Mehr als zwei Jahrzehnte stand die Versöhnungskirche unerreichbar mitten im Todesstreifen an der Bernauer Straße. 1985 ließ die DDR das Gotteshaus sprengen – heute erinnert an gleicher Stelle die Kapelle der Versöhnung an die Geschichte des Ortes.

Weitläufiges Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer mit der Kapelle der Versöhnung, Grünflächen und Spazierwegen an der Bernauer Straße.

Wo sich einst Mauer, Todesstreifen und Grenzanlagen befanden, erstreckt sich heute die Gedenkstätte entlang der Bernauer Straße. Die Kapelle der Versöhnung wurde im Jahr 2000 auf dem Standort der zerstörten Kirche eingeweiht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: IMAGO, Günter Schneider

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Kaum ein Kirchenbau in Berlin war so unmittelbar von der deutschen Teilung betroffen wie die Versöhnungskirche an der Bernauer Straße. Wo heute die Kapelle der Versöhnung als Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer steht, befand sich bis 1985 eine große neugotische Kirche; mitten im Todesstreifen zwischen Ost- und West-Berlin.

Errichtet wurde die Versöhnungskirche zwischen 1892 und 1895 nach Plänen des Architekten Gotthilf Ludwig Möckel. Der Backsteinbau mit seinem rund 75 Meter hohen Turm entstand in einem schnell wachsenden Gründerzeitviertel und wurde zum Mittelpunkt einer Gemeinde mit zeitweise rund 20.000 Mitgliedern.

Mauerbau: 1961 geriet die Versöhnungskirche mitten in den Todesstreifen

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 änderte sich die Situation grundlegend. Die Kirche lag auf Ost-Berliner Gebiet unmittelbar an der Sektorengrenze. Zunächst konnten die Gemeindemitglieder aus West-Berlin das Gebäude nicht mehr erreichen, ab Oktober 1961 blieb es auch für Ost-Berliner Besucher geschlossen.

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Während umliegende Gebäude in den folgenden Jahren abgerissen wurden, blieb die Kirche zunächst stehen. Damit entwickelte sie sich zu einem weithin sichtbaren Symbol der Teilung. Ihr Turm ragte über die Grenzanlagen hinaus, wurde von DDR-Grenztruppen genutzt und stand schließlich nahezu isoliert im ausgebauten Grenzstreifen.

Januar 1985: DDR lässt Kirche und Turm sprengen

Für die DDR-Grenztruppen wurde das Gebäude zunehmend zum Hindernis, da es die Übersicht über den Grenzstreifen einschränkte. Nach längeren Verhandlungen zwischen staatlichen und kirchlichen Stellen wurde die Kirche aufgegeben. Am 22. Januar 1985 wurde zunächst das Kirchenschiff gesprengt, sechs Tage später, am 28. Januar, folgte der markante Turm.

Nur knapp fünf Jahre später fiel die Berliner Mauer. Das frühere Kirchengrundstück verlor seine Funktion als Grenzgebiet und wurde 1995 an die Versöhnungsgemeinde zurückgegeben – verbunden mit der Aufgabe, den Ort wieder sakral zu nutzen. Der historischen Kirchenbau aber war unwiderbringlich verloren.

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Kapelle der Versöhnung mit ihrer runden Holzlamellenfassade auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße.

Die Kapelle der Versöhnung steht heute auf dem früheren Standort der 1985 gesprengten Versöhnungskirche. Der moderne Bau aus Stampflehm und einer äußeren Holzlamellenhülle ist Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kapelle der Versöhnung entstand auf den alten Fundamenten

Statt die historische Kirche zu rekonstruieren, entschied sich die Gemeinde für einen bewusst zeitgenössischen Neubau. Nach Plänen der Architekten Peter Sassenroth und Rudolf Reitermann entstand auf den Fundamenten der alten Kirche die Kapelle der Versöhnung, die am 9. November 2000 eingeweiht wurde.

Der ungewöhnliche Stampflehmbau verbindet Neubeginn und Erinnerung unmittelbar miteinander: Im Lehm wurden Bruchstücke der zerstörten Versöhnungskirche verarbeitet.

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Der heutige Kirchenbau ist mehr als ein Ersatz für die historische Versöhnungskirche

Auch Teile der historischen Ausstattung blieben erhalten, darunter das beschädigte Altarretabel; die geretteten Glocken stehen heute vor der Kapelle. Damit ist die Kapelle heute weit mehr als ein Ersatz für den verlorenen Kirchenbau.

Eingebettet in die Gedenkstätte Berliner Mauer steht sie genau dort, wo sich einst Grenzanlagen und Versöhnungskirche befanden und verbindet die Erinnerung an Teilung und Zerstörung mit einem Ort des Gedenkens, der Begegnung und des heutigen Gemeindelebens.

Blick über die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße mit Grünflächen, Kapelle der Versöhnung und Teilen der erhaltenen Grenzanlagen.

Die Kapelle der Versöhnung ist heute unmittelbar in die Gedenkstätte Berliner Mauer eingebettet. Das weitläufige Gelände zeichnet den ehemaligen Grenzstreifen nach und macht die Dimension der früheren Teilung im heutigen Stadtraum sichtbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Stiftung Berliner Mauer, VisitBerlin, Wikipedia, Architektur Urbanistik Berlin, IMAGO

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