Die Mediaspree zählt zu den umstrittensten Stadtentwicklungsprojekten der Hauptstadt. Zwischen Arena, Bürokomplexen und schmalen Uferwegen entsteht ein Bild, das bis heute polarisiert. Das Areal zeigt, wie Investoreninteressen, politische Entscheidungen und städtebauliche Ziele miteinander ringen. Gleichzeitig bemühen sich Initiativen und Politik weiterhin um Korrekturen.

Der Mercedes-Benz-Platz bildet das belebte Entrée zur Uber Arena, in der bis zu 17.000 Gäste Konzerte, Shows oder Sportveranstaltungen besuchen. Zwischen Spree und Bahntrasse wirkt der Platz wie eine künstliche Insel, die sich vor allem an Eventtagen mit Menschen füllt. / © Foto: Wikimedia Commons, Kostisl, CC0
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC BY-SA 4.0
Die Entwicklung der Mediaspree geht auf städtebauliche Entscheidungen der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre zurück. Berlin suchte damals nach neuen Impulsen für große innerstädtische Brachflächen, die nach dem Ende der industriellen und hafenlogistischen Nutzung weitgehend ungenutzt waren. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der Senat und private Eigentümer wollten das Spreeufer wirtschaftlich stärken.
Eine zentrale Rolle spielte die US-amerikanische Anschutz-Gruppe, die Anfang der 2000er-Jahre das Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs übernahm und die Arena errichtete. Mit dem Bau der späteren Mercedes-Benz– und heutigen Uber-Arena sowie angrenzender Bürogebäude erhielt das Areal eine neue Ausrichtung, weg von industriellen Strukturen hin zu einem großmaßstäblichen Entertainment- und Dienstleistungsquartier.
Die städtebaulichen Rahmenbedingungen wurden damals vom Bezirk festgelegt, doch die wirtschaftliche Lage der Stadt verlieh Investoren zusätzlichen Einfluss. Ein Bebauungsplan setzte klare Prioritäten: Gewerbe statt Wohnen, breite Wege statt kleinteiliger Strukturen. Der Deal galt als vorteilhaft, weil der Investor Infrastruktur wie Zufahrtsstraßen und einen Spielplatz finanzierte. Gleichzeitig verkaufte Anschutz viele Flächen weiter, häufig mit erheblichem Wertzuwachs. Aus heutiger Sicht erscheint diese Entwicklung einseitig. Stadtforscher Aljoscha Hofmann betont gegenüber rbb24, dass man solche Orte inzwischen anders planen würde: weniger Büroflächen, mehr Wohnen und mehr öffentliche Räume in städtischer Hand.
Friedrichshain: Warum das Arena-Quartier trotz zentraler Lage kein urbanes Leben entwickelt
Kritisiert wird vor allem, dass das Quartier bis heute keine urbanen Strukturen ausgebildet hat. Rund um die heutige Uber Arena wirken Straßen wie die Freia-Eisner-Straße oder die Valeska-Gert-Straße trotz zentraler Lage bemerkenswert leer. Glatte Fassaden, fehlende Ladenlokale und eine starke Ausrichtung auf den Eventbetrieb führen dazu, dass hier außerhalb von Veranstaltungstagen wenig Leben stattfindet.
Hofmann beschreibt dies gegenüber rbb24 als typische Logik eines Entertainment-Quartiers: Randflächen werden so gestaltet, dass sie den Arenabetrieb nicht stören. Entstanden ist ein homogenes, stark versiegeltes Umfeld, dem es an Nutzungsmischung und Aufenthaltsqualität mangelt – „kein Kiez“, wie Hofmann sagt.
Zudem erzeugt die großmaßstäbliche Bebauung deutliche Kontraste zu den umliegenden Quartieren. Während die Arena Millionen Besucherinnen und Besucher anzieht, bleiben die angrenzenden Straßen weitgehend funktionsorientiert. Der Bezirk erkennt inzwischen selbst an, dass eine kleinteiligere Entwicklung mehr Vielfalt ermöglicht hätte. Stattdessen entstand eine Art Insel mit klarer kommerzieller Prägung und wenig Bezug zu den Nachbarkiezen. Orte wie der Rummelsburger Platz, von Hofmann als „unwirklicher Restraum“ bezeichnet, zeigen, dass trotz hoher Investitionen Lücken und wenig genutzte Flächen geblieben sind.
„Mediaspree versenken“ fordert Abstand zur Spree: Kritik an Luxusprojekten und fehlender Uferfreiheit
Die Initiative „Mediaspree versenken“ gehört seit Jahren zu den lautesten Kritikern der Entwicklung am Spreeufer. Bereits 2008 erreichte sie einen Bürgerentscheid, in dem eine deutliche Mehrheit für ein „Spreeufer für alle“ stimmte. Dennoch sieht die Gruppe zentrale Forderungen wie einen 50-Meter-Abstand zwischen Neubauten und Wasser oder den Verzicht auf Hochhäuser bis heute nicht umgesetzt. Deshalb setzt sie ihren Einsatz für eine sozialere und ökologischere Stadtentwicklung fort und fordert unter anderem, den Ausverkauf landeseigener Grundstücke zu stoppen.
Gleichzeitig richtet sich die Initiative gegen konkrete Bauvorhaben. So kritisiert sie Projekte wie das Hotel Pier 61|63 an der East Side Gallery oder das Luxuswohnprojekt „Wave“ am Osthafen, die aus ihrer Sicht öffentliche Uferbereiche weiter verengen. Auch die Entwicklung der Cuvrybrache steht im Fokus, da hier nach langen Debatten erneut großvolumige Gebäude entstehen sollen. Für die Initiative zeigt dies, dass wirtschaftliche Interessen weiterhin dominieren, während ökologische und soziale Belange nur begrenzt berücksichtigt werden.
Versiegeltes Spreeufer: Wie die Mediaspree-Bebauung Naturraum und Biotope verdrängt
Aus ökologischer Sicht steht die dichte Bebauung entlang der Mediaspree seit Jahren in der Kritik. Durch neue Büro- und Wohnkomplexe entstehen großflächig versiegelte Flächen, die natürliche Bodenfunktionen einschränken. Regenwasser kann schlechter versickern, Grundwasserbildung wird behindert, Bäume geraten zunehmend unter Trockenstress. Zugleich gehen gewachsene Ufervegetation und Biotope verloren, die sich nach dem Mauerfall über Jahre auf ehemaligen Industrie- und Grenzflächen entwickelt hatten.
Initiatoren der Initiative „Mediaspree versenken“ verweisen darauf, dass sich in den „Brachen“ zwischen Elsen- und Jannowitzbrücke zahlreiche Vogelarten und andere Tiere angesiedelt hatten, bevor sie nach und nach durch Bauvorhaben verdrängt wurden. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang, dass viele Neubauprojekte zwar mit Wasserlage werben, aber nur schmale öffentliche Uferwege vorsehen und den Naturraum Spree weitgehend als Kulisse behandeln.
Initiative „Mediaspree versenken“ kritisiert steigende Verkehrsbelastung und ökologische Risiken
Zusätzlich rücken Verkehr und technische Infrastruktur in den Fokus der Umweltkritik. Prognosen gehen von einem deutlich steigenden Verkehrsaufkommen aus, was Lärm, Schadstoffbelastung und Hitzeentwicklung entlang der Spree verstärkt und den Erholungswert von Uferbereichen, etwa im Umfeld des Treptower Parks, spürbar mindert. Geplante oder umstrittene Brückenbauten und Straßenanbindungen würden nach Ansicht von Initiativen sensible Uferzonen weiter zerschneiden und Rückzugsräume für Tiere einschränken.
Parallel dazu werden technische Umweltschutzmaßnahmen, etwa Regenüberläufe oder energetisch optimierte Gebäude, zwar als Fortschritt gewertet, aber als unzureichend betrachtet, solange an der grundsätzlichen Verdichtung und Versiegelung nichts geändert wird. Aus Sicht der Kritiker verschenkt die Stadt damit die Chance, den Spreeraum im Zentrum als durchgehenden, ökologisch aufgewerteten Grün- und Frischluftkorridor zu sichern.
Uber Arena
Quellen: rbb24, Mediaspree versenken, AG Spreeufer
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3 Kommentare
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Ein stadtplanerischer Schandfleck. Wenn man dort auf ein Konzert geht fühlt es sich an, als wäre man in einer dystopischen Zukunftsvision voller Beton, unnützer Läden und ungesunder Systemgastro ohne Geschmack gelandet. Und im Sommer sinds auch nachts 30 Grad, während man im Winter in der zügigen grauen Steinsteppe friert. Hätte man sich absolut sparen können.
stimme dem Kommentar von 41er vollends zu – ein Schandfleck der Stadt und eine große vergebene Chance
Es zeigt das klassische Versagen von Architekten und Stadtplanern. Man meint, man könne städtische Atmosphäre planerisch schaffen. Das klappt einfach nicht. Andere Beispiele sind planerische Fehlleistungen wie der Potsdamer Platz, der deswegen ja umfassend umgebaut werden musste, wenn ich auch mir sicher bin, dass die Umbauten auch nichts bringen. Ein Beispiel ist das ehemalige Sony-Center, von dessen ursprünglicher Idee, ursprünglicher Planung nichts, aber auch überhaupt nichts übrig geblieben ist. Die „Mall“ in der Leipziger Straße ist genauso gescheitert! Architekten und Stadtplaner versuchen eine „synthetische“ Stadt – und das funktioniert nicht!