Rund um die Blücherstraße in Berlin-Kreuzberg entsteht ein Modellprojekt für grüne, sichere und zukunftsweisende Stadtmobilität. Radwege, entsiegelte Flächen und Baumschutz stehen im Mittelpunkt des Umbaus, der in diesem Sommer starten soll.

Die Blücherstraße wird zur Bühne der Berliner Verkehrswende. Zwischen Südstern und Mehringdamm trifft grüne Infrastruktur auf ambitionierte Planung für Rad- und Fußverkehr. Doch der Praxistest steht noch aus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Foto Titelbild: infraVelo GmbH
In Berlin-Kreuzberg steht ein umfassender Umbau der Blücherstraße bevor. Zwischen der Baerwaldstraße und der Hausnummer 33 soll der stark beschädigte Straßenbelag erneuert werden. Hintergrund ist die zunehmende Zerstörung des Asphalts durch die Wurzeln der dortigen Straßenbäume; ein typischer Zielkonflikt zwischen städtischer Infrastruktur und klimaresilienter Stadtbegrünung.
Baumscheiben statt Fällungen in der Blücherstraße: Klimaschutz in Kreuzberg
Statt Wurzeln zu kappen oder Bäume zu fällen, setzt das Bezirksamt auf baumschonende Lösungen, wie es heißt. Im Zuge der Umgestaltung werden die Baumscheiben deutlich vergrößert, rund 1.200 Quadratmeter Fläche werden zusätzlich entsiegelt.
Die Maßnahme soll nach Angaben des Bezirksamts der Regenwasserversickerung dienen und langfristig die Vitalität des Straßenbaumbestands fördern. So soll ein zentraler Schritt hin zu einem klimaangepassten Stadtraum realisiert werden.
Blücherstraße wird Fahrradstraße: Mobilitätswende im Quartier
Parallel zur Straßensanierung wird die Blücherstraße künftig als Fahrradstraße ausgewiesen, wie das landeseigene Unternehmen infraVelo wissen lässt. Zwischen Südstern und Baerwaldstraße soll nach der Sommerpause ein sicherer Abschnitt für den Radverkehr entstehen.
Die Maßnahme ist Bestandteil des Berliner Mobilitätsgesetzes und verfolgt das Ziel, die aktive Mobilität in der Stadt zu fördern, insbesondere im Umfeld von Schule, Sportplatz und Wohnquartier. Das Fahrradstraßen-Projekt in der Blücherstraße erfüllt genau diese Anforderungen, denn zwischen Gneisenaustraße und Urbanstraße befinden sich mehrere Sportplätze, Sporthallen und Schulen auf engstem Raum.
Verbindung zur Alexandrinenstraße: Neue Nord-Süd-Achse für den Radverkehr in Kreuzberg
Der Umbau der Blücherstraße steht im engen Zusammenhang mit einem weiteren Vorhaben: der Umgestaltung der Alexandrinenstraße. Auf einer Länge von über 1.200 Metern wird zwischen Blücherstraße und Oranienstraße eine durchgehende Fahrradstraße realisiert, die über die Spree führen und die Gitschiner Straße kreuzen wird, auch der vielfrequentierte Lobecksportplatz liegt an der Alexandrinenstraße.
Zahlreiche Querungshilfen, eine neue Verkehrsführung an acht Knotenpunkten und technische Vorrichtungen wie kameragestützte Fahrradampeln sollen für mehr Sicherheit sorgen. Einbahnstraßenregelungen reduzieren zudem den motorisierten Durchgangsverkehr. So liest sich jedenfalls der Plan des Bezirksamts.
Verkehrsumbau: Kreuzung Mehringdamm / Blücherstraße als Vorbote des Wandels
Bereits im Vorfeld wurde die Kreuzung Mehringdamm, Ecke Blücherstraße neugestaltet. Die Radwege wurden verbreitert und farblich markiert, um die Sichtbarkeit und Orientierung zu verbessern. Die baulichen Eingriffe zeigen beispielhaft, wie gezielte Eingriffe die Verkehrssicherheit an stark frequentierten Knotenpunkten erhöhen können.
Das Konzept des Umbaus vereint mehrere Ziele: den Schutz des Straßenbaumbestands, die Aufwertung der Radverkehrsinfrastruktur und die ökologische Verbesserung durch Entsiegelung. In der Kombination soll ein zukunftsweisender Straßenraum, der sich an den Herausforderungen des Klimawandels ebenso orientiert wie an den Bedürfnissen eines sich wandelnden Mobilitätsverhaltens.
Blücherstraße in Kreuzberg: Bauarbeiten beginnen im Sommer 2025
Die Bauarbeiten an der Blücherstraße starten im Sommer 2025 und sollen bis zum Herbst abgeschlossen werden. Auch die Maßnahmen in der Alexandrinenstraße werden im Laufe des Jahres umgesetzt, wie es heißt.
Gemeinsam sollen die anvisierten Umbaupläne im Herzen Kreuzbergs ein stadtplanerisches Ensemble bilden, das zeigen soll, wie verkehrsberuhigte, grüne Infrastruktur und Mobilitätswende Hand in Hand gehen können, mit Modellcharakter weit über Kreuzberg hinaus. Wie gut das Konzept letztlich in der Praxis funktionieren wird, bleibt abzuwarten.
Quellen: infraVelo GmbH, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
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Ich bin Anwohner und wurde vor 2 Tagen mit einem Infoschreiben des Bezirksamtes darüber informiert, dass im August der Umbau starten wird. Der Plan klingt erstmal Super, ich für Verkehrsberuhigung, für Fahrradstraße, für die Bäume etc.
ABER: einen Plan mit den Details der geplanten Umbauten habe ich noch nicht gesehen – wäre das nicht das erste, worüber man einen Anwohner informiert?
Im Vorletzten Satz des Info-Schreibens wird außerdem noch ein kleines Detail erwähnt, welches im obigen Artikel nicht mal erwähnt wird. Es werden 90 Parkplätze wegfallen. Das sind gefühlt 95% aller Parkplätze der Straße – in der sowieso schon viel zu viele Autos stehen, weil wir die einzige Straße weit und breit sind, wo noch keine Parkraumbewirtschaftung eingeführt wurde. Zu so einem Konzept gehört doch zwingend auch die Klärung der Frage: Wohin mit den Autos – MINDESTENS in dem man Anwohnerparken einführt. Davon ist bisher aber keine Rede – und mir ist auch noch nicht ganz klar, warum so viele Parkplätze wegfallen müssen – das ist sicherlich kein Naturgesetz, sondern ein politisch-ideologischer Wunsch.
An dieser Stelle muss dringend nachgearbeitet werden. Im Gräfekiez hat es bereits nicht funktioniert, die Autos einfach wegzuzaubern, das wird auch hier nicht funktionieren.
Tatsächlich kann man Autos wegzaubern, indem man Parkraum so knapp macht, dass Anwohner, die nicht gehbehindert sind und mit den Öffis fahren können ihr Auto verkaufen. Man kann auch Autos hinzaubern indem man noch mehr Parkflächen schafft und dadurch Autofahren für zusätzliche Leute attraktiv macht. Das Anwohner ein Auto haben ist kein Naturgesetz.
Nichts gegen eine moderne, klimagerechte und mobilitätsorientierte Stadtplanung. Siehe Kopenhagen oder Paris. Was jedoch in Kreuzberg seit Jahren ( und jetzt mit Nachdruck) läuft, hat mit einer zeitgemäßen urbanen Transformation nichts zu tun. Es ist verordnete Willkür einer doktrinäre Politik und ihrer dilettierenden Stadtplanung, die Anwohner/Anwohnerinnen für geduldiges Stimmvieh hält. Nicht zu Unrecht, denn bei der nächsten Wahl wird die Umwandlung des Bezirks in ein heruntergekommenes linksgrünes Absurdistan erneut mit klarer Stimmenmehrheit sanktioniert werden. Höchste Zeit, sich hier vom Acker zu machen.