Der Umbau der Torstraße sorgt für anhaltende Diskussionen in Berlin-Mitte. Sicherheitsdefizite und Konflikte zwischen Verkehrsfluss und Aufenthaltsqualität stehen im Fokus.

Die Senatsverwaltung plant für den Abschnitt zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz Gehwege, separate Radwege und eine rund 15,25 Meter breite Fahrbahn mit jeweils zwei Fahrstreifen pro Richtung. Grünstreifen und bestehender Baumbestand sollen auf beiden Seiten erhalten bleiben, um den Straßenraum aufzuwerten. / © Grafik: SenMVKU
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Christoph Ziehr, CC BY-SA 4.0
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Der geplante Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte bleibt hoch umstritten. Trotz einer bereits überarbeiteten Fassung des Projekts sieht die Planung weiterhin eine rund 15 Meter breite Fahrbahn mit zwei Kfz-Spuren je Richtung vor. Ergänzt werden sollen verbreiterte Gehwege, neue Grünflächen und Radverkehrsanlagen. Baubeginn könnte frühestens im dritten Quartal 2026 erfolgen, der erste Bauabschnitt bis zum Rosenthaler Platz soll rund zweieinhalb Jahre dauern.
Ein von Changing Cities e.V. beauftragtes externes Sicherheitsaudit stellt nun jedoch die Grundannahmen dieser Planung infrage. Der Auditor Roland Hauschulz von der TU Berlin identifiziert 90 sicherheitsrelevante Defizite, davon 34 mit hohem Risiko für schwere Unfälle. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen Entwürfe zentrale Grundregeln der sicheren Verkehrsführung nicht erfüllen.
Sicherheitsdefizite in der Torstraße-Planung: Breite Fahrbahn und riskante Kreuzungen
Das Gutachten bewertet insbesondere die vorgesehene Fahrbahnbreite kritisch. Sie entspreche nicht dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen und verschlechtere die Sicherheit für Rad- und Fußverkehr. Laut Auditor führen zusätzlich eingeschränkte Sichtfelder an Kreuzungen, fehlende Querungsstellen und unzureichende Schutzräume an Haltestellen zu erhöhten Risiken.
Hinzu kommen bekannte Unfallhäufungsstellen, die in der Planung kaum berücksichtigt werden. Am Rosenthaler Platz soll die bestehende Radverkehrsanlage entfallen, obwohl dort nachweislich viele Unfälle stattfinden. Auch Rettungsfahrzeuge hätten laut Gutachten Schwierigkeiten, bestimmte Knotenpunkte zu passieren. Empfohlen wird deshalb eine baulich geschützte Sonderspur in Richtung Charité.
Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte: Verein kritisiert Budget und fehlende Naturschutzmaßnahmen
Changing Cities erhebt neben sicherheitsbezogenen Bedenken auch grundsätzliche Einwände gegen die Ausrichtung des Projekts. Nach Angaben des Vereins sei es kaum nachvollziehbar, mehr als zehn Millionen Euro vor allem für die Erneuerung der Fahrbahndecke und den Ausbau einer vierspurigen Verkehrsführung aufzuwenden, die aus ihrer Sicht einer stadtteilinternen Schnellstraße ähnele. Zudem würden neue gesetzliche Vorgaben wie das jüngst verabschiedete BäumePlus-Gesetz ihrer Einschätzung nach kaum berücksichtigt.
Die Initiative verweist auf eine eigene Alternativplanung, die zeigen soll, dass eine sichere Verkehrsführung innerhalb der bestehenden Straßenbreite realisierbar ist. Querungsinseln, geschützte Radwege und abgestimmte Sichtverhältnisse gehören zu den vorgeschlagenen Elementen. Nach Darstellung des Vereins könnten bestehende Nutzungen in den Seitenbereichen, etwa Fußverkehr oder gastronomische Außenflächen, weiterhin vollständig bestehen.
Torstraße Berlin-Mitte: Forderung nach Transparenz und sicherheitsorientierter Planung
Neben der Neuplanung fordert Changing Cities die Veröffentlichung des eigenen Sicherheitsaudits des Senats, das bislang nicht öffentlich einsehbar ist. Nach Einschätzung der Initiative müsse jede zukünftige Planung auf realen Verkehrs- und Unfalldaten basieren und die Schutzbedürfnisse von Radfahrenden und Fußgängerinnen sowie Fußgängern stärker berücksichtigen.
Die Senatsverwaltung betont hingegen, dass die vorliegende Planung bereits von zertifizierten Sicherheitsauditoren geprüft worden sei und den geltenden Regelwerken entspreche. Der Bezirk kündigt zudem an, die Öffentlichkeit weiterhin einzubeziehen und die Planungsunterlagen in Informationsveranstaltungen vorzustellen.
Torstraße-Konflikt: Streit zwischen Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit
Viele der bestehenden Konfliktlinien reichen bis zu den ersten Konzepten zurück. Einerseits sollen sichere und durchgängige Radwege entstehen, andererseits möchte die Verwaltung die Leistungsfähigkeit der wichtigen Ost-West-Magistrale erhalten. Frühere Pläne sahen eine Reduzierung der Kfz-Spuren vor, wurden jedoch 2023 erneut geprüft und schließlich zugunsten der breiteren Fahrbahn angepasst. Die aktuelle Kritik beeinflusst die Diskussion erneut und verstärkt die Forderung nach einer grundlegenden Neubetrachtung.
Der Streit um die Torstraße zeigt, wie anspruchsvoll der Ausgleich zwischen Verkehrsleistung, Aufenthaltsqualität und Sicherheit im innerstädtischen Raum ist. Während der Senat an der Grundstruktur des Projekts festhält, legt das externe Gutachten nahe, dass die aktuellen Entwürfe zentrale Zielsetzungen nur teilweise erfüllen. Ob die Straße wie vorgesehen umgebaut wird oder eine umfassende Überarbeitung folgt, bleibt vorerst offen.
Quellen: Changing Cities e.V., Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verkehr und Klimaschutz, Berliner Morgenpost
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Sicherheit geht vor. Warum meinen immer so viele, dass man in Höchstgeschwindigkeit und auf dem kürzesten Weg ohne Stau durch eine Stadt fahren können muss?
Erreichbarkeit gerne, von schnell hat doch nie einer was gesagt. Also: runter vom Gas! Das rettet Leben. Diese Kampagne führt die Polizei jedes Jahr zum Schulbeginn der kleinsten Schüler. Aus gutem Grund!
Wer im Auto sitzt, kann auch eine geringfügig längere Strecke hinnehmen und auch mal einen Bogen fahren.
Ich habe eine absolute Vorliebd für sinnvolle und effektive Nutzung.
Der Vorschlag die Fahrradspur für die Rettungskräfte zu nutzen, ist so sinnvoll. Bei Bedarf ist ein Fahrrad schlicht und ergreifend schneller aus dem Weg geräumt als ein KfZ.
Auch die an anderen Stellen immer wieder genannten ÖPNV-Spuren, welche durch Tram und Bus genutzt werden und auch Rettungskräften offen stehen, sind so wunderbar effektiv.
Leider wird hier wieder zu Lasten der Fußgänger und Radfahrer der KfZ Bereich bevorzugt.
Bei der Begründung „Verkehrsfluß“ sollte man doch erst mal überlegen, wieviel von dem KfZ Verkehr überhaupt notwendig ist. Verkehrsflächen ziehen Verkehr an. Reduziert man die Flächen, steigen die Menschen auf andere Verkehrsträger um. Stau ist halt unbequem.
Folglich müsste man kalkulatorisch zugrunde legen, wer tatsächlich „qualifiziert“ dort lang fährt: Polizei, Rettungsdienste, Wirtschaftsverkehr (z.B. Lieferer), ÖPNV, Taxi & Co., Handwerker, Eingeschränkte Personen,… Berufspendler (bei Homeoffice und gutem ÖPNV Angebot) und Luxusfahrer aus Bequemlichkeit gehören nicht dazu.
Dazu ein Zuschlag von ca. 20% und dann hat man eine tatsächliche, vergleichbare und ausgewogene Grundlage, welche man den Interessen der Fußgänger, Radfahrer , anliegenden Geschäften/Gastronomie, Anwohnern und Touristen gegenüberstellen kann.