Jahrelang galt das Projekt „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck als festgefahren. Nun berichtet die Berliner Morgenpost, dass ein großer Teil der geplanten Büroflächen in Wohnungen umgewandelt werden soll, inklusive eines Anteils an bezahlbarem Wohnraum. Offizielle öffentliche Bestätigungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung liegen dazu bislang allerdings nicht vor.

Eine ältere Visualisierung zeigt, wie die bis zu 90 Meter hohen Gebäude am Übergang von Park und Verkehrsknotenpunkt aussehen sollten. Nun besteht die Möglichkeit, dass neben Büros, Kultur sowie Gewerbe auch Wohnungen entstehen. / © Visualisierung: O&O Baukunst / Realace GmbH
© Titelbild: O&O Baukunst / Realace GmbH
Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört die „Urbane Mitte“ zu den umstrittensten Bauvorhaben in der Berliner Innenstadt. Sieben Hochhäuser, fast ausschließlich für Büros vorgesehen, sollten östlich des Gleisdreieckparks entstehen. Anwohnerinitiativen protestierten, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg blockierte lange, und auch auf Landesebene wechselten die Zuständigkeiten. ENTWICKLUNGSSTADT hatte in den vergangenen Jahren mehrfach über die unklare Zukunft des Projekts berichtet.
Nun rollt die Berliner Morgenpost das Thema neu auf. Nach deren Angaben könnte sich ein deutlicher Kurswechsel abzeichnen: Ein Großteil der vorgesehenen Büroflächen soll in Wohnraum umgewandelt werden, rund 30 Prozent davon als geförderte Wohnungen nach dem Berliner Modell. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus Verwaltungskreisen und vom Investor Periskop. Eine öffentliche oder formelle Bestätigung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (SenStadt) liegt bislang jedoch nicht vor.
„Urbane Mitte“: Langer Anlauf, neue Zuständigkeiten
Das Areal umfasst rund 120.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Nachdem das Projekt jahrelang kaum vorankam, hatte Bausenator Christian Gaebler die Planung in den letzten zwei Jahren an sich gezogen. Teile der Sockelbauten liegen über der neuen Nord-Süd-S-Bahn-Trasse, was die Umsetzung zusätzlich kompliziert.
Laut dem aktuellen Bericht der Berliner Morgenpost soll das Abgeordnetenhaus im Februar zunächst einen Bebauungsplan für den südlichen Abschnitt beschließen. Dort, in der Nähe des Veranstaltungszentrums „Station Berlin“, seien zwei Gebäude vorgesehen, die für ein Hotel sowie studentisches Wohnen oder temporäre Wohnformen genutzt werden könnten. Dauerhaftes Wohnen gelte wegen der Lärmbelastung als nicht zulässig. Ergänzt werden soll dieser Bereich durch eine Mehrzweckhalle und kleinteilige Nutzungen in den Erdgeschossen. Für die architektonische Gestaltung müsse der Investor einen Wettbewerb ausloben.
Mehrere Hundert Wohnungen im Norden des Gleisdreieckparks geplant
Entscheidender dürfte jedoch der nördliche, größere Teil des Projekts sein. Für diesen Bereich mit fünf weiteren Hochhäusern solle nun ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Statt reiner Büronutzung seien Wohnungen und Gewerbe vorgesehen, die Rede ist von mehreren Hundert Einheiten. Das tatsächliche Potenzial müsse noch ermittelt werden.
Nach Informationen der Morgenpost führt Periskop zudem Gespräche mit einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft über die Übernahme einzelner Baufelder. In den Sockelgeschossen der bis zu 24-stöckigen Türme seien Läden, Dienstleistungen, Gastronomie, Handwerk und Freizeitangebote geplant.
Hochhäuser am Gleisdreieck: Wie geht es weiter?
Ob und in welchem Umfang diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, bleibt vorerst offen. Solange keine offizielle Stellungnahme der Senatsverwaltung vorliegt, handelt es sich um ein Vorhaben, das vor allem auf Berichten und internen Bestätigungen beruht. Klar ist jedoch: Die „Urbane Mitte“ steht erneut im Fokus und mit ihr die Frage, wie Berlin künftig zwischen Arbeiten und Wohnen in zentraler Lage abwägt.
Quellen: Berliner Morgenpost
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Was ist eigentlich so schwierig daran, heutige Gebäude so zu bauen, dass sie um Gleise und Haltepunkt herum gebaut sind? Bzw. so konstruiert sind, dass die Bahn Gleise und Station später einfügt. Das eine zT. ‚verlorene‘ (Erd)Geschoss, bzw. dessen umbaute Fläche, kann ohne Probleme oben als weiteres Stockwerk drauf aufs Haus, oder in die Tiefe ..