Anzeige
Seit Jahren wird das Kulturhaus im Berliner „Prater“ saniert, mit vielen Rückschlägen. Nun sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen. Doch die Eröffnung verzögert sich weiter: Brandschutz und Zuständigkeitsfragen blockieren den Neustart von Theater und Galerie.

An warmen Sommerabenden füllt sich der „Prater“ in Berlin-Mitte mit Berlinerinnen und Berlinern sowie Touristinnen und Touristen, die unter alten Kastanienbäumen ein kühles Bier genießen. Doch neben dem traditionsreichen Biergarten gehört auch die benachbarte Volksbühne-Spielstätte zum Ensemble – ein Ort, der Gastronomie und Kultur verbindet. / © Foto: Wikimedia Commons, calflier001, CC BY-SA 2.0

© Foto: Wikimedia Commons, calflier001, CC BY-SA 2.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Superbass, CC BY-SA 3.0

 

ANZEIGE

Nach jahrelanger Verzögerung sind die Sanierungsarbeiten am historischen Kulturhaus des Berliner „Praters“ fast abgeschlossen. Bereits im Mai sollten laut Bezirksamt die Arbeiten am Außengelände beendet sein. Tatsächlich verschiebt sich der Termin erneut, nun hofft man auf Ende Juli. Ein Sprecher des Bezirksamts Pankow erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost, die Außenanlagen seien für eine Nutzung zwingend erforderlich, da sie als Flucht- und Rettungswege dienen.

Besondere Sorgen bereitet weiterhin die Sprinkleranlage im Theatersaal. Eine Nutzungserlaubnis durch den Brandschutzprüfer steht noch aus. Die Volksbühne, die das Haus künftig als zweite Spielstätte nutzen will, bleibt außen vor, auch wenn die eigentliche Sanierung des Gebäudes abgeschlossen ist.

Zersplitterte Zuständigkeiten: Theater, Galerie und Biergarten gehen getrennte Wege

Unklar ist auch die Aufteilung der Verantwortlichkeiten im „Prater“-Ensemble. Der Theaterbereich soll künftig durch die Volksbühne betrieben werden. Die benachbarte Galerie verbleibt beim Bezirksamt Pankow. Das Bezirksamt will das Gebäude an die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) übertragen. Frühere Pläne sahen eine gemeinsame Nutzung des gesamten Ensembles durch den Bezirk vor. Diese Idee scheint nun endgültig verworfen.

ANZEIGE

Noch offen bleibt die endgültige Regelung für den angrenzenden Biergarten. Die Pächterin setzte sich in einem langwierigen Rechtsstreit erfolgreich gegen geplante Umgestaltungen und Baumfällungen zur Wehr. Der Biergarten soll nun unabhängig vom Kulturhaus fortbestehen.

Kostensteigerung um 35 Prozent: Sanierung verteuert sich durch Pandemie, Krieg und Baupreise

Die ursprünglichen Kosten für die Sanierung des Kulturhauses lagen bei 7,5 Millionen Euro. Durch Bauverzögerungen und Preissteigerungen erhöhte sich die Summe um rund 35 Prozent. Verantwortlich seien unter anderem die Pandemie, der Krieg in der Ukraine und steigende Baupreise, so das Bezirksamt. Die Mehrkosten wurden von mehreren Stellen mitgetragen, darunter auch die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Kultur.

Trotz der Haushaltslage wurden zuletzt auch Mittel für die denkmalgerechte Herstellung der Außenanlagen bewilligt. Diese gelten als Voraussetzung für die abschließenden technischen Prüfungen und eine mögliche Freigabe durch die Bauaufsicht, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

ANZEIGE

Ungewisse Wiedereröffnung: Volksbühne wartet auf Übergabe, Galerie plant erste Ausstellungen

Obwohl die Bauarbeiten bald enden könnten, ist ein konkreter Eröffnungstermin weiter unklar. Die Volksbühne betont, man warte auf eine verlässliche Übergabe, bevor technische und künstlerische Planungen beginnen könnten. Ein baldiger Spielbeginn sei daher unwahrscheinlich.

Die bezirkliche Galerie im „Prater“ soll hingegen bald wieder Besucherinnen und Besucher empfangen. Während der Bauzeit wurde sie als digitales Kunstprojekt fortgeführt. Nun könnten reale Ausstellungen folgen – zumindest in diesem Teil des Ensembles scheint Bewegung möglich.

Vom Traditionsort zum Sanierungsfall: Der lange Weg zur Wiederbelebung des „Prater“-Ensembles

Der „Prater“ ist der älteste Biergarten Berlins und ein historischer Ort städtischer Unterhaltung. Bereits im 19. Jahrhundert verband er Wirtshausbetrieb, Theater und politische Versammlungen. Nach jahrzehntelangem Leerstand war 2019 die umfangreiche Sanierung des Kulturhauses gestartet, mit dem Ziel, das Ensemble wieder zu einem lebendigen Kulturort zu machen. Der Weg dorthin war jedoch geprägt von Verzögerungen, Streitigkeiten und strukturellen Problemen öffentlicher Bauvorhaben.

Quellen: Berliner Morgenpost, Berlin.de, Wikipedia

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.