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Mitten in Berlin-Tegel entsteht ein neues Werkzeug der klimaangepassten Stadtentwicklung: Eine Versuchsanlage für Verdunstungsbeete wurde auf dem Gelände der Urban Tech Republic eröffnet. Das Gemeinschaftsprojekt mehrerer Forschungseinrichtungen und der Berliner Wasserbetriebe soll zentrale Erkenntnisse für zukünftige Schwammstadt-Konzepte liefern.
Symbolbild Gießkannen mit Aufdruck der mitwirkenden Institutionen, wie die Berliner Wasserbetriebe.

Ein neues System aus Verdunstungsbeeten wird auf dem Gelände der Urban Tech Republic in Berlin-Tegel erprobt. Umgesetzt wird es als ein Gemeinschaftsprojekt der Berliner Hochschule für Technik, der Technischen Universität Berlin, der Berliner Wasserbetriebe und der Tegel Projekt GmbH./  © Foto: Tegel Projekt GmbH / Frank Woelffing

© Foto: Tegel Projekt GmbH / Frank Woelffing
© Visualisierung Titelbild: Tegel Projekt GmbH, gmp-Architekten

 

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Seit dem 9. Juli 2025 steht auf dem Gelände der „Urban Tech Republic“ in Berlin-Tegel eine neue Versuchsanlage, die beispielhaft für eine klimaresiliente Stadtentwicklung steht. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern wurde dort ein System von Verdunstungsbeeten installiert. Die bepflanzten Inseln sollen Regenwasser nicht ableiten, sondern gezielt speichern und verdunsten, mit dem Ziel, urbane Hitze zu mindern und die Wasserbilanz zu stabilisieren.

An der Entwicklung beteiligt sind die Tegel Projekt GmbH, die Berliner Wasserbetriebe, die Technische Universität Berlin (TU) und die Berliner Hochschule für Technik (BHT). Gemeinsam wollen sie herausfinden, wie sich Regenwassermanagement, Pflanzenverwendung und technische Umsetzung optimal verbinden lassen.

Reale Testbedingungen für das Schumacher Quartier: Verdunstungsbeete als zentrales Element der Regenwasserbewirtschaftung

Die Versuchsanlage dient nicht nur wissenschaftlichen Zwecken. Sie bildet reale Bedingungen des zukünftigen Schumacher Quartiers ab, das direkt angrenzend auf dem ehemaligen Flughafengelände entsteht. Dort sollen Verdunstungsbeete künftig einen Großteil der Regenwasserbewirtschaftung übernehmen, eingebettet in das Straßenbild, als gestalterisches und funktionales Element.

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Dabei wird das Regenwasser über die Neigung umliegender Flächen in die Beete geleitet. Eine unterirdische Drainagekette transportiert überschüssiges Wasser weiter in Richtung eines zentralen Parks, wo es endgültig versickert. Ziel ist eine möglichst naturnahe Wasserbilanz, die dem Originalzustand vor der Bebauung nahekommt.

Forschung im Realmaßstab: Wie TU und BHT Verdunstung, Biodiversität und Bodenhydraulik analysieren

Die wissenschaftliche Begleitung ist zentraler Bestandteil des Projekts. Die untersucht, wie sich die mehr als 30 sorgfältig ausgewählten Pflanzenarten auf den Extremstandort einstellen. Dabei geht es um Vitalität, Verdunstungsleistung und Biodiversität. Parallel analysiert die BHT mit einem dichten Sensornetz die hydraulischen Vorgänge in den verschiedenen Bodenschichten der Beete.

Langfristig soll so ein neuer Standard für die Planung von Verdunstungsbeeten entwickelt werden. Denn bislang existieren weder Regelblätter noch belastbare Erfahrungswerte zur technischen Umsetzung. Die Projektpartner sehen das Vorhaben als wichtigen Schritt hin zu mehr Praxisnähe und Planungssicherheit für zukünftige Anwendungen.

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Stadt der Zukunft: Verdunstungsbeete als Antwort auf steigende Temperaturen in Berlin-Reinickendorf

Für die Tegel Projekt GmbH ist die Anlage ein Modell für die Stadt der Zukunft. Geschäftsführerin Gudrun Sack betonte bei der Eröffnung, das Projekt zeige beispielhaft, wie naturbasierte Lösungen wissenschaftlich fundiert und zugleich praxisnah realisiert werden können. Städte bräuchten bei steigenden Temperaturen Strategien, die wie eine natürliche Klimaanlage funktionieren.

Auch die Berliner Wasserbetriebe wollen das Konzept weiterverfolgen. Laut Dr. Darla Nickel soll mit Hilfe solcher Projekte der natürliche Wasserkreislauf in der Stadt wiederhergestellt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse aus Tegel sollen nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten zur Anwendung kommen.

Auch dieses Projekt ist Teil einer wachsenden Reihe von Maßnahmen, mit denen Berlin auf die zunehmende Hitze reagiert. Weitere Beispiele stellt ENTWICKLUNGSSTADT in einem Überblick zu zehn konkreten Klimaanpassungsprojekten vor.

Quellen: Tegel Projekt GmbH, Berliner Regenwasseragentur, Berliner Hochschule für Technik (BHT), Berliner Wasserbetriebe

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