Im Umfeld der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain verdichten sich mehrere Hochhaus-Pläne. Neben dem Amazon Tower geht es um „The Hub“, die Rudolfstraße 18/19 und das RAW-Gelände.

Der Bahnhof Warschauer Straße gilt als zentraler Verkehrsknotenpunkt im Umfeld der geplanten Hochhaus-Projekte in Friedrichshain. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Warschauer Straße steht mit dem „EDGE East Side“ bereits ein 140 Meter hohes Hochhaus. Nun prüfen Investoren weitere Pläne: „The Hub“, ein Wohnhochhaus an der Rudolfstraße und ein Hochhaus auf dem RAW-Gelände. Das Berliner Baukollegium fordert vor allem ein Gesamtkonzept.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Ort: Umfeld Warschauer Straße und Warschauer Brücke
- Bestand: „EDGE East Side“ / „Amazon Tower“, rund 140 Meter hoch
- Geplant: „The Hub“, rund 120 Meter, Büroflächen
- Geplant: Rudolfstraße 18/19, rund 167 Meter, Wohnen
- Geplant: RAW-Gelände, rund 100 Meter, derzeit unklar
An der Warschauer Straße stellt sich eine städtebauliche Grundfrage: Verträgt der Kiez ein weiteres Hochhaus oder überschreitet die Verdichtung bereits die Belastungsgrenze des Ortes? Mit dem „EDGE East Side“, besser bekannt als „Amazon Tower“, hat der Stadtraum an der Warschauer Brücke bereits einen markanten Hochpunkt erhalten. Das Gebäude prägt den Raum zwischen Warschauer Brücke, Uber Arena, East Side Mall und RAW-Gelände deutlich.

An der Rudolfstraße nahe der Warschauer Straße prüft ein Investor den Bau eines weiteren Hochhauses mit Wohnnutzung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Anschutz Group prüft Hochhaus östlich der Warschauer Brücke
Gleichzeitig liegen weitere Hochhaus-Pläne auf dem Tisch. Die Anschutz Group prüft östlich der Warschauer Brücke auf der Buswendeschleife den Neubau „The Hub“. Das Gebäude soll rund 120 Meter hoch werden und zwischen S- und U-Bahnhof Warschauer Straße entstehen.
Vorgesehen sind ein Mobility Hub, eine Bahnhofshalle, öffentlichkeitswirksame Nutzungen im Erdgeschoss, mietpreisgedämpfte Gewerbeflächen für soziale Träger und gemeinwohlorientierte Unternehmen sowie Büroflächen in den oberen Geschossen. Das oberste Geschoss soll öffentlich zugänglich sein.

Auf der Buswendeschleife an der Warschauer Straße könnte mit „The Hub“ ein weiteres Hochhaus nahe der Warschauer Brücke entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Warschauer Straße: Baukollegium sieht Hochhaus „The Hub“ kritisch
Das Berliner Baukollegium bewertet die Idee, den Verkehrsknotenpunkt an der Warschauer Straße besser zu ordnen, grundsätzlich als nachvollziehbar. Der Ort gilt als stark frequentiert und unübersichtlich. Eine bessere Verbindung zwischen U-Bahnhof, S-Bahnhof, Brücke und angrenzenden Quartieren könnte den Stadtraum aufwerten. Das Gremium bezweifelt jedoch, dass ein weiteres Hochhaus mit Mobility Hub diese Aufgabe löst.
Besonders kritisch sieht das Baukollegium die mögliche Wirkung von „The Hub“ neben dem „EDGE East Side“. Ein zweiter hoher Turm könnte eine Art Torwirkung erzeugen. Diese Wirkung hält das Gremium an dieser Stelle für unerwünscht. Auch der geringe Abstand zu bestehenden und geplanten Hochpunkten spricht aus Sicht des Baukollegiums gegen ein weiteres Hochhaus dieser Größenordnung.

Der „EDGE East Side Tower“, bekannt als „Amazon Tower“, prägt die Hochhaus-Silhouette an der Warschauer Straße bereits heute deutlich. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
167-Meter-Hochhaus an der Rudolfstraße geplant
Denn: In unmittelbarer Nähe, an der Rudolfstraße 18/19, plant die Atrium Development Group ein weiteres großes Vorhaben. Die Aufgabenstellung im Werkstattverfahren sah zunächst einen Turm mit rund 120 Metern Höhe vor.
Der ausgewählte Entwurf von Henning Larsen Architects schlägt jedoch ein Hochhaus mit 167 Metern und rund 50 Vollgeschossen nahe der Warschauer Straße vor. Geplant sind drei Baukörper: Forumshaus, Hochhaus und Hofhaus. Im Erdgeschoss sollen unter anderem Passage, Streetfood, Dienstleistungen, Café, Fitness, Restaurants und eine Kita Platz finden.

Das Grundstück an der Rudolfstraße zählt zu den umstrittenen Hochhaus-Plänen an der Warschauer Straße und liegt nahe dem „Amazon Tower“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Rudolfstraße: Uneinigkeit über Höhe und Dichte des Wohnturms
Beim Projekt Rudolfstraße 18/19 gibt das Baukollegium kein einheitliches Votum zur Höhe ab. Teile des Gremiums halten ein schlankes Wohnhochhaus mit 167 Metern für vertretbar. Andere Mitglieder verweisen auf die frühere Empfehlung von 80 bis 90 Metern und sehen diese Höhe weiter als angemessen an. Damit bleibt die Höhenfrage offen, auch wenn das Gremium mehrere Überarbeitungen fordert.
Konkret empfiehlt das Baukollegium eine erkennbare Verringerung des geplanten Volumens. Die östliche Blockrandbebauung soll die Traufhöhe der gründerzeitlichen Umgebung nicht überschreiten. Zudem soll das Hochhaus stärker als öffentlich wahrnehmbarer Baukörper funktionieren. Die Platzfigur an der Rudolfstraße überzeugt das Gremium noch nicht. Auch die Verbindung zwischen Sockel, Hochhaus und weiteren Bauteilen soll überprüft werden.

In der Nähe der Warschauer Brücke könnte dieses Hochhaus in der Rudolfstraße gebaut werden. / © Visualisierung: Henning Larsen Architekten
Hochhaus-Pläne auch für RAW-Gelände
Neben „The Hub“ und Rudolfstraße bleibt das RAW-Gelände Teil der Debatte um neue Hochhäuser. Dort plante die Kurth Immobilien GmbH ein weiteres Hochhaus mit rund 100 Metern Höhe. Vorgesehen waren Büros, Gewerbe sowie soziokulturelle und gemeinwohlorientierte Nutzungen. Das Verfahren ruht jedoch, nachdem der Vorhabenträger die gemeinsame Erarbeitung des Bebauungsplans nicht weiterverfolgt hatte.

Auf dem RAW-Gelände an der Warschauer Straße gab es Pläne für ein weiteres Hochhaus mit rund 100 Metern Höhe. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Hochhaus-Pläne an Warschauer Straße brauchen Steuerung
Die zentrale Kritik des Baukollegiums betrifft nicht nur einzelne Gebäude. Das Gremium bemängelt, dass „The Hub“ und Rudolfstraße 18/19 als große Bauvorhaben in direkter Nachbarschaft weitgehend getrennt voneinander entwickelt werden. Für einen Ort mit dieser Dichte, den vielen Verkehrsströmen, Denkmälern, privaten Grundstücken und öffentlichen Räumen hält das Baukollegium eine übergeordnete Abstimmung für notwendig.
Damit bleibt die Frage offen, ob die Warschauer Straße weitere Hochhäuser verträgt. Entscheidend wird weniger die einzelne Höhe sein, sondern die Gesamtwirkung: Verkehr, Schatten, Denkmalschutz, Gewerbeflächen, öffentliche Räume, Wohnanteile und die Einbindung in den Kiez. Ohne abgestimmtes Gesamtkonzept dürfte jeder neue Turm die Debatte weiter verschärfen.

Das RAW-Gelände und der „Amazon Tower“ verdeutlichen die Verdichtung rund um die Warschauer Straße in Friedrichshain. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
„EDGE East Side“
„The Hub“
167-Meter-Hochhaus Rudolfstraße
Hochhaus-Plan RAW-Gelände
Quellen: Baukollegium Berlin, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost
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17 Kommentare
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Wozu braucht diese Ecke, die in den letzten zehn Jahren ihren kompletten Charme verloren hat, noch mehr Hochhäuser? Ich verstehe es nicht, es ergibt einfach keinen Sinn noch mehr Bauten dort hoch zu zimmern
Seinen „Charme“? Du meinst den Müll, den Vandalismus oder was genau?
Sie reden von einer der Kotzbrockenecke Berlins…Selbst bei meinen Kellerasseln unter meinen Grundstücksfindlingen geht es gesitteter zu… Schon wenn ich nur durch den Bahnhof täglich fahre schaue ich immer ganz gebannt auf mein Buch, nur um die ekelhafte Widerlichkeit dieser Gegend nicht noch mit dem Auge erfassen zu müssen.
Liest sich, als wenn man Berlin in eine Art Möchtegern-Manhattan verwandeln will. Dort gibt es ja noch nicht genug leer stehende Bürogebäude… so ein Schwachsinn! Baut stattdessen gefälligst bezahlbare Wohnungen!!!
Wird doch gemacht! Wie kann man nur immer so blind sein?! Jede Investition (auch von der Mittel- und Oberschicht die sich teure Eigentumswohnungen leisten), finanziert die 30% mietpreisgedämpften Wohnungen mit.
Wann verstehen Leute wie Sie, das grundlegende Prinzip von Angebot und Nachfrage?
An der Warschauer Straße steht momentan grad ein Hochhaus, geplant sind 2 -3 den Vergleich zu Manhattan ist in diesem Fall ziemlich sehr Übertrieben. Außerdem gibt es in Berlin nicht viele Orte wo Hochhäuser stehen und wenn man der Meinung ist, dass an der Warschauer Str. kein Platz für Hochhäuser weil ja die Warschauer Str. so elegant und nobel ist dann frage ich mich wo man sonst die Skyline von Berlin prägen will wenn nicht dort.
Das sieht nach Träumen von Investoren aus, die dem Senat mit einem bißchen Schnickschnack schmackhaft gemacht werden sollen. Eine reine Jagt auf Rendite ohne Blick für die Situation in dieser Stadt, der Infrastruktur und den dort lebenden Menschen. Ja wir brauchen Neubau, auch gerne höher, aber muss es immer gleich eine Kopie von Manhattan sein?
Berlin soll wohl das europäische oder deutsche New York werden???
Wo ist das Problem? Und: Schon mal durchgezählt wie viele Wolkenkratzer in NYC stehen? Da kommt Berlin im Jahr 2.200 noch nicht hin. Allein der Vergleich ist also absurd.
Wieviel Kleingeist bei den Entscheidern, es ist das Easgate, also warum kein Portal zum Friedrichshain, es ist der Hotspot in Berlin und auch im Ausland bekannt. Stadtbau Senat und alle anderen haben in den 90er alles genehmigt und die Stadt verschandelt von und für Investoren, jetzt wird alles was Arbeitsplätze und Synergien bringen wird, einfach nur blockiert. Babyboomer Dipl. Stadtplaner sage ich nur, konservativ und ohne Visionen.
Ich bin für Hochhäuser in Berlin an den Hauptverkehrsknotenpunkten, wie am Breitscheidplatz, Alex, oder hier an der Warschauer. Was leider passiert ist was man als Platzierung über den gesamten Stadtraum verteilt wahrnehmen kann. Hochhäuser sind eine Antwort auf Versiegelung des Bodens was einhergeht wenn sich die Stadt weiter ausbreitet.
Und idealerweise wären gerade Hochbauten an den zentralen Plätzen ideal für Büros, neben kulturellen Angeboten die auch bis in späte Stunden öffnen, so würden Konflikte wegen Lärmbelästigung schon in der Stadtplanung gelöst bevor sie entstehen. Das Hochhausleitbild macht hier aber wohl keine Unterschiede und sieht auch Mischnutzung mit Wohneinheiten vor – Konflikte und oder Einschränkungen bei der Nutzung sind so vorhersehbar, bzw. resultiert in einer unausgewogenen Verteilung von Angeboten über den gesamten Stadtraum – ein hausgemachtes systematisches Chaos.
Man sollte das Baukollegium auflösen, denn mehr als „Bedenken“ vernimmt von dort nicht. Und für die ganzen NIMBYS die sich über alles beschweren, was diese Stadt nach vorne bringen könnte: Zieht bitte nach Brandenburg! Da habt ihr es dann schön grün, ihr könnt mit dem Fahrrad fahren, Menschen nerven euch nicht mehr und Hochhäuser gibt es auch keine. Außerdem ist’s schön bllig – das sind euch ja die wichtigsten Punkte!
Aber lasst eine Großstadt, eine Großstadt sein und lasst Berlin sich entwickeln!
Also für Wohntürme sollte immer Platz sein. Bei Büros bin ich mir unsicher, steht nicht viel leer? So oder so kann Berlin noch weitere Hochhäuser vertragen.
Hochhausgürtel vom Alex zur Warschauer mit +200m, vielleicht einen City-West-Cluster und dann noch einen dritten…Dann ist gut. So in der Art oder ähnliches würde man eine Hochhausstrategie nennen. Aber jetzt kommt jeder überall mit so einem Teil um die Ecke und will die Pilze wild sprießen lassen….Das kann es für Berlin nicht sein.
…Und um auf die Eingangsüberschrift „Verträgt die Warschauer Straße drei weitere Hochhäuser?“ zurückzukommen: Ja, in diesem Fall verträgt sie es. Sehr sogar…
….aus jeder Gründung (Baukollegium) wird irgendwann eine indoktrinierte totalitäre Bewegung, wenn man sie denn lässt.