Das Frankfurter Tor gehört seit Jahren zu den unfallträchtigsten Kreuzungen Berlins. Nun beginnen Umbauten, die die Verkehrssicherheit verbessern sollen. Während Bezirk und Senat erste Maßnahmen umsetzen, fordern politische Akteure weitergehende Eingriffe, bis hin zu dauerhaftem Tempo 30.

Der Kreuzungsbereich am Frankfurter Tor wird von der Polizei Berlin als „Unfallschwerpunkt“ bezeichnet. Jährlich finden viele Unfälle auch mit schweren Verletzungen statt. Nun sollen Umbaumaßnahmen stattfinden mit besseren Fahrbahnmarkierungen und auch Fahrradübergängen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. / © Foto: Wikimedia Commons, Dosseman, CC BY-SA 4.0
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, H.Helmlechner, CC BY-SA 4.0
Das Frankfurter Tor in Berlin-Friedrichshain zählt zu den unfallreichsten Kreuzungen der Stadt. Im Jahr 2024 registrierte die Polizei 132 Unfälle, mehr als in jedem der vergangenen sechs Jahre. Besonders häufig kam es zu Konflikten zwischen abbiegenden Fahrzeugen und Radfahrenden oder Fußgängerinnen und Fußgängern. Insgesamt wurden laut Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt 36 Menschen leicht oder schwer verletzt, darunter 22, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs waren.
Nun haben die lange angekündigten Umbaumaßnahmen begonnen. Der Senat reagiert damit auf Empfehlungen der Unfallkommission, die auf eine besonders hohe Zahl von Zusammenstößen mit Linksabbiegern hingewiesen hatte. Unter anderem sollen Ampelschaltungen angepasst und Übergänge zwischen Tram, Radverkehr und Fußverkehr verbreitert werden.
Neue Markierungen und Ampelschaltungen sollen Sicherheit am Frankfurter Tor erhöhen
Die Maßnahmen umfassen verbesserte Fahrbahnmarkierungen, verlängerte Haltelinien sowie eine veränderte Signalisierung für Linksabbiegende. Zudem sollen die Furten zwischen Haltestellenbereichen und Übergängen um mehrere Meter vergrößert werden, um Konflikte an den Querungen zu reduzieren. Ziel ist es, die Wegebeziehungen klarer zu strukturieren und die Sichtbeziehungen zu verbessern.
Einen konkreten Zeitplan nennt der Senat bislang nicht. Auch wann Radfahrende und zu Fuß Gehende von spürbaren Verbesserungen profitieren können, bleibt offen.
Debatte um Tempo 30: Grüne fordern stärkere Lärmschutz- und Luftqualitätsmaßnahmen
Parallel zum Umbau fordern Die Grünen eine umfassendere Neuordnung der Verkehrssituation. Die Abgeordneten Antje Kapek und Vasili Franco sprechen sich für dauerhaftes Tempo 30 auf der Frankfurter Allee aus, nicht nur nachts, sondern ganztags. Sie verweisen laut Tagesspiegel, auf Lärm- und Schadstoffbelastungen, die bereits heute über den WHO-Empfehlungen liegen und in Zukunft strenger bewertet werden.
Die Senatsverwaltung lehnt ein ganztägiges Tempo 30 bisher ab und verweist auf betroffene BVG-Linien, insbesondere den Nachtbus N5. Eine Anpassung des Fahrplans wäre notwendig, sollte die Geschwindigkeit reduziert werden. Dennoch muss der Senat ab 2026 sogenannte Luftqualitätsfahrpläne aufstellen, um die ab 2030 geltenden EU-Grenzwerte einzuhalten.
Mehr Schutz für Rad- und Fußverkehr: SPD fordert zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen
Auch die SPD fordert weitergehende Eingriffe. Ein Antrag des Kreisverbands Friedrichshain-Kreuzberg sieht unter anderem stationäre Blitzer an allen vier Zufahrten, eine Reduzierung der Geschwindigkeit bereits 100 Meter vor der Kreuzung sowie einen gesondert geführten Radweg vor. Für Kinder ab zehn Jahren sei die aktuelle Situation nicht zumutbar, heißt es im Antrag.
Zudem soll die Grünphase für den Fußverkehr verlängert werden, damit die Frankfurter Allee in einem Zug überquert werden kann. Der Antrag fordert außerdem, die Kreuzung dem Fußverkehrsgremium der Senatsverkehrsverwaltung vorzulegen, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln.
Die Kreuzung am Frankfurter Tor zeigt exemplarisch, wie komplex die Neuordnung stark belasteter innerstädtischer Verkehrsknotenpunkte ist. Während Umbauten anlaufen, wachsen die Erwartungen an langfristige Lösungen, die den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmenden gerecht werden. Ob die laufenden Maßnahmen ausreichen oder weitere Eingriffe notwendig werden, hängt nicht zuletzt von der Unfallentwicklung der kommenden Jahre ab.
Quellen: Tagesspiegel, SPD Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin-Live
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