Die Urbane Mitte am Gleisdreieck steht kurz vor dem Schritt von der Planung zur Baustelle. Doch nach der Berlin-Wahl haben sich die politischen Mehrheiten deutlich verschoben. Vor allem für den noch offenen Nordteil könnte das Folgen haben.

Visualisierung des Siegerentwurfs für die „Urbane Mitte Süd“ am Gleisdreieck mit zwei Neubauten, einem gemeinsamen Sockel und angrenzenden Freiflächen.

Der Siegerentwurf von KSP Engel zeigt die geplanten Neubauten der „Urbanen Mitte Süd“ am Gleisdreieck mit zwei unterschiedlich hohen Hochpunkten. / © Visualisierung: april studios

© Titelbild: Periskop Development GmbH

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Seit Jahren wird um die Urbane Mitte am Gleisdreieck gestritten. Nun fällt die nächste entscheidende Phase des Projekts ausgerechnet in die Zeit der Regierungsbildung nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Während für den südlichen Teil bereits Baurecht besteht, liegen für den Norden politisch sehr unterschiedliche Vorstellungen auf dem Tisch.

  • Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
  • Lage: rund um den U-Bahnhof Gleisdreieck, 10963 Berlin
  • Projektstatus Süd: Bebauungsplan rechtskräftig, Siegerentwurf ausgewählt
  • Projektstatus Nord: Bebauungsplanverfahren läuft

Die Ausgangslage hat sich mit der Wahl vom 20. September 2026 verändert. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft in Berlin. Sie verfügt über 47 der 158 Sitze, Grüne und SPD über 26 beziehungsweise 22 Mandate. Die Linke hat beide Parteien inzwischen zu Sondierungsgesprächen eingeladen; ob daraus eine Regierung entsteht, ist noch offen.

Urbane Mitte: Linke fordert Abkehr von Hochhausplänen

Für die Urbane Mitte ist diese Konstellation besonders interessant. Denn Linke und Grüne gehörten in der vergangenen Wahlperiode zu den Gegnern der bisherigen Planung. Im Februar 2026 stimmten beide Fraktionen im Stadtentwicklungsausschuss gegen den Bebauungsplan für den Südteil, während CDU, SPD und AfD zustimmten.

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Besonders eindeutig positionierte sich die Linke in Friedrichshain-Kreuzberg. Der Bezirksverband beschloss im September 2025, die geplante Bebauung abzulehnen. Kritisiert wurden vor allem die vorgesehenen Büro- und Hotelnutzungen sowie die Hochhausplanung. Auch die heutige Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte das Projekt im Abgeordnetenhaus bereits mehrfach kritisch thematisiert.

Visualisierung des Siegerentwurfs für die „Urbane Mitte Süd“ mit zwei unterschiedlich hohen Gebäuden, Sockelzone und öffentlichen Freiflächen.

Mit zwei unterschiedlich hohen Gebäuden und einer öffentlich orientierten Sockelzone will der Siegerentwurf einen neuen städtebaulichen Akzent am Gleisdreieck setzen. / © Visualisierung: april studios

SPD will die Urbane Mitte umbauen statt komplett stoppen

Die Grünen verfolgen ebenfalls seit längerem einen anderen Kurs als der bisherige Senat. Sie kritisierten 2024 die Übernahme des südlichen Planverfahrens durch das Land und verlangten Anpassungen an veränderte klimatische und städtebauliche Bedingungen. Gemeinsam mit der Linken setzten sie sich später dafür ein, die Planungshoheit für den Nordteil beim Bezirk zu belassen.

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Komplizierter ist die Position der SPD. Ihr Landesparteitag beschloss im November 2025 eine Umplanung der Urbanen Mitte. Dauerhaftes Wohnen sollte im Großteil von Nord und Süd stärker in den Mittelpunkt rücken, reine Bürogebäude sollten vermieden und zusätzliche Entsiegelung geprüft werden. Die Forderung des Kreisverbandes Friedrichshain-Kreuzberg, das Projekt vollständig zu beenden, setzte sich auf Landesebene dagegen nicht durch.

Was die Berlin-Wahl für das Gleisdreieck bedeuten könnten

Trotz dieses Beschlusses trug die SPD-Fraktion Anfang 2026 den Bebauungsplan für die Urbane Mitte Süd mit. Gleichzeitig änderte der Senat die Ziele für die Urbane Mitte Nord zugunsten von bezahlbarem Wohnungsbau. Dort soll das Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung angewandt werden. Zudem hatte sich die Vorhabenträgerin grundsätzlich bereit erklärt, ein Baufeld für Wohnungsbau durch ein landeseigenes Unternehmen zu veräußern. Eine verbindliche Wohnungszahl wurde bislang nicht veröffentlicht.

Eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD müsste damit zunächst einen erheblichen Unterschied überbrücken: Linke und Grüne haben die bisherige Planung deutlich kritisiert, während die SPD einen Umbau mit stärkerem Wohnungsanteil verfolgt und den Südteil letztlich mitgetragen hat. Welche gemeinsame Linie daraus entstehen könnte, lässt sich vor Abschluss der Sondierungen nicht seriös sagen.

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Visualisierung des Siegerentwurfs für die „Urbane Mitte Süd“ am Gleisdreieck mit zwei Neubauten, einem gemeinsamen Sockel und angrenzenden Freiflächen.

Der Siegerentwurf von KSP Engel zeigt die geplanten Neubauten der „Urbanen Mitte Süd“ am Gleisdreieck mit zwei unterschiedlich hohen Hochpunkten. / © Visualisierung: april studios

Urbane Mitte Süd besitzt bereits Baurecht – beim Norden ist mehr offen

Rechnerisch verfügt auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD über eine Mehrheit. Für die Urbane Mitte träfen dabei ebenfalls unterschiedliche Positionen aufeinander. CDU und SPD haben den bisherigen Planungsprozess im Senat vorangetrieben und dem Südteil zugestimmt, während die Grünen einen Neustart der Planung verlangt haben.

Ein Regierungswechsel würde zudem nicht sämtliche bisherigen Entscheidungen aufheben. Für die Urbane Mitte Süd besteht seit April 2026 rechtskräftiges Planungsrecht. Im August gewann KSP Engel gemeinsam mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner den Realisierungswettbewerb. Vorgesehen sind zwei miteinander verbundene Gebäude mit rund 23.750 Quadratmetern Geschossfläche. Periskop nennt weiterhin 2027 als geplanten Baubeginn.

Urbane Mitte am Gleisdreieck
Urbane Mitte am Gleisdreieck: Für den Südteil besteht Baurecht für zwei Neubauten; für den Nordteil läuft das Bebauungsplanverfahren weiter.

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Landeswahlleiter für Berlin, Periskop Development GmbH, KSP Engel

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