Wird die Lange Brücke in Köpenick zur Elsenbrücke 2.0? Ein Vergleich zeigt ähnliche Risiken, aber auch wichtige Unterschiede bei Planung, Verkehrsführung und Bauablauf.

Die Lange Brücke in Köpenick überspannt die Dahme vor der historischen Altstadt. Im Hintergrund sind die Türme der Stadtkirche St. Laurentius und des Rathauses Köpenick zu sehen. Die Brücke soll in den kommenden Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.

Die „Lange Brücke“ verbindet die Köpenicker Altstadt mit der Köllnischen Vorstadt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild / Visualisierung: Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG

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Die Lange Brücke in Köpenick soll ab 2030 vollständig neu gebaut werden. Die Kombination aus langer Bauzeit, begrenzten Ausweichmöglichkeiten und hoher Verkehrsbelastung sorgt schon jetzt für Unruhe. Der Vergleich mit der Elsenbrücke liegt deshalb nahe. Dort führten schwere Schäden, komplizierte Bauphasen, Behelfsbrücken und unerwartete Probleme im Baugrund zu erheblichen Verzögerungen.

Die Elsenbrücke wurde über Jahre zu einem Nadelöhr im Berliner Osten. Damit stellt sich für Köpenick die zentrale Frage: Hat der Senat aus den Erfahrungen an der Elsenbrücke gelernt – oder droht der Langen Brücke ein ähnlicher Verlauf?

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  • Projekte: Ersatzneubau Lange Brücke und Ersatzneubau Elsenbrücke
  • Bezirke Lange Brücke: Treptow-Köpenick 
  • Bezirke Elsenbrücke: Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg
  • Geplante Bauzeit Lange Brücke: 2030-2034
  • Gesamtbauzeit Elsenbrücke: voraussichtlich 2020 bis 2028

Wird die Lange Brücke zur Elsenbrücke 2.0?

Als bei der Informationsveranstaltung zum Ersatzneubau der Langen Brücke der Begriff „Elsenbrücke 2.0“ fiel, reagierte der Saal aufmerksam. Hinter der Bemerkung stand die Sorge der Teilnehmenden vor einer jahrelangen Baustelle, wechselnden Verkehrsführungen und einem Fertigstellungstermin, der immer weiter nach hinten rückt.

Ganz unbegründet ist die Verbindung nicht. Sowohl die Lange Brücke in Köpenick als auch die Elsenbrücke in Treptow gehören zu den zentralen Verkehrsachsen im Berliner Osten. Beide Bauwerke konnten beziehungsweise können nicht dauerhaft instandgesetzt werden. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre Ausgangslagen deutlich.

Die Lange Brücke in Köpenick führt über die Dahme und zeigt die bestehende Verkehrsführung, die im Zuge des Ersatzneubaus und des aktuellen Zeitplans neu organisiert werden soll.

Die Lange Brücke in Köpenick überspannt die Dahme und soll im Rahmen des geplanten Ersatzneubaus ab 2030 schrittweise erneuert werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Lange Brücke in Köpenick: Provisorien stehen seit den 1990er-Jahren

Die Lange Brücke verbindet die Köpenicker Altstadt mit der Köllnischen Vorstadt und Spindlersfeld. Neben dem historischen Bauwerk stehen zwei Behelfsbrücken von 1994. Nach Abschluss dieser Arbeiten zeigte sich, dass die historische Brücke das steigende Verkehrsaufkommen nicht allein bewältigen konnte. Seitdem verteilt sich der Verkehr auf das alte Bauwerk und die Provisorien.

Die damalige Instandsetzung verbesserte die Bausubstanz nicht ausreichend. Wegen des Zustands der Brücken und der Belastung durch den Schwerverkehr gilt seit 2018 eine Höchstgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde. Die Senatsverwaltung plant deshalb seit 2021 einen vollständigen Ersatz. Der untersuchte Abschnitt zwischen Schlossplatz und Köllnischem Platz ist etwa 330 Meter lang. Für den Bereich erwartet die Verkehrsprognose rund 35.000 Kraftfahrzeuge pro Tag.

Auf der Elsenbrücke in Treptow-Köpenick kommt es immer wieder zu Staus.

Die Elsenbrücke verbindet die Bezirke Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg. Hier ist Stau an der Tagesordnung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Elsenbrücke: Aus einem Schaden wurde eine jahrelange Großbaustelle

Bei der Elsenbrücke begann die Entwicklung dagegen mit einem akuten Befund. Bauwerksprüfungen zeigten im Sommer 2018 umfangreiche Schäden, die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit beeinträchtigten. Als wesentliche Ursachen nennt der Senat einen Spannkraftverlust des verwendeten Spannstahls sowie hohe Temperaturunterschiede. Eine Reparatur oder ein Austausch der betroffenen Spannglieder war technisch nicht möglich. Deshalb mussten beide parallel verlaufenden Überbauten ersetzt werden.

Der Senat teilte das Projekt in vier große Bauphasen: Zunächst wurde ein Teil der Bestandsbrücke abgerissen, anschließend entstanden Behelfsbrücken. Danach folgten der Rückbau des zweiten Überbaus und der erste Ersatzneubau. Im letzten Schritt sollen die Provisorien verschwinden und das zweite neue Teilbauwerk entstehen. Die offizielle Projektseite nennt inzwischen eine Gesamtbauzeit von 2020 bis 2028 und Gesamtkosten von rund 97,7 Millionen Euro.

Die Elsenbrücke wird seit Jahre aufwendig saniert.

Die Elsenbrücke wird seit Jahren aufwendig saniert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Unbekannter Baugrund verzögerte die Elsenbrücke

Gerade die Elsenbrücke zeigt, wie schnell präzise Terminpläne an den tatsächlichen Bedingungen einer Baustelle scheitern können. Im Baugrund stießen die Arbeiten auf nicht dokumentierte Hindernisse und Stahlschrott. Nach Angaben eines Projektverantwortlichen kosteten der schwierige Untergrund und unbekannte Bauteile rund um die Pfeiler etwa neun zusätzliche Monate. Später erschwerten starke winterliche Bedingungen weitere Arbeiten.

Hinzu kam eine verkehrliche Entwicklung, die den Engpass noch sichtbarer machte: Mit der Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 traf zusätzlicher Verkehr unmittelbar auf die Baustelle an der Spree. Die zeitweise stark eingeschränkte Elsenbrücke entwickelte sich damit zum Nadelöhr zwischen Treptow und Friedrichshain. Inzwischen stehen wieder drei Fahrstreifen je Richtung zur Verfügung, doch der gesamte Ersatzneubau ist noch nicht abgeschlossen.

Was der Senat bei der Langen Brücke anders plant

In Köpenick will die Verwaltung Risiken ähnlicher Art früher berücksichtigen. Bei der Informationsveranstaltung erläuterten die Verantwortlichen, dass Versorgungsunternehmen, BVG, Feuerwehr und Rettungsdienste bereits in die Planung eingebunden seien. Die Bauphasen sollen so angelegt werden, dass wichtige Straßenverbindungen möglichst erhalten bleiben. Auch die bestehenden Behelfsbrücken werden bis zum Neubau weiter ertüchtigt.

Ein entscheidender Unterschied ist zudem die Straßenbahn. Während des Ersatzneubaus der Langen Brücke soll der Tramverkehr vollständig unterbrochen werden. Busse sollen den Schienenersatzverkehr übernehmen und gemeinsam mit dem übrigen Verkehr die Baustelle passieren.

Die Aufnahme zeigt die Behelfsbrücke der Langen Brücke in Köpenick mit Blick auf die Türme der Altstadt. Die Stahlkonstruktion über der Dahme soll im Rahmen des geplanten Ersatzneubaus durch eine neue Brücke ersetzt werden.

Die Behelfsbrücke der Langen Brücke in Köpenick soll im Zuge des geplanten Ersatzneubaus zurückgebaut werden. Während der Bauzeit ist ein mehrjähriger Schienenersatzverkehr vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Westumfahrung könnte Köpenick während der Bauzeit entlasten

Zugleich versucht der Senat, weitere Köpenicker Verkehrsprojekte zeitlich aufeinander abzustimmen. Der erste Abschnitt der geplanten Westumfahrung der Bahnhofstraße könnte nach Angaben bei der Veranstaltung vor Beginn des Brückenneubaus fertig oder zumindest weit fortgeschritten sein. Eine verbindliche Zusage gibt es dafür bislang nicht.

Ob die Lange Brücke tatsächlich zur „Elsenbrücke 2.0“ wird, lässt sich daher nicht seriös vorhersagen. Der Senat plant früher, stimmt mehr Beteiligte ab und kann die Erfahrungen aus dem Bau an der Elsenbrücke berücksichtigen. Unbekannte Hindernisse im Baugrund, Vergabeverfahren, Leitungsarbeiten oder technische Probleme lassen sich jedoch auch mit guter Vorbereitung nicht vollständig ausschließen.

Lange Brücke
Elsenbrücke

 

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, rbb24

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3 Kommentare

  1. at 21. Juli 2026 at 12:01 - Reply

    Habe gerade den Entwurf für die Carolabrücke von Grassl und gmp in Dresden gesehen. Genau das Teil würde auf diese Dimensionen eingedampt perfekt her passen und mit seinem scheibeweisen Einbau (adaptiert) noch dazu das Weiternutzungskonzept während der Bauphase ermöglichen…Hauptsache, die drei ekligen Fachwerkträger verschwinden endlich bald mal. Schon schlimm genug, dass das gesamte Schlossgebiet durch diese aufgedunsene Trasse an sich so massivst verunstaltet wird.

  2. ChrisB 22. Juli 2026 at 13:43 - Reply

    Nachdem, was bis dato über die geplanten Baumaßnahmen bekannt wurde, wird 2030 mit Beginn der Bauarbeiten das totale Chaos ausbrechen. Es gab ja in Köpenick im Bereich der Müggelheimer Str. bereits einige Kostproben was für ein Stau entsteht, wenn unnötigerweise auf eine Spur pro Fahrtrichtung verengt wird. Unnötigerweise deshalb, weil es ja unbedingt eine Busspur geben musste, die praktischer Weise nur den Nutzen hatte Stau auf der verbliebenen Spur zu erzeugen. Hätte es 2 Individualspuren für beide Richtungen gegeben, dann hätte weder der Individualverkehr noch die BVG im Stau gestanden. Nun droht das selbe Szenario auf der Behelfsbrücke, welche ja auch für 2 Fahrspuren pro Fahrtrichtung konzipiert wurde. Sollten hier noch baurechtliche Bedenken vorhanden sein, etwa aufgrund des Alters des Baus, wären jetzt noch 4 Jahre Zeit um Abhilfe zu schaffen und für einen fast normalen Verkehrsfluss zu sorgen.

  3. ChrisB 22. Juli 2026 at 13:48 - Reply

    Achja ganz vergessen, liebe Grüße an die zuständige Denkmalschutzbehörde, der wir die ganze Misere ja letztendlich zu verdanken haben. Diese hatte sich ja in den 90’ern vehement gegen eine Verbreiterung der Schloßbrücke ausgesprochen.

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