Wo im Kalten Krieg geheime Informationen abgehört wurden, soll künftig offener Dialog entstehen. Der Teufelsberg Campus will Forschung, Bildung, Wirtschaft und Kunst an dem geschichtsträchtigen Ort miteinander verbinden. Die Vision: der Teufelsberg als Ort des internationalen Austauschs und als Reallabor für Transformation.

Paul Baumann, CEO der URBAN UTOPIA GmbH, erklärt bei einer Veranstaltung der „Berlin Science Week“, wie er sich den Teufelsberg Campus vorstellt. / © Foto: Teufelsberg Campus, Johannes Zerbst
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Der Berliner Teufelsberg ist einer der geschichtsträchtigsten Orte der Hauptstadt. Aufgeschüttet aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs über den Fundamenten einer nie fertiggestellten Wehrtechnischen Fakultät der Nationalsozialisten, wurde der Hügel im Kalten Krieg zum Abhörposten der US-Streitkräfte. Nach dem Abzug des Militärs wurden die Gebäude in den 1990er Jahren als Flugsicherungsradar-Station genutzt, seit Anfang der 2000er Jahre stehen sie weitgehend leer. Seit 2018 ist der Berg als Gesamtanlage denkmalgeschützt und fungiert als öffentlich zugänglicher Ort für Street Art, Führungen und Veranstaltungen – mit einer der eindrucksvollsten Aussichtsplattformen der Stadt.
Nun steht der Teufelsberg als Ort für Kunst, Freiheit und Transformation erneut vor einem grundlegenden Wandel. Mit dem „Teufelsberg Campus“ soll auf dem berühmten Hügel im Berliner Westen ein Zukunftsort für Wissenschaft, Kultur, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Dialog entstehen.
„Teufelsberg Campus“ soll kein klassischer Wissenschaftsstandort werden
Seit Sommer 2024 treibt die IGTB GmbH & Co. Investorengemeinschaft Teufelsberg KG ihre Vision für das 50.000 Quadratmeter große Gelände mit rund 20.000 Quadratmetern Gebäudefläche voran. Laut CEO Joachim F. Meier soll der „Teufelsberg Campus“ kein klassischer Wissenschaftsstandort sein, sondern ein Ort für Ideen und Zusammenarbeit. Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft sollen künftig im Grunewald zusammenkommen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten. Das Ziel: innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln.
Geplant sind Kooperationen mit Universitäten, Real-Labore für angewandte Forschung, Artist & Research Residencies sowie Formate für politische Bildung und gesellschaftlichen Dialog. „Der Teufelsberg ist kein reiner Raum zum Mieten, sondern ein Raum, der inspiriert – ein Ort, an dem neue Konzepte und Kooperationen entstehen können“, so Meier bei der Auftaktveranstaltung am 4. November im Säälchen am Holzmarkt. Dort wurde das Projekt im Rahmen der „Berlin Science Week“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Neue Vision für den Grunewald: Der Teufelsberg als Ort von Austausch und Partizipation
Rund 100 Gäste aus Wissenschaft, Kunst und Kultur waren bei der Veranstaltung anwesend, um über die künftige Rolle des ikonischen Berges zu diskutieren. Unter dem Motto „Vom Ort des Lauschens zum Ort des Zuhörens“ entwickelten Vertreterinnen und Vertreter von TU Berlin, UN Academic Impact, Global Goals for Berlin und weiteren Institutionen erste Ideen für die Ausgestaltung des Campus.
„Der ‚Teufelsberg Campus‘ könnte zu einem Ort zivilgesellschaftlicher Partizipation werden. Ein Ort, an dem Menschen, Ideen und Kultur zusammenkommen, um etwas ganz Neues zu formen“, sagte Johanna Sieben vom Creative Bureaucracy Festival. Christine Brummer vom Global Goals for Berlin e.V., die am Projekt Expo 2035 mitarbeitet, betonte das Potenzial für eine nachhaltige Stadtentwicklung im Berliner Westen: „Der Teufelsberg kann zu einem Ort des interdisziplinären Austauschs und des offenen Dialogs werden – eine gemeinsame Vision für eine nachhaltige Zukunft.“
„Teufelsberg Campus“: Fusion von Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und zivilgesellschaftlicher Teilhabe
Als Schwerpunkt für den „Teufelsberg Campus“ sieht die IGTB unter anderem die Förderung wissenschaftlicher und praxisorientierter Projekte in den Bereichen Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus sollen der Austausch zwischen Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, der Wissenstransfer sowie der internationale Dialog gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Kunst und Kultur fester Bestandteil des Teufelsbergs bleiben, unter anderem mit Street-Art-Ausstellungen und experimentellen Formaten, die neue Denkansätze fördern.
Wie der „Teufelsberg Campus“ in Zukunft konkret aussehen könnte, muss sich in den kommenden Jahren zeigen. Noch befindet sich das Projekt in der Anfangsphase. Derzeit wird das Vorhaben von Brain City Berlin, der Technischen Universität Berlin, United Nations Academic Impact (UNAI) SDG 11 Chair Hub und URBAN UTOPIA unterstützt. Neue Kooperationen mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen befinden sich laut der IGTB bereits in Vorbereitung.
Quellen: IGTB GmbH & Co. Investorengemeinschaft Teufelsberg KG, Technische Universität Berlin, Holzmarkt 25 EG
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Ganz Berlin ist ein einziger Zukunftsort – so, wie der Teufelsberg: in der Gegenwart schmuddelig und marode…und in der erhofften Zukunft … ein toller Zukunftsort.
Wer’s glaubt!