentlich zugänglichen Freiräumen. Gleichzeitig sollen Wegebeziehungen verbessert und die unterschiedlichen Teilquartiere rund um den Bahnhof besser miteinander vernetzt werden.
Mit dem Bebauungsplan endet zugleich eine lange Phase städtebaulicher Zwischenzustände, zumindest planrechtlich. Zahlreiche Grundstücke, die über Jahre lediglich als Parkplatz oder Baustelleneinrichtungsfläche genutzt wurden, können nun dauerhaft entwickelt werden.
Auch die Freiräume rund um den Hauptbahnhof verändern sich

Die ersten Bäume auf dem Europaplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof sind gesetzt. Trotz laufender Bauarbeiten wird bereits sichtbar, wie sich der bislang stark versiegelte Stadtraum künftig verändern soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Nicht nur die Gebäude prägen den Wandel des Bahnhofsumfeldes. Auch die öffentlichen Räume werden derzeit umfassend neugestaltet. Am Europaplatz sind bereits zahlreiche neue Bäume gepflanzt worden. Neue Pflasterflächen, Aufenthaltsbereiche und Wege sorgen dafür, dass der Platz künftig deutlich grüner und attraktiver wirken soll als in den vergangenen Jahren.
Damit verändert sich auch der Charakter des Bahnhofsvorplatzes. Wo bislang vor allem Verkehr und versiegelte Flächen dominierten, sollen nach und nach neue Aufenthaltsqualitäten und besser strukturierte Verkehrsräume entstehen. Die ersten neuen Bäume auf dem nördlichen Vorplatz wurden bereits aufgestellt.
Neue Hochhäuser: Das ULAP-Quartier als nächster großer Entwicklungsschritt

In unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof soll in Moabit das neue ULAP-Quartier entstehen. / © Visualisierung: ISSS | bauchplan
Die Entwicklung endet jedoch nicht unmittelbar am Hauptbahnhof. Nur wenige Gehminuten entfernt soll auf dem Gelände des ehemaligen Landeslabors das neue ULAP-Quartier entstehen. Geplant sind rund 250 Wohnungen sowie ergänzende Gewerbe- und Dienstleistungsflächen.
Das Projekt erweitert die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes in Richtung Moabit und zeigt, dass sich die Dynamik inzwischen auf angrenzende Quartiere ausweitet. Auch dieses Vorhaben folgt dem Leitbild einer gemischten Stadt, in der Wohnen, Arbeiten und öffentliche Räume eng miteinander verzahnt werden, steht aber noch ganz am Anfang der Planung.
Der Berliner Hauptbahnhof: Vom Provisorium langsam zum urbanen Stadtquartier?
Rund zwanzig Jahre nach der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs ist aus den einstigen Freiflächen eines der am stärksten veränderten Stadtgebiete Berlins geworden. Das Umfeld des Bahnhofs wird heute von moderner Architektur, gemischten Nutzungen und einer deutlich höheren baulichen Dichte geprägt.
Mit Projekten wie dem Anna-Lindh-Haus, den Neubauten am Humboldthafen, dem Lehrter Campus, der 61 Hektar großen Europacity und dem geplanten ULAP-Quartier werden nun auch die letzten großen Entwicklungsflächen nach und nach bebaut.
Gleichzeitig rückt die qualitative Weiterentwicklung der öffentlichen Räume stärker in den Fokus. Der Berliner Hauptbahnhof selbst bleibt dabei das städtebauliche Zentrum des Quartiers. Anders als noch vor zwanzig Jahren steht er heute jedoch nicht mehr allein auf weiter Flur, sondern ist Teil eines gewachsenen innerstädtischen Stadtteils, dessen Entwicklung sich ihrem vorläufigen Abschluss nähert.
Humboldthafen
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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„Urban“ ist da leider nicht viel, es ganze Umfeld erinnert leider ziemlich an manche Teile eines typischen Büroviertels in London: unter der Woche nur Angestellte auf dem Weg ins Büro oder in die Pause, am Wochenende überall tote Hose, bis auf wenige reisende Touristen, die dann auch nicht so recht wissen, was sie da machen sollen. Mich hätte noch viel mehr interessiert, ob es mittlerweile Pläne für das ursprünglich geplante 150 Meter-Hochhaus nordöstlich des Hauptbahnhofs oberhalb der S21 gibt.