Ab Sommer 2026 soll der Boulevard Unter den Linden umfassend umgebaut werden. Die Senatsverkehrsverwaltung plant eine mehrere Jahre dauernde Neugestaltung der Mittelpromenade und später des gesamten Straßenraums. Für Berlins zentrale Magistrale bedeutet das Einschränkungen und zugleich einen tiefgreifenden Wandel.

Der Boulevard Unter den Linden soll umfassend umgestaltet werden, um seine Rolle als zentraler Hauptstadtboulevard wieder zu stärken und die Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen. Geplant ist ein mehrere Jahre dauernder Umbau zwischen Wilhelm- und Universitätsstraße, der mehr Verkehrssicherheit schafft und den Straßenraum zugleich an die Anforderungen des Klimawandels anpasst. / © Visualisierung: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt / Eve Images GmbH
© Visualisierungen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt / Eve Images GmbH
Im Sommer 2026 beginnt die umfassende Neugestaltung des Boulevards Unter den Linden. Zunächst konzentriert sich die Senatsverkehrsverwaltung auf die Mittelpromenade. Für Berlinerinnen und Berliner bedeutet das eine bis Ende 2029 dauernde Bauzeit mit zeitweisen Sperrungen und spürbaren Einschränkungen.
Laut Verkehrsstaatssekretär Arne Herz auf eine Anfrage der Grünen, soll abschnittsweise gebaut werden, sodass die jeweiligen Bereiche während der Arbeiten nicht nutzbar sein werden. Auch der Straßenverkehr wird betroffen sein, da Lieferverkehr, Baulogistik und Bearbeitungsflächen zusätzlichen Raum benötigen.
Neue Baumallee geplant: 157 Silberlinden für Unter den Linden
Ziel der Umgestaltung ist eine höhere Aufenthaltsqualität und mehr Verkehrssicherheit auf dem zentralen Abschnitt zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße. Die vorhandenen Bäume sind teils geschädigt, viele Bereiche der Mittelpromenade wirken lückenhaft. Laut Herz gegenüber der Berliner Morgenpost ist daher der Ersatz des Altbaumbestands zentraler Bestandteil des Projekts.
Insgesamt sollen 157 neue Silberlinden gepflanzt werden. Die bisherige Rasenfläche soll zu artenreichen Pflanzbeeten umgestaltet werden, die zugleich eine Abgrenzung zur Fahrbahn schaffen und die Verdunstungsleistung erhöhen. Ein dezentrales Regenwassermanagement leitet Niederschlag direkt in die Beete, ergänzt durch eine digital gesteuerte Bewässerung für Trockenphasen.
Kosten und Planung: 11,6 Millionen Euro für den Start der Neugestaltung in Berlin-Mitte
Für den ersten Bauabschnitt kalkuliert die Verwaltung mit Kosten von rund 11,6 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur Wachsende Stadt“ sowie aus der Senatsstrategie „Stadtlandschaft“. Mit dem späteren zweiten Projektteil rückt der gesamte Straßenraum in den Fokus.
Er umfasst die Gehwege, Radwege und Fahrbahnen sowie die Kreuzungen zwischen Wilhelm- und Universitätsstraße. Die Gehwege sollen verbreitert werden, während die Flächen für Rad- und Kfz-Verkehr neu verteilt werden. Erste Maßnahmen zeichnen sich bereits ab. So ist eine zusätzliche Fußgängerampel an der Glinkastraße geplant, und der Knotenpunkt Schadowstraße soll für den Autoverkehr gesperrt werden.
Innovative Versickerungsrinne: Boulevard testet neues Regenwassersystem
Parallel entsteht ein Pilotprojekt zur Regenversickerung. Eine neu entwickelte „Versickerungsrinne Typ Unter den Linden“ soll Regenwasser über ein Gefälle aufnehmen, filtern und den Bäumen zur Verfügung stellen. Diese Bauweise ist in Berlin neu und wird deshalb zunächst testweise realisiert.
Auch gestalterisch soll der Boulevard weiterentwickelt werden. Die Abdeckung der Rinnen soll als speziell gestalteter Granitstein ausgeführt werden, um den historischen Charakter des Boulevards zu wahren. Der Abschluss der Vorplanung wird für das erste Quartal 2026 erwartet.
Vom Belag zur Gesamtvision: Unter den Linden steht vor umfassender Neugestaltung
Bereits 2021 und 2022 hatte die Stadt erste Schritte zur Modernisierung eingeleitet. Damals wurden der Straßenbelag erneuert und neue Spurmarkierungen vorbereitet. Der nun anstehende Umbau geht jedoch weit über diese Maßnahmen hinaus.
Mit der umfassenden Neugestaltung rückt Unter den Linden in eine ähnliche Debatte wie die Champs-Élysées in Paris: mehr Raum für Fuß- und Radverkehr, weniger für Autos – und ein Boulevard, der dauerhaft auf Klimaanpassung und städtebauliche Qualität ausgerichtet ist.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Morgenpost,
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11 Kommentare
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An sich eine gute Sache, aber diese ewigen Baustellen im innersten der Stadt geben in ihrer Summe einfach kein gutes Gesamtbild ab. Baustelle an dem Stadtschloss, Baustelle Unter den Linden, bald wahrscheinlich auch Baustelle Friedrichstraße.
Ich verstehe nicht, warum man diese Maßnahme nicht bereits parallel zum Bau der U5 planen konnte. Und wieso fanden die Maßnahmen in 2021 und 2022 statt, wenn man jetzt schon wieder alles ändert? Sucht die Senatsverwaltung nach Aufgaben für den Rechnungshof? ;-)
Die Pläne sehen gut aus, sicherlich erhöht sich dadurch die Aufenthaltsqualitiät. Aber wenn die letzten Maßnahmen erst 2022 abgeschlossen wurden, kann man auch einfach mal ein paar Jahre warten, bis wieder ohnehin Maßnahmen notwendig sind. Das Projekt wird zudem aus einem Sondervermögen (also Schulden!) finanziert. Ein schönes Beispiel dafür, wie mit solchen Sondermitteln umgegangen wird.
Jetzt wird es also noch schlimmer.
2021 hat man die funktionierende Raumaufteilung (zwei normale Spuren und eine breite Bus- und Radspur) abgeschafft und gefährliche Konfliktpunkte geschaffen (Rechtsabbiegspur zwei Spuren links von der Rad-Geradeausspur). Seitdem fährt ein Großteil des Kfz-Verkehrs nun über die enge Französische Straße und die neuee breite Radspur auf Unter den Linden ist weitgehend leer. Und nun will man die verbliebene Bus- und Kfz-Spur zu einer einzigen Spur zusammenlegen, die dann vollständig zugestaut ist?
Wer ist für diesen Irrsinn verantwortlich?
Gegenfrage:
Warum muss man mit einem Autos mitten durch eine Innenstadt fahren können?
Weltweit werden Innenstädte zu nicht durchfahrbaren Nukleen umgebaut um Durchfahrten zu unterbinden und den KfZ Verkehr in diesen Gebieten rein auf den Zielverkehr zu beschränken.
Absolut sinnvoll! Jeder, der in die Innenstadt fahren möchte, soll das tun können. Das muss aber weder schnell sein, noch muss (kostenloses) Parken außerhalb von Parkhäusern geboten werden.
Reine Durchfahrten sind für die betroffenen Gebiete ausschließlich schädlich, insbesondere für die Wirtschaft. Dazu gibt es genug Studien inzwischen.
Die Pläne sind ein Schritt in die richtige Richt. Moderne Staftentwicklung des sehr begrenzten Raumes unter Beachtung der Interessen aller Interessengruppen: Fußgänger, Touristen, Geschäftsinhaber, Restaurants mit zugehörigen Außenflächen, Veranstalter, Behinderte, Durchfahrende, Anwohner, Kinder, Fahrradfahrer, Handwerker, Lieferdienste, Stadtplaner (Wasserwirtschaft -> Schwammstadt, Hitzetote, Luftreinhaltung, Einhaltung der Schadstoffobergrenzen, usw.), Künstler, Studenten, Einsatzkräfte, Tourismusverband, Stadtreinigung, uvm.
Alle haben bestimmte Interessen und Bedürfnisse. Gleichzeitig ist der verfügbare Platz äußerst beschränkt. Es gilt also für alle das Notwendige herauszuholen und wenn dann ggf. noch etwas Platz bleibt, anderes zu bedenken.
Anscheinend kämpfen unsere Autofahrer jetzt in jedem Forum dafür, die ehemals schönste Straße Berlins weiterhin mit ihren Fahrzeugen unattraktiv zu machen. Offenbar ist es für diese Menschen Gesetz, dass der bedeutendste Straßenzug Berlins möglichst hässlich und laut gibt, es keine Blumenbeete gibt und das Spazierengehen auf verroteten Gehwegen keinen rechten Spaß macht, dass zudem möglichst viele Fahrradfahrer und Fußgänger in Gefahr sind.
Zum Glück ist nicht einmal die CDU–geführte Verkehrsverwaltung bereit, dieses wirklich in die Jahre gekommen Bild einer innerstädtischen Straße aufrecht zu erhalten. Wer gerne mit dem Auto durch überdimensioniert Straßen fahren möchte, sollte dieses Hobby doch auf den zahlreichen weiterhin vorhandenen breit ausgebauten Verkehrswegen unserer Stadt ausleben – davon gibt es immer noch viel zu viele.
Dummerweise ist UdL eine der Ost-West Hauptachsen und da man gleichzeitig die Leipziger str. auch Fahrspuren wegnimmt ballt sich der Verkehr auf beiden.
Der ÖPNV in Berlin ist bei WEITEM besser als sein Ruf. :-) Einfach mal ausprobieren.
Wer im Auto sitzt, muss nicht den kürzesten Weg angeboten bekommen. Einen Bogen um die Innenstadt zu fahren, ist zumutbar. Insbesondere da es einen inneren Autobahnteilring und einen äußeren Autobahnring gibt.
Der Platz in der Innenstadt gehört halt nicht nur den Autodurchfahrern sondern auch den Fußgängern und Radfahrern. Das mehr Bäume in der Innenstadt zur Temperaturregulierung notwendig sind, zeigt die Hitzeinselkarte.
Wie wäre es mit drumherumfahren und nicht mitten durch?
In Belgien bauen sie Städte zu Umfahr-Städten aus. Ziel ist es den reinen Durchfahrtsverkehr aus engen und vollen Innenstädten herauszuhalten und diesen außen herumzuleiten.
Mir gefallen die Pläne sehr gut. Mehr Platz auf den Gehwegen für Gastronomie und Fußgänger bei mehr Grün werden Unter den Linden wieder beleben und zumindest einen Hauch ihres Charmes der 20er Jahre wieder bekommen.
Natürlich sind die Autofahrer nicht begeistert. Jedoch wegen die Interessen der Fußgänger, Radfahrer, Gastronomie, Tourismus und Hitzeschutz ebenfalls schwer und werden bislang NICHT ausreichend berücksichtigt. Folglich ist das geplante Bild lediglich ein Ausgleich der Interessengruppen und dringend angebracht.