Das zwischen 1898 und 1900 errichtete Apothekerhaus an der Friedrichstraße blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nun markiert der jüngste Eigentümerwechsel den nächsten Abschnitt in der Nutzung eines architektonisch markanten Innenstadtbausteins.

Immobiliendeal: Mit dem Verkauf der TOPAS-Arkade erhält ein historisch bedeutendes Gebäude in Berlin-Mitte einen neuen Eigentümer. / © Foto: Wikimedia Commons, Peter Kuley (CC BY-SA 3.0)
© Titelbild: Wikimedia Commons, Jörg Zägel (CC BY-SA 3.0)
Die frühere „Polnische Apotheke“ an der Ecke Friedrichstraße 153a/Mittelstraße, nach einer 1998 umfassenden Modernisierung als „TOPAS-Arkade“ bekannt, wurde in einem von der BNP Paribas initiierten Bieterverfahren von der UBS Real Estate an die Sonar Real Estate verkauft.
Das markante Gebäude war in den vergangenen Jahren von Fonds zu Fonds weitergereicht worden und steht inzwischen als Synonym für ein Innenstadtobjekt mit solider Ertragslage. Die Sonar Real Estate wird erkannt haben, dass das aktuelle Marktumfeld mit einer solchen auserkorenen Core-plus-Immobilie zukünftig – gerade für Investoren – eine längerfristig lohnende Perspektive bietet.
Ehemalige „Polnische Apotheke“ in der Friedrichstraße: Repräsentatives Gebäude aus der Gründerzeit
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein siebengeschossiges Eckgebäude mit insgesamt 5.600 Quadratmetern Mietfläche, davon 4.200 Quadratmeter für Büros und 1.100 Quadratmeter für Einzelhandels- und Gastronomieflächen.
Das Gebäude hat acht Achsen zur Friedrichstraße und drei Achsen zur Mittelstraße und wurde zwischen 1898 und 1900 als Apotheke vom Architekten Alfred Breslauer, einem Schüler Alfred Messels, dem Architekten des Wertheim-Gebäudes in der Leipziger Straße, erbaut.
Architekt des markanten Gebäudes in Berlin-Mitte war Alfred Breslauer
Auftraggeber für diesen mächtigen Neubau war die Apothekerfamilie Schacht, eben jener Apotheker Schacht, bei dem Theodor Fontane zwischen 1845/46 als zweiter Rezeptar tätig war. Die unteren drei Geschosse werden durch Sandsteinpfeiler zusammengefasst; darüber erhebt sich ein Attikageschoss, in dem sich ursprünglich die Apothekerwohnung befand.
Der Baumeister überzeugte seinen Auftraggeber von einer Außengestaltung, inspiriert durch die Fassade des Kaufhauses Wertheim, die den Stil der Berliner Geschäftshäuser in den nachfolgenden Jahren nachhaltig prägen sollte.
Bemerkenswerte Fassadengestaltung des einstigen Apothekerhauses: Adler mit ausgebreiteten Flügeln
Ein Arkadengang, dessen Arkadenbogen durch einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln verziert ist, zieht sich um das Geschäftshaus. Auf beiden Seiten des Adlers ist der Schriftzug „Polnische Apotheke“ angebracht, darüber eine Sandsteinkartusche mit dem Reliefbildnis der Kurfürstin Dorothea, der geschäftstüchtigen Gattin des Großen Kurfürsten, der die Berliner im ausgehenden 17. Jahrhundert viel zu verdanken haben.
Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude 1950 renoviert und erweitert; der Schriftzug „Polnische Apotheke“ samt dem bronzenen Adler und auch das Relief mit dem Profil der Kurfürstin Dorothea wurden im Zuge dieses Umbaus entfernt.
Die DDR-Baumeister entfernten den historischen Schriftzug „Polnische Apotheke“
An die knapp zweijährige Aufenthaltszeit Theodor Fontanes, der zum Apotheker Schacht immer ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, erinnert übrigens eine an der Außenwand angebrachte Gedenktafel. Die DDR nutzte das Gebäude als Reisebüro („Intourist“) und als Bürohaus.
Warum das Gebäude mit dem Namen „Polnische Apotheke“ versehen war, bleibt übrigens Spekulation. Er deutet eventuell auf einen damaligen Besitzer des Gebäudes hin, der Apotheker war und zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Königsberg stammte, was aber damals nicht zu Polen gehörte.
Quellen: Deal Magazine, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum, Immobilienmanager, BNP Paribas, UBS Real Estate, Sonar Real Estate
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