In der Karl-Marx-Straße 11 in Berlin-Neukölln steht ein Verkauf an, der für die 22 Mietparteien zum Verlust ihres Zuhauses führen könnte. Eigentümer ist das Erzbistum Berlin, das den Altbau lieber an den Höchstbietenden veräußern will, nicht an die Bewohnerschaft, die eine Genossenschaft gegründet hat. Für die Mieterinnen und Mieter geht es um den Erhalt ihrer gewachsenen Gemeinschaft.

Mieterinnen und Mieter der Karl-Marx-Straße 11 fürchten um ihr Zuhause, da ein Verkauf durch die Kirche an einen externen Investor steigende Mieten und Verdrängung zur Folge haben könnte. / © Foto: Wikimedia Commons, Nicor, Tabsnic, CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, IngolfBLN, CC BY-SA 2.0
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In der Karl-Marx-Straße 11 in Neukölln wohnen rund 60 Menschen, viele von ihnen seit Jahrzehnten. Der Altbau am Hermannplatz gehört seit den 1980er-Jahren dem Erzbistum Berlin. Nun will die katholische Kirche das Gebäude verkaufen, um den Erlös in kirchliche und soziale Aufgaben zu investieren. Für die Mieterinnen und Mieter ist das ein Schock. Sie fürchten steigende Mieten und Verdrängung, sollte ein privater Investor zum Zug kommen.
Ayse Emir, seit 2006 Mieterin, beschreibt gegenüber der Berliner Morgenpost die enge Nachbarschaft und das Zusammenleben als unverzichtbar. Eine vergleichbare Wohnung sei für sie heute nicht mehr bezahlbar. Auch andere Bewohnende berichten der Berliner Morgenpost, dass der Zusammenhalt im Haus seit Bekanntwerden der Verkaufspläne noch stärker geworden sei.
Genossenschaftsplan in der Karl-Marx-Straße scheitert vorerst an höheren Preisvorstellungen des Erzbistums
Um den drohenden Eigentümerwechsel zu verhindern, hat die Hausgemeinschaft eine Genossenschaft gegründet. Ihr Ziel: das Gebäude selbst zu erwerben. Zunächst legten die Mieterinnen und Mieter ein erstes Kaufangebot vor, das nach Angaben des Erzbistums weit unter dem Marktwert lag. Nach internen Beratungen erhöhten sie ihr Angebot auf 3,8 Millionen Euro.
Laut den Bewohnern brach die Kommunikation mit dem Bistum kurz darauf ab. Später erfuhren sie, dass bereits vorvertragliche Bindungen zu einem anderen Interessenten bestanden. Das Erzbistum erklärte laut Berliner Morgenpost, auch das zweite Angebot habe nicht den erwarteten Kaufpreis erreicht.
Konflikt zwischen sozialem Anspruch der Mieterinnen und Mieter und wirtschaftlichen Zielen des Erzbistums
Viele Mieterinnen und Mieter empfinden die Entscheidung als ungerecht, gerade weil der Eigentümer eine religiöse Institution ist. Patrick Härtel-Jansen sieht im geplanten Verkauf eine „soziale Frage des gesamten Kiezes“. Auch Bewohnerin Britta Jansen kritisiert gegenüber rbb24, dass wirtschaftliche Interessen über den Erhalt einer stabilen Hausgemeinschaft gestellt würden.
Das Erzbistum betont dagegen seine treuhänderische Pflicht, das anvertraute Vermögen im Sinne des kirchlichen Auftrags zu verwalten. Der Verkaufserlös solle in seelsorgerische und soziale Projekte fließen, von denen viele Menschen profitieren könnten. Für die Mieterinnen und Mieter ist dieses Argument wenig überzeugend, sie verweisen darauf, dass ihre Genossenschaftsidee ebenfalls ein soziales Projekt darstelle.
Zukunft der Hausgemeinschaft ungewiss: Verkauf der Karl-Marx-Straße 11 an Höchstbietenden wahrscheinlich
Die Bewohner fürchten, dass ein neuer Eigentümer Modernisierungen ansetzt und die Mieten deutlich anhebt. Besonders für Familien, Alleinerziehende und ältere Mieterinnen wäre das ein schwerer Einschnitt. Viele von ihnen haben Arbeitsplätze, Schulen, Ärztinnen und soziale Netzwerke in unmittelbarer Nähe.
Noch hoffen die Bewohnenden, dass die Kirche ihr Angebot doch annimmt oder eine Lösung findet, die den Verbleib der Hausgemeinschaft langfristig sichert. Ob es dazu kommt, ist offen, der Verkauf an den Höchstbietenden scheint derzeit wahrscheinlicher. Für die Karl-Marx-Straße 11 und ihren Hinterhof würde das einen tiefen Einschnitt bedeuten.
Quellen: Berliner Morgenpost, rbb24
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4 Kommentare
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Wie hoch ist denn der voraussichtliche Marktwert dort? Warum sollten die Mieter einen Vorteil bekommen? Denn: wer garantiert, dass die dann neuen Eigentümer-innen nicht gleich weiter verkaufen- oder zumindest ihre dem Markwert folgenden Genossenschaftsanteilen?
Kann man vertraglich festhalten, dass der Mehrwert dann an die Kirche geht.
Beim Geld hört die Nächstenliebe auf, auch auf wenn es von ganz oben kommt…
Es ist doch kompletter Unsinn, der Kirche klischeehaft zu unterstellen, sie hätte eine hörere moralische oder soziale Kompetenz, als irgendeine x beliebige andere Organisation. Die Kirche hat ihre ureigenen Interessen, und die müssen nicht zwingend irgendetwas mit dem Gemeinwohl zu tun haben. Wer das glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann…
Die Kirche ist eine der Hauptinstitutionen, wenn es darum geht, die ungebremste Masseneinwanderung (auch in unsere Sozialsysteme) als moralisch geboten zu propagieren.. Was das mit unserem Land und mit unserer Gesellschaft macht, das interessiert sie nicht im geringsten… ist ihr vollkommen egal! Für mich ist sie da schlichtweg politisch unverantwortlich und geradezu asozial gegenüber unserem Land und seinen Bürgern unterwegs.. seit Jahrzehnten schon! Ist die Kirche in Wirklichkeit (konträr zum propagierten Bild und Selbstbild) also unverantwortlich und asozial unterwegs? Ja, ich sehe das so..
Nun dürfen sich also auch die Mieter der Karl Marx Str 11 ein ganz persönliches Bild davon machen… und den Glauben an den Weihnachtsmann loslassen. Schön.