Die Elsenbrücke bleibt ein zentraler Engpass im Berliner Straßennetz. Neue Auswertungen der Senatsverwaltung zeigen, wie stark sich die Verkehrslage seit der Eröffnung des A100-Abschnitts verschlechtert hat. Mit einer neuen Busspur will der Senat nun gegensteuern und den öffentlichen Verkehr stabilisieren.

Neue Verkehrsführung an der Elsenstraße: Von der A100 sollen künftig nur noch zwei Fahrstreifen in die Elsenstraße einmünden. Der gewonnene Raum wird für einen Bussonderfahrstreifen genutzt. / © Bild: SenMVKU
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Was viele Berlinerinnen und Berliner in den vergangenen Wochen bereits auf der Elsenbrücke gespürt haben, lässt sich nun mit Zahlen belegen: Wie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT mitteilt, hat sich die Verkehrssituation auf der Elsenbrücke seit der Eröffnung des neuen A100-Abschnitts messbar verschlechtert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag Anfang September – noch in der Ferienzeit – werktags zwischen 6 Uhr und 21 Uhr bei lediglich 12 bis 15 km/h. Vor allem am Vormittag und nach 17 Uhr verringerte sich das Tempo im Vergleich zu vorherigen Messungen um 6 bis 10 km/h.
Auch auf den umliegenden Straßen sind die Auswirkungen spürbar. Auf der Schlesischen Straße in Fahrtrichtung West sinkt die Geschwindigkeit zwischen 7 und 10 Uhr sowie ab 15 Uhr nachmittags um rund 10 km/h. In diesen Zeiträumen bewegen sich Fahrzeuge oft nur noch mit weniger als 20 km/h. Auf der Oberbaumbrücke sind die Auswirkungen zwar weniger stark, doch auch dort gehen die Durchschnittsgeschwindigkeiten ganztägig zurück, teilweise um bis zu 6 km/h.
Untersuchungen des Verkehrsflusses an der Elsenbrücke: Auswirkungen der A100-Eröffnung und des Ferienendes
Die Senatsverwaltung hat die Entwicklung unmittelbar vor und nach der Eröffnung des neuen Autobahnabschnitts untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Verkehrssituation in der Umgebung verschlechtert hat: Der zusätzliche Verkehr, der durch den neuen A100-Abschnitt entsteht, kann nicht gleichmäßig aufgenommen werden, sondern führt zu einer zusätzlichen Belastung auf den angrenzenden Straßen. Simulationen, die vor der Eröffnung erstellt worden waren, spiegeln die Realität laut Senatsverwaltung nicht wider. Der Verkehrsfluss verhalte sich anders als prognostiziert, was die Notwendigkeit kurzfristiger Eingriffe verdeutliche.
Darüber hinaus hat die Senatsverwaltung auch das Ende der Berliner Sommerferien in ihre Beobachtungen einbezogen. Dabei zeigte sich, dass die Rückkehr zum regulären Alltag keine spürbare Entlastung brachte. Am 8. und 9. September blieb das Geschwindigkeitsniveau auf der Elsen- und Oberbaumbrücke nahezu unverändert zur Vorwoche. Lediglich auf der Schlesischen Straße sank die Geschwindigkeit in der morgendlichen Spitzenzeit zwischen 8 und 9 Uhr nochmals auf 10 km/h.
Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr: BVG reagiert mit temporären Maßnahmen auf den Buslinien M43 und 194
Ein Sprecher der BVG teilte außerdem mit, die Verkehrslage im Bereich Elsenstraße und Elsenbrücke sehr genau zu beobachten. In den vergangenen Tagen sei es wiederholt zu Verspätungen gekommen. Um den Betrieb stabil zu halten, setze das Unternehmen bei Bedarf auf operative Maßnahmen. Dazu gehören Anpassungen der Linien M43 und 194, die so an die Staus herangeführt werden, dass Fahrgäste den betroffenen Abschnitt entweder mit der S-Bahn oder zu Fuß überbrücken können.
Positiv wirkt sich die eingerichtete Busspur in Fahrtrichtung Ostkreuz aus, die es den Bussen ermöglicht, weite Teile der Elsenstraße ohne größere Verzögerungen zu passieren. In der Gegenrichtung bleibt die Situation schwieriger, da dort bislang keine eigene Busspur eingerichtet werden konnte.
Reaktionen der Senatsverwaltung auf die angespannte Lage: Bussonderfahrstreifen und gesperrte Abbiegespur
Als direkte Reaktion auf die aktuellen Daten kündigte die Senatsverwaltung an, den Verkehr von der A100 künftig nur noch auf zwei statt drei Fahrstreifen in die Elsenstraße zu führen. Der dadurch gewonnene Platz wird genutzt, um einen durchgehenden Bussonderfahrstreifen zwischen Am Treptower Park und der Puschkinallee einzurichten. Damit soll die Stabilität des Busverkehrs auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen gesichert werden.
Ergänzend wird auf der östlichen Seite der Elsenbrücke ein Linksabbiegefahrstreifen vom Markgrafendamm nach Alt-Stralau gesperrt. Ziel ist es, den Abfluss des Verkehrs zu beschleunigen und eine gleichmäßigere Verteilung zu erreichen. Beide Maßnahmen sollen kurzfristig umgesetzt werden und gelten als direkte Konsequenz der neuen Verkehrsdaten, die die Verschlechterung der Reisegeschwindigkeiten deutlich belegen.
Ausblick auf die Verkehrssituation an der Elsenbrücke bis 2028: Baufortschritt bleibt entscheidend
Die Bauarbeiten an der Elsenbrücke sind weiterhin der Hauptgrund für die Einschränkungen. Der westliche Überbau sollte ursprünglich im September 2025 fertiggestellt sein, wird nun jedoch erst im Oktober übergeben. Mit dieser Teilinbetriebnahme wird die Kapazität steigen, wenn auch nur begrenzt. Erst nach der vollständigen Fertigstellung im Jahr 2028 sollen drei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung stehen.
Fachleute betonen, dass bauliche Maßnahmen allein nicht ausreichen werden. Auch die Ampelschaltungen und die Steuerung des Verkehrs im Umfeld der Brücke müssen verbessert werden, um die künftigen Kapazitäten voll auszuschöpfen. Bis dahin werden kurzfristige Eingriffe wie der neue Bussonderfahrstreifen und die geänderte Verkehrsführung entscheidend sein, um den Verkehrsfluss zumindest teilweise zu stabilisieren.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, VIZ – Verkehrsinformationszentrale, BVG, rbb24, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, S-Bahn Berlin
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