Seit der Öffnung des 16. Bauabschnitts der A100 hat sich die Verkehrslage rund um die Elsenbrücke weiter zugespitzt. Trotz der anhaltenden Belastungen vor Ort verweist die Senatsverwaltung auf eine angebliche Stabilisierung der Lage. Nun fordern die Grünen tiefergreifende Maßnahmen zur Entspannung der Verkehrssituation.

Seit Monaten kommt es zu Staus und vermehrt zu Unfällen an der Engstelle zwischen A100-Abfahrt und Elsenbrücke. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Verkehrschaos an der Elsenbrücke: Seit der 16. Bauabschnitt der A100 bis zum Treptower Park im August 2025 in Betrieb genommen wurde, hat sich die Situation vor Ort weiter verschärft. Rund um die Anschlussstelle staut sich der Verkehr seit Monaten. Zudem kommt es vermehrt zu Unfällen. Die Gründe dafür liegen zum einen in einem erhöhten Verkehrsaufkommen durch die neue Autobahnabfahrt und zum anderen in den bereits 2020 begonnenen Bauarbeiten an der Elsenbrücke. Die 2021 errichtete Behelfsbrücke über die Spree führt den Verkehr jeweils einspurig in den benachbarten Stadtteil.
Die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr hatte im September Maßnahmen zur Entspannung der Situation um die Baustelle an der Elsenbrücke angekündigt. Aufgrund der anhaltenden Belastungen vor Ort hat die Grünen-Fraktion der CDU vorgeworfen, das Verkehrschaos „nicht in den Griff“ zu bekommen. Am 10. Dezember 2025 präsentierten Grüne-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch und Co-Chef Werner Graf einen Acht-Punkte-Plan zur Verbesserung der Lage.
Elsenbrücke: Grüne fordern Sperrung des neuen A100-Abschnitts zur Verkehrsentlastung
In diesem Plan fordern die Grünen unter anderem eine Optimierung der Ampelschaltungen rund um die Engstelle sowie eine verstärkte Polizeipräsenz und bauliche Maßnahmen wie Poller, um Radwege und Busspuren freizuhalten. Außerdem sollen Messstellen für Luftqualität und Lärm eingerichtet werden.
Laut den Grünen sei die effizienteste Lösung, den kürzlich freigegebenen A100-Abschnitt zu sperren, bis wieder drei Fahrstreifen pro Richtung auf der Elsenbrücke zur Verfügung stünden. Außerdem forderte die Fraktion, den umstrittenen 17. Bauabschnitt der A100 bis Prenzlauer Berg „endgültig zu beerdigen“.
Verkehrschaos mit Ansage: Simulationen der Verkehrssituation gab es nicht
Schon vor der Eröffnung der neuen A100-Anschlussstelle warnten Verkehrsexpertinnen und -experten vor dem Chaos, das sich einstellen würde, wenn man den Autobahn-Teilabschnitt vor Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Elsenbrücke in Betrieb nehmen würde. Vor der Eröffnung hatte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) Anfang September 2025 erklärt, dass es Simulationen der verkehrlichen Situation gegeben habe. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass solche Simulationen nicht durchgeführt wurden. Stattdessen verweist die Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr auf eine Untersuchung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2017.
Ein Verkehrskonzept für die derzeitige Situation zwischen A100-Anschlussstelle und Elsenbrücke gibt es laut Angaben des Tagesspiegel bis heute nicht.
Vorgeschlagene Maßnahmen an der Elsenbrücke wurden nicht umgesetzt
Im September 2025 hatte Bonde zur Entspannung der Verkehrslage vorgeschlagen, eine Fahrradspur auf der Behelfsbrücke zu entfernen und den Radverkehr umzuleiten, um eine weitere Autospur einrichten zu können. Der Landesverband Berlin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) äußerte sich kritisch gegenüber Bondes Plänen: „Die aktuelle übersichtliche Streckenführung zum Schutz für Menschen zurückzubauen, bedeutet Konflikt- und Unfallzunahme auf Ansage. Rad und Fuß würden damit auf unübersichtliche und gefährliche Kreuzungspunkte gedrängt werden“, verkündete der ADFC in einer Mitteilung Ende September 2025 und rief zur Demonstration gegen die Pläne auf.
Kurze Zeit später zog die Verkehrsverwaltung den Vorschlag zurück. Der Grund: Die Behelfsbrücke hätte für die deutlich höhere Belastung umgebaut werden müssen.
Stau an der Elsenbrücke: Senatsverwaltung sieht in den kommenden Wochen keinen Handlungsbedarf
Die Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr spricht gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von einer Verbesserung der Situation vor Ort. Es habe sich durch verschiedene Maßnahmen ein „als stabil zu bezeichnender Verkehr“ eingestellt. Auch die Lage der BVG sei verbessert worden.
Weiteren Handlungsbedarf sieht die Senatsverwaltung in den kommenden Wochen nicht. Man rechne mit einer „Verdopplung der Verkehrsleistung“, wenn der erste Bauabschnitt der Elsenbrücke fertig und erst einmal zumindest zwei Spuren pro Fahrbahn verfügbar seien. Zeitlich rechne man mit der Eröffnung des nordwestlichen Überbaus der Brücke Ende Januar 2026. Ob die Bauarbeiten bis dahin tatsächlich beendet sein werden, hänge allerdings von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom Wetter. Der Termin wurde bereits von Dezember 2025 auf Januar 2026 verschoben.
Kommt die neue Elsenbrücke 2028?
Die Elsenbrücke befindet sich aktuell im Neubau. Mitte 2026 soll die westliche Hälfte fertig sein. Die komplette Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. Ob die neue Brücke bis dahin aber wirklich stehen wird, ist unklar.
Der Neubau hängt von der Weiterführung der A100 zur Storkower Straße in Prenzlauer Berg ab. Zurzeit prüft die Autobahn GmbH des Bundes, ob die Autobahn die Spree über eine Brücke überqueren oder durch einen Tunnel unterqueren soll. Sollte die Autobahnbrücke kommen, gebe es keinen Platz, um den zweiten Teil der Elsenbrücke zu bauen. Die Behelfsbrücke müsste länger bestehen bleiben und würde dann später durch die A100-Brücke ersetzt werden, mit dauerhaft nur drei Fahrstreifen.
Die Entscheidung über die Situation wird erst im Frühjahr 2026 endgültig getroffen. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie sich die Verkehrssituation zwischen Alt-Treptow und Friedrichshain entwickeln wird.
Quellen: taz, Tagesspiegel, dpa, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Landesverband Berlin e.V.
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