Fabrikhallen, alte Verkehrsanlagen und Orte, die sonst kaum zugänglich sind: Berlin zeigt derzeit eine Seite, die im Alltag oft verborgen bleibt. Ein neues Festival verbindet Industriegeschichte mit Kultur, Stadtentwicklung und heutigen Nutzungen. Dahinter steht das Berliner Zentrum Industriekultur.

Die historischen Rathenau-Hallen in Berlin-Oberschöneweide zeigen eine gelbe Backsteinfassade mit großem rotem AEG-Schriftzug.

Die Rathenau-Hallen in Oberschöneweide gehören zum industriellen Erbe Berlins. Das frühere AEG-Areal steht beispielhaft für die Industriegeschichte des Ortsteils. / © Foto: Andreas Muhs

© Titelbild: Dampflokfreunde Berlin

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Berlin ist nicht nur von Mietskasernen, Gründerzeitvierteln und Nachkriegsbauten geprägt. Fabriken, Kraftwerke, Bahnanlagen und Gewerbehöfe erzählen ebenfalls einen großen Teil der Stadtgeschichte. Noch bis zum 4. Oktober 2026 rückt das Berliner Zentrum Industriekultur diese Orte bei einem erstmals stadtweit ausgerichteten Festival in den Mittelpunkt.

  • Institution: Berliner Zentrum Industriekultur (bzi)
  • Festival: September bis 4. Oktober 2026
  • Umfang: mehr als 150 Veranstaltungen

Das Festival startete am 12. September parallel zum Tag des offenen Denkmals. Über drei Wochen und vier Wochenenden verteilen sich Veranstaltungen über das gesamte Stadtgebiet. Das Programm reicht von Führungen und Radtouren über Theater und Workshops bis zu Sonderfahrten, Musikveranstaltungen und Angeboten an Orten, die normalerweise nicht im Mittelpunkt des Berliner Kulturprogramms stehen.

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Dabei geht es nicht nur um stillgelegte Fabriken. Das Programm zeigt auch, wie ehemalige Industrieanlagen heute weitergenutzt werden. Ein Beispiel dafür ist das Goerzwerk in Zehlendorf, das 1915 als Produktionsstandort für optische Geräte errichtet wurde. Heute arbeiten dort nach Angaben des bzi mehr als 150 Unternehmen.

Vom Trudelturm bis Siemens-Areal: Mehr als 150 Veranstaltungen in Berlin

Zu den Schauplätzen gehören bekannte Einrichtungen wie das Deutsche Technikmuseum, aber auch weniger bekannte Orte wie der Trudelturm in Adlershof. Das Programm umfasst außerdem ehemalige Fabriken, Verkehrsbauten und technische Anlagen.

Die Auswahl zeigt, wie eng Berlins heutige Stadtstruktur mit seiner industriellen Entwicklung verbunden ist. Besonders deutlich wird das in Siemensstadt und Oberschöneweide. Auf dem historischen Siemens-Areal entsteht heute mit dem Siemensstadt Square ein neues Stadtquartier. Gleichzeitig soll die historische Siemensbahn wieder in Betrieb genommen werden.

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Berliner Zentrum Industriekultur sitzt selbst in einem ehemaligen Kabelwerk

Auch der Sitz des Berliner Zentrums Industriekultur passt zum Thema. Das bzi arbeitet auf dem Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin in Oberschöneweide. Der Hochschulstandort nutzt Teile des früheren AEG-Kabelwerks Oberspree. Seit 2006 belebt die HTW das ehemalige Industrieareal.

Die Geschichte des Kabelwerks Oberspree und seiner Entwicklung zum heutigen Hochschulstandort reicht weit zurück. In unmittelbarer Nähe liegt zudem das ehemalige Transformatorenwerk Oberschöneweide. Beide Standorte gehörten zum großen Industriegebiet entlang der Spree, das die Entwicklung Oberschöneweides über Jahrzehnte prägte.

Das bzi beschäftigt sich deshalb nicht nur mit Veranstaltungen. Nach eigenen Angaben gehören Forschung, Publikationen, Tagungen, Vermittlungsangebote und die Vernetzung von Akteuren zu seinen Aufgaben. Ein interdisziplinäres Team arbeitet unter anderem in den Bereichen Architektur, Geschichte, Industriearchäologie, Museologie, Restaurierung und Stadtplanung.

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Besucherinnen und Besucher steigen bei einer Führung zur Berliner Industriekultur eine Außentreppe am rund 20 Meter hohen Trudelturm in Adlershof hinauf.

Eine Führung in Adlershof erschließt den rund 20 Meter hohen Trudelturm der Berliner Industriekultur. Das Festival 2026 bietet in allen zwölf Bezirken Veranstaltungen zur Industriegeschichte der Hauptstadt. / © Foto: bzi / Max Braun

Industriekultur zwischen Denkmalpflege und neuer Stadtentwicklung

Gerade die heutige Nutzung alter Industrieanlagen bildet einen Schwerpunkt. Industriegeschichte wird damit nicht ausschließlich museal betrachtet. Viele Standorte dienen inzwischen als Hochschulen, Kulturorte, Gewerbecampus oder neue Arbeitsorte. Andere befinden sich mitten in großen Stadtentwicklungsprozessen.

Das Festival bündelt diese verschiedenen Perspektiven erstmals in einem stadtweiten Format. Nach Angaben des bzi ist es die bislang größte Veranstaltung des Zentrums. Bis zum 4. Oktober bleiben zahlreiche Orte zugänglich; je nach Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich. Einige Angebote sind kostenfrei, andere kostenpflichtig. Der laufend aktualisierte Veranstaltungskalender zeigt die Termine für alle zwölf Berliner Bezirke.

Berliner Zentrum Industriekultur
Das Berliner Zentrum Industriekultur hat seinen Sitz auf dem Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin im ehemaligen AEG-Kabelwerk Oberspree.

Quellen: Berliner Zentrum Industriekultur, HTW Berlin, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Bezirksamt Reinickendorf

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