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Das umstrittene Bauvorhaben am Emmauswald in Neukölln steht erneut auf dem Prüfstand. Während ursprünglich die komplette Rodung des Waldes vorgesehen war, plant der Berliner Senat nun offenbar eine Überarbeitung des Bebauungsplans. Künftig könnte ein Teil der Fläche erhalten bleiben, doch die Debatte um das Projekt bleibt hoch emotional.

Emmauswald in Neukölln

Das rund vier Hektar große Gelände am Mariendorfer Weg in Neukölln sollte nach den Plänen der BUWOG, einer Tochter der Vonovia, mit 654 Wohnungen bebaut werden. Vorgesehen waren neben Sozial- und Eigentumswohnungen auch eine Tiefgarage, neue Erschließungsstraßen und Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Grünfläche. / © Foto: Wikimedia Commons, Rixkölln, CC0

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© Foto Titelbild: IMAGO / Funke Foto Services

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Das Bauvorhaben am Emmauswald in Berlin-Neukölln steht vor einer möglichen Wende. Nach jahrelangen Debatten über die geplante Bebauung der rund 3,8 Hektar großen Fläche wird der Bebauungsplan derzeit überarbeitet. Eine Baugenehmigung liegt bislang nicht vor. Laut Senatsverwaltung sollen die Pläne so angepasst werden, dass künftig ein Teil des Waldes erhalten bleibt.

Ausschlaggebend sind demnach neue ökologische Bewertungen sowie die Nähe zum A100-Tunnel, die bei der bisherigen Planung nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Der Senat teilte rbb24 mit, dass nun eine „kompaktere und höhere Bebauung“ vorgesehen sei, um den Flächenverbrauch zu reduzieren. Ein aktualisierter Umweltbericht ist in Arbeit und soll in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

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Emmauswald in Neukölln: Artenvielfalt und Tunnelabstand zwingen Senat zu neuer Planung

Die Diskussion um den Emmauswald hat sich in den vergangenen Monaten weiter zugespitzt. Bereits in früheren Gutachten wurde das Gebiet als ökologisch wertvoll eingestuft. Dort leben unter anderem mehrere Greifvogel- und Fledermausarten sowie seltene Insekten. Laut einer Anfrage der Linken beherbergt das Areal Arten wie den Sperber, den Kernbeißer und die blauflügelige Ödlandschrecke, ein Hinweis auf seine hohe Biodiversität.

Neben dem Naturschutz spielt nun auch die Nähe zum sogenannten Britzer Tunnel eine Rolle. Nach Angaben der Autobahn GmbH muss ein Mindestabstand von rund 40 Metern zu Tunnelanlagen eingehalten werden, um bauliche Risiken zu vermeiden. Diese Vorgabe soll in die neuen Planungen einfließen. Während die BUWOG betont, dieser Aspekt sei bereits zuvor berücksichtigt worden, spricht der Senat von einer notwendigen Anpassung.

Teilweiser Erhalt des Emmauswaldes geplant: Diskussion über Umfang der Bebauung hält an

Nach rbb-Informationen könnte künftig etwa die Hälfte des Emmauswaldes erhalten bleiben. Zuvor war vorgesehen, den gesamten Baumbestand zu roden, um Platz für rund 600 Wohnungen zu schaffen. Der nun angestrebte Kompromiss sieht eine höhere, aber flächenärmere Bebauung vor. Laut BUWOG erfolge die Überarbeitung „in enger Abstimmung mit dem Senat“, um einen möglichst großen Teil der Grünfläche zu bewahren, wie rbb24 berichtet.

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Doch die Anpassungen lösen nicht nur Zustimmung aus. Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) äußerte gegenüber rbb24 Zweifel, ob der Erhalt alter Bäume unter den neuen Rahmenbedingungen realisierbar sei. Wenn die Zahl der Wohnungen gleich bleibe, könne der Platz dafür fehlen. Er forderte, die Wohnungszahl zu reduzieren, um wertvolle Bestände zu schützen.

Bürgerinitiative „Emmauswald bleibt“ fordert Stopp des Projekts und stärkeren Naturschutz in Berlin

Die Bürgerinitiative „Emmauswald bleibt“ setzt sich seit Jahren gegen das Bauvorhaben ein. Sie begrüßt die jüngsten Verzögerungen ausdrücklich. Je länger die Planungen dauern, desto kürzer sei die mögliche Rodungssaison, erklärte eine Sprecherin. Laut Naturschutzrecht dürfen Bäume nur bis Ende Februar gefällt werden.

Die Initiative sieht im Emmauswald ein Symbol für den Widerstand gegen investorengetriebene Stadtentwicklung. Unterstützt wird sie inzwischen von zahlreichen Umweltverbänden und Kulturschaffenden. Für die Initiative ist das Bauvorhaben ein Prüfstein dafür, ob Berlin es ernst meint mit Klima- und Artenschutz.

Wann die Öffentlichkeit erneut in den Planungsprozess einbezogen wird, ist unklar. Ursprünglich sollte die Beteiligung im zweiten Halbjahr 2025 beginnen. Laut Senatskanzlei wird der Termin derzeit neu abgestimmt. Klar ist: Der Konflikt um den Emmauswald bleibt ein Prüfstein für die Abwägung zwischen Wohnungsbau und Naturschutz in einer wachsenden Stadt.

Quellen: rbb24, Tagesspiegel, Wald statt Asphalt, BUND, BUWOG, Bezirksamt Neukölln

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